Im Ilm-Kreis angekommen, im Alltag fotografiert

Ilm-Kreis  Ausstellung im Landratsamt in Arnstadt und Bilanz über das dreieinhalbjährige Komet-Projekt in der Landgemeinde Großbreitenbach haben, wenn man so will, eine Gemeinsamkeit – den Bevölkerungsrückgang stoppen.

Die Ausstellung „Angekommen“ wurde im Flur des Landratsamtes im Rahmen der Interkulturellen Woche mit Mitarbeitern der Volkshochschule und der porträtierten Liudmila Baum sowie mit ihrem Fotografen Wolfgang Kliebisch. 

Die Ausstellung „Angekommen“ wurde im Flur des Landratsamtes im Rahmen der Interkulturellen Woche mit Mitarbeitern der Volkshochschule und der porträtierten Liudmila Baum sowie mit ihrem Fotografen Wolfgang Kliebisch. 

Foto: Hans-Peter Stadermann

Der Weg zum Pressegespräch der Landrätin führte am Dienstag über eine Ausstellung im Flur der Kreisverwaltung. Dort hängen zur Interkulturellen Woche 16 von Wolfgang Kliebisch fotografierte Porträts von Ankommenden im Ilm-Kreis. Es handelt sich um eine Ausstellung der Volkshochschule, die bereits vor zwei Jahren fertig geworden und in Ilmenau und Erfurt gezeigt worden ist. Die Porträtierten sind Menschen aus anderen Ländern, die im Ilm-Kreis, mit Schwerpunkt Ilmenau, angekommen sind. Sie fanden eine neue Heimat, eine Arbeitsstelle, eine Familie. Sie lernten an der Volkshochschule Deutsch, besuchten Integrationskurse. Einige geben inzwischen auch selbst Kurse in ihrer Heimatsprache.

Bevölkerungsrückgang stoppen

Liudmila Baum kam aus Weißrussland. Sie arbeitet als Künstlerin und wohnt in Königsee. Sie malt gern Porträts, darunter auch Jogi Löw und Angela Merkel. Sie sagt, dass die Porträtierten beim Ansehen ihres Bildes die Seele in Ruhe bringen. Unter den im Landratsamt porträtierten Zuwanderern in ihrem Arbeitsalltag sind Menschen aus Syrien, Russland, Schweden, Türkei, Peru, Kolumbien, Japan, Ukraine, Italien und Litauen.

Sie arbeiten als Apothekerin, Modedesignerin, Pädagoge, Imbiss-Betreiber, Friseurin, Assistenzärztin oder Architektin. Wolfgang Kliebisch habe beim Fotografieren erfahren, dass diese Menschen zu unserer Gesellschaft gehören, sagte er.

Anschließend ging es im Saal weiter, wo Landrätin Petra Enders (Linke) und Projektkoordinatorin Ute Bönisch das nach dreieinhalb Jahren 2019 zu Ende gehende Komet-Projekt auswerteten. Komet steht für „Kooperativ Orte managen“ und umfasste für die jetzige Landgemeinde Stadt Großbreitenbach und Gehren Initiativen, um dem Bevölkerungsrückgang auf dem Land zu stoppen. Komet war ein Bundesprojekt, das zu 90 Prozent gefördert worden ist und einen Etat von etwa 300.000 Euro hatte. In den drei Jahren versuchten sich drei Projektkoordinatoren, doch die ersten beiden haben die Arbeit abgebrochen, so Bönisch.

Somit habe das Projekt, an dem auch die Bauhaus-Universität Weimar und die Verwaltung des Biosphärenreservats Thüringer Wald beteiligt waren, auch Verzögerungen und Stolpersteine überwinden müssen, aber zum Schluss könnten sich die Ergebnisse sehen lassen.

Es wurde zunächst ein Leerstandskataster entwickelt, daraus folgte eine Immobilienplattform auf der Projekt-Internetseite. Ermittelt und dann dargestellt wurden dort leer stehende Gebäude in der Region, die entweder zum Abriss und Neubau oder zur Sanierung freigeben sind, mittlerweile sind es 100 Gebäude.

Einige von ihnen sind auch äußerlich schon mit Schildern der Aufschrift „Für neues Leben in alten Mauern“, „(Bau)Platz für Träume“ oder „Aus alt mach neu?“ versehen worden. Doch über Nutzungskonzepte für alte Häuser ist das Projekt hinausgewachsen. Alle Beteiligten hätten sich zu einer Dorfregion Großbreitenbach bekannt, sagte Enders, und auch Fördermittel zur Dorferneuerung bekommen.

Man habe 30 Mitfahrbänke in zehn Orten aufgestellt, 24 Pedelecs angeschafft, Wanderwege digitalisiert, eine Veranstaltung zum Bauen und Sanieren abgehalten, ein Vereine-Treffen organisiert, die touristische Verknüpfung von Museen und Heimatstuben mit einer Exkursion angeschoben, eine Berufsinformationsmesse initiiert. Das soll mit einer Personalstelle beim Landkreis oder bei der Landgemeinde fortgeführt werden.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.