Immobilienbesitzer werden an Sanierung der Ilmenauer Altstadt beteiligt

Ilmenau  Für Entwicklung der Bodenwerte in Ilmenau müssen Ausgleichsbeiträge gezahlt werden. Gutachten für jedes Grundstück

Blick auf die Altstadt von Ilmenau vom Kirchturm aus. Archiv-

Blick auf die Altstadt von Ilmenau vom Kirchturm aus. Archiv-

Foto: Ralf Ehrlich

Auf die Besitzer von Immobilien im Ilmenauer Stadtzentrum kommen Kosten zu. In den nächsten Monaten wird ermittelt, welchen Wertzuwachs ihr Grund und Boden hatte, der sich zum Teil seit 1993 in den ausgewiesenen Sanierungsgebieten befindet. In dem komplexen Verfahren werden zunächst die Werte in den Zonen selbst eingeschätzt, bis im Anschluss für jedes Grundstück ein eigenes Gutachten erstellt wird.

In Ilmenau wurden drei Sanierungsgebiete ausgewiesen: die historische Altstadt, die Bahnhofsvorstadt und das Areal um die Langewiesener Straße bis auf Höhe der Einmündung der Albert-Einstein-Straße.

Mit dem Eintrag des Sanierungsvermerkes erhält der Eigentümer den Nachweis, dass sich sein Grundstück in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet befindet, heißt es aus dem Rathaus. Der Eintrag auf Antrag der Stadtverwaltung Ilmenau beim Grundbuchamt bleibt solange bestehen, bis das Sanierungsgebiet durch die Stadt aufgehoben wird. Das steht nun zunächst im Fall des 1993 ausgerufenen Bereichs der historischen Altstadt nach Abschluss der Maßnahmen bevor. Zuletzt wurde dort die Mariengasse saniert.

Entscheiden sich Eigentümer für eine vorfristige Ablösung des Ausgleichsbetrags, profitieren sie von einer sogenannten Abzinsung und müssten damit weniger bezahlen, sagte am Montag vor Mitgliedern des Bauausschusses Jörg Sattler, Geschäftsführer des Instituts für Zukunfts-kommunikation (IfZK). „Geld zurückzuzahlen ist nie cool“, räumte er ein. Aber es gehe dabei um die angemessene Beteiligung von Grundstücksbesitzern an Investitionen von Stadt, Land und Bund in der Vergangenheit, um ein Gebiet positiv zu entwickeln – was im Fall von Ilmenau nach Einschätzung des Unternehmers zweifelsfrei gelungen sei.

Wichtig sei es, den Prozess für alle Beteiligten so transparent wie möglich zu machen, erklärte Sattler. Bei den Eigentümern Verständnis für die Ausgleichsbeiträge und ihre Zusammensetzung zu erzeugen, vermeide letztlich auch langwierige juristische Auseinandersetzungen, sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass sich die in Ilmenau zur Anwendung kommende Methode nach dem Brandenburger Modell als rechtlich standfest erwiesen habe. Allerdings sei auch jede Kommune laut Baugesetzbuch dazu verpflichtet, Ausgleichsbeiträge in Sanierungsgebieten zu erheben. Betroffen sind alle Grundstückseigentümer ohne Ausnahmen – auch die Kirchen. Die Ermittlung des Betrags beziehe sich ausdrücklich nur auf die Entwicklung der Bodenpreise innerhalb eines Sanierungsgebiets.

Nicht berücksichtigt werden dabei Wertsteigerungen, die etwa durch Investitionen in Gebäude zustande kamen. Bei der Erstellung der Gutachten spielen auch Größe, Zugänglichkeit, Nutzungsmöglichkeiten und die Marktlage eine Rolle, wurde im Ausschuss erklärt.

In Ilmenau steht der Prozess noch am Anfang. Zunächst soll eine Jury für die Bewertung gegründet werden, die aus Sachverständigen und Lokalpolitikern besteht.

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