Ilmkreis: Körperverletzungen und Diebstähle führen die Statistik an

Ilm-Kreis  Polizeidirektor stellt im Kreistag aktuelle Entwicklung der Sicherheitslage vor. Größe des Landkreises stellt Beamte vor Herausforderungen

Etliche Arnstädter laufen im Dunkeln nicht mehr gern durch den Schlossgarten. Die Polizei weiß das und will entsprechend reagieren.

Etliche Arnstädter laufen im Dunkeln nicht mehr gern durch den Schlossgarten. Die Polizei weiß das und will entsprechend reagieren.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Die Sicherheitslage im Ilm-Kreis beschäftigte am Mittwochabend die Mitglieder des Kreistags. Polizeidirektor Günther Lierhammer stellte in der Stadthalle die aktuellen Trends vor. Im Ilm-Kreis, so der Chef der Landespolizeidirektion Gotha, stünden die Beamten von besonderen Herausforderungen. 110 000 Einwohner leben auf 842 Quadratkilometer – was für einen Teil der Einsätze weite Anfahrtswege bedeutet. Insbesondere bei widrigen Witterungsbedingungen habe man zu kämpfen.

Aber: Von einem kräftigen Anstieg der Kriminalität könne beim Blick auf die langjährigen Zahlen nicht die Rede sein. Die Fallzahlen seit 2010 ähneln sich; dass es 2016 einen Ausschlag nach oben gegeben hat, liege an einer Umstellung des Erfassungsverfahrens älterer Delikte. Dies habe sich im Folgejahr wieder relativiert.

60 Prozent der Delikte, so Lierhammer, können aufgeklärt werden. Das sei ein respektabler Wert. Besonders häufig seien Körperverletzungen, aber auch Diebstähle, die oft in Zusammenhang mit Drogendelikten stünden. Insbesondere Fahrräder würden geklaut. Hier seien auch die Besitzer gefragt, die es Dieben mitunter leicht machen, indem sie die Räder unabgeschlossen in Hausflure stellen.

Der Eindruck, dass es in Arnstadt im Vergleich zu Ilmenau mehr Vorfälle gibt, stimmt, so Lierhammer. Das sei bereits seit Jahren so und in den zurückliegenden Monaten besonders augenfällig. Darauf habe man mit dem Einsetzen einer Ermittlergruppe für Intensivtäter reagiert. Deren Arbeit sei am Anfang ein wenig mühselig gewesen. 425 Taten wurden bearbeitet, in 30 Fällen klickten schließlich aber die Handschellen. Fast 500 Beweismittel wurden sichergestellt, die mittlerweile wieder an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben wurden.„Wir haben dadurch sofort eine spürbare Beruhigung der Lage festgestellt“, so Lierhammer. Allerdings sei es eine Daueraufgabe, an diesem Thema dranzubleiben und die Deliktzahlen auf Dauer zu senken.

Auf Nachfrage ging Günther Lierhammer auch auf das Bürgerbüro der Polizei in Arnstadts Innenstadt ein, das über Monate krankheitsbedingt kaum besetzt war. Mittlerweile werden wieder regelmäßige Sprechzeiten angeboten, versicherte er. Es sei wichtig, Ansprechpartner in Innenstadtnähe zu haben.

Stefan Buchtzik (Freie Wähler) warf dem Beamten vor, dass mitunter von Delikten, die Ausländer begangen hätten, nicht berichtet werde. Dem widersprach Lierhammer. Eine solche Unterscheidung werde in den Polizeiberichten nicht gemacht – es sei denn, ermittlungstaktische Gründe sprächen gegen eine Veröffentlichung. Das träfe aber alle Nationalitäten.

Sehr wohl wisse er aber, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in Bezug auf bestimmte Personengruppen mitunter den Statistiken widerspricht. „Wenn wir Brennpunkte erkennen, reagieren wir darauf“, entgegnete er dem Vorwurf Stefan Buchtziks, mancher Bürger traue sich nicht mehr, durch den Schlosspark zu gehen, weil dort viele Ausländergruppen stünden.

Andreas Beyersdorf (CDU) gegenüber betonte Lierhammer, dass sich die Polizei nicht nur um Schwerpunkte kümmere, sondern sehr wohl auch Gemeinden wie Großbreitenbach im Blick habe. Hier gibt es unter anderem ein Raser-Problem, an dem man dran sei.

Polizeidirektor Lierhammer rief Ordnungsbehörden und Bürger auf, die Polizei zu kontaktieren, wenn sie bestimmte Situationen als bedenklich empfinden. Dann könne man schnell reagieren, ehe sich ein Brennpunkt entwickelt.

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