Ilmenau: Von der Elbphilharmonie in den Saal am Großen Teich

Ilmenau.  Ryan Carniaux, Mike Roloefs und Ra Kalam Bob Moses eröffnen den Ilmenauer Jazzherbst

Mike Roelofs, Ra Kalam Bob Moses und Ryan Carniaux  (von links) eröffneten im Schülerfreizeitzentrum den diesjährigen Ilmenauer Jazzherbst.

Mike Roelofs, Ra Kalam Bob Moses und Ryan Carniaux  (von links) eröffneten im Schülerfreizeitzentrum den diesjährigen Ilmenauer Jazzherbst.

Foto: Karl-Heinz Veit

Draußen fallen bei Nebel und Regen die bunten Herbstblätter von den Bäumen. Drinnen hielt am Donnerstagabend der „Ilmenauer Jazzherbst 2020“ Einzug und versammelte im großen Saal des Schülerfreizeitzentrums am Großen Teich die hiesige Gemeinde der Jazzfreunde.

Klaus-Dieter Fritz war bei der Begrüßung der Band und der Gäste (im Corona- Modus voll besetzten Saal) die Freude darüber anzumerken, dass es mit den Jazzherbst-Veranstaltungen in der Jakobuskirche, im Helmholtz-Hörsaal und schlussendlich im wieder eröffneten Parkcafé in der Festhalle weitergehen wird. Die Zuhörer quittierten diese verheißungsvollen Aussagen mit Beifall und begrüßten damit gleichzeitig damit die dreiköpfige, internationale Band.

Ryan Carniaux (Trompete und Flügelhorn), Mike Roelofs (Klavier und mehr) und Ra Kalam Bob Moses (Schlagzeug, Percussion und Gesang) kamen direkt von der Hamburger Elbphilharmonie und einem nachfolgenden Konzert in Schwerin nach Ilmenau.

„So sind wir halt. Wir holen in die Stadt, wer und was Rang und Namen hat“, scherzte Fritz. Sein dem Jazzclub völlig zu Recht erteiltes (Eigen)lob für die Vorbereitung und Durchführung des Jazzherbstes verstärkte Ryan Carniaux vor der Konzertpause mit einem herzlichen Dank an den Jazzclub und seine Protagonisten für die willkommene und sehr schöne Möglichkeit, in Ilmenau in einer für Künstler schweren Zeit konzertieren zu dürfen.

Freundlichste Aufforderung zum Gespräch ohne Worte

Es hörte sich an wie ein trompetetes Aufbruchssignal, melodisch ein wenig verwandt mit dem allbekannten „Il silencio“, als Rain Carniaux sein minutenlanges Solo blies. Damit leitete er, vergleichbar mit einer Suite, einer Sonate oder sinfonischen Dichtung, das erste halbstündige Set des Abends ein. Wie eine Einladung und freundlichste Aufforderung zum Gespräch ohne Worte, über all das, was unsere Zeit ausmacht und die bunte, vielfältige Welt bereithält, stimmten der Pianist und der Drummer in das unaufgeregte musikantische „Gespräch“ ein. Wenngleich die Trompete und später das Flügelhorn die Gesprächsführung für sich beanspruchte und der polylogen Unterhaltung immer wieder Struktur verlieh, wurden die beiden „Gesprächspartner“ nicht dominiert. Auffällig und ganz im Gegensatz zum vorauseilenden Ruf manchen Drummers, sich meist mit der Schlagkraft des Beats in Szene zu setzen und auch aufzutrumpfen, verschaffte sich Ra Kalam Bob Jones mit nahezu zart lyrischem Einsatz seines vielgestaltigen Instrumentariums Gehör und Aufmerksamkeit. Was der Trompeter über sein Zusammenspiel mit beiden Musikern und die Musik bei der aktuellen CD- Aufnahme 2019 sagte, erlebten in knapp zwei Stunden die Zuhörer live mit großer Begeisterung.

Ryan Cariaux: „Die Musik ist heilende Musik. Vibrierende Spiritsounds aus der Seele. Sie ist unser Ausdruck der Liebe, der Freude und des Mitgefühls für die Welt, zu einer Zeit, in der viele auf sie angewiesen sind. Sie ist ein Fest der Freiheit und der Freude.“

Weitere Konzerte im Rahmen des Ilmenauer Jazzherbstes gibt es am 4. November mit Dominic Eglis Plurism und Feya Faku und am 21. November mit dem Duo Topferova und Lacoste. Am 27. November wird zu einer Lesung mit Konzert eingeladen unter dem Titel „Die wahre Geschichte von Ede und Unku“.

Karten gibt es unter https://www.tixforgigs.com/de-DE/Home/Search?searchText=ilmenau