Ilmenau: Mann soll Freundin eingeschlossen haben

Ilmenau  Gerichtsbericht: Bei einer Verhandlung in Ilmenau relativiert einstige Lebengefährtin den Vorfall.

Eine Frau ist nachdenklich. Das Symbolbild zeigt eine nachgestellte Szene.

Eine Frau ist nachdenklich. Das Symbolbild zeigt eine nachgestellte Szene.

Foto: Alexander Volkmann

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Wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung muss sich ein 24-jähriger deutscher Staatsbürger vor der Zweigstelle Ilmenau des Amtsgerichts Arnstadt verantworten. Verhandelt werden zudem zwei verbundene Verfahren, in denen es um Diebstahl von Parfüm und unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln geht. Während der Mann diese Tat gestand, stritt er den Diebstahl ab – und stellte die mutmaßliche Freiheitsberaubung aus seiner Sicht anders dar.

An einem Abend im Sommer 2018 soll er nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin die Eingangstür der gemeinsamen Wohnung in einem Ilmenauer Mehrfamilienhaus verschlossen und der Frau den Schlüssel abgenommen haben. Daraufhin flüchtete sich diese laut Anklageschrift ins Bad und rief aus einem offenen Fenster um Hilfe. Die Rufe nahm ein weiterer Mieter wahr, der daraufhin die Polizei rief.

Die Beamten kamen wenig später und mussten nach eigener Schilderung nachdrücklich um Einlass bitten. Der Angeklagte öffnete schließlich die Tür freiwillig. Als die Polizisten die Frau sahen, stellten sie frische und alte Hämatome, sowie eine Schwellung am Handgelenk fest. Auf eine Anzeige wollte die Lebensgefährtin verzichten – doch die stellten die Beamten bereits von Amts wegen eine.

Ominöses Handy könnte Angeklagten entlasten

Bei der Verhandlung vor Gericht spielte die 31-Jährige den Vorfall herunter. Sie habe in der Situation überreagiert und ihr damaliger Freund sie höchstens leicht am Arm festgehalten. An dem Streit sei sie womöglich auch mitschuldig gewesen, zumal sie an dem Abend unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol gestanden habe, berichtete sie. Doch die Wahrnehmung der Polizisten war eine andere: Beide Bewohner hätten einen relativ gefassten Eindruck gemacht.

Der Beschuldigte räumte zwar ein, dass er der Frau ihren Schlüssel abgenommen habe, doch dass im Schloss wie immer sein Schlüssel steckte, sodass seine Lebensgefährtin die Wohnung jederzeit hätte selbst verlassen können. Richter Jörg Türpitz ließ zu Protokoll nehmen, dass in dieser Sache auch eine Nötigung in Frage komme.

Zu einem Urteil kam es in dieser Woche nicht. Denn der Diebstahl in der Ilmenauer Drogerie ist nach Einschätzung des Verteidigers seinem Mandanten nicht eindeutig nachzuweisen. Zwar fanden sich an einem sichergestellten Rucksack DNA-Spuren. Den aber soll sich ein nicht namentlich genannter Bekannter am Tag geborgt haben.

Auch die Leiterin der Filiale konnte das Aussehen des Diebs vor Gericht nicht mehr beschreiben. „Ich habe damit beinahe täglich zu tun“, sagte sie. Sie erinnerte sich aber, dass ein Mann Parfüm in zwei Rucksäcken verstaute und schnell zum Ausgang rannte. Einem Kunden im Eingangsbereich konnte sie gerade noch zurufen, dass er bitte den Rucksack festhalten möge, was er auch tat. So konnte immerhin ein Teil der Beute gesichert werden. In dem Rucksack befand sich eine Kühltasche aus Plastik, die offenbar verhindern sollte, dass die gestohlenen Sachen Alarm auslösen.

Bei der Untersuchung auf Spuren stellten Kriminalbeamte sowohl die DNA des Angeklagten als auch die der Filialleiterin fest – aber es fand sich auch noch die dritte Spur eines gerichtsbekannten Täters. Als bei der Verhandlung die Beweisgegenstände vorgeführt wurden, zog ein kaputtes Handy in der Asservatentüte mit dem Rucksacks die Aufmerksamkeit des Rechtsanwalts auf sich, das bislang keine Rolle gespielt hatte.

Das Gerät sei eindeutig nicht von seinem Mandanten, sagte der Verteidiger. Er will nun klären lassen, ob sich daran möglicherweise auch die Spuren des dritten Mannes finden lassen. Wäre das so, ist das für ihn ein Indiz, dass sein Mandant mit dem Rucksack am Tag des Diebstahls nichts zu tun hatte.

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