In Arnstadt werden weitere 14 Stolpersteine verlegt

Arnstadt (Ilmkreis). Mit Jörg Kaps, Beauftragter der Stadt Arnstadt für das Gedenkprojekt, sprach Antje Köhler über den Stand der Vorbereitung.

Jörg Kaps (50) recherchiert das Leben jüdischer Mitbürger. Foto: Antje Köhler

Foto: zgt

Am 27. Juni werden bereits zum siebenten Mal in Arnstadt Stolpersteine verlegt. Wie viele sind es diesmal? Wir verlegen 14 neue Stolpersteine. Sie erinnern an drei jüdische Familien, für die Arnstadt Heimat war und die von hier vertrieben, deportiert und zum Teil ermordet wurden.

Welche Familien werden auf diese Weise geehrt?
Wir beginnen am 27. Juni um 10 Uhr in der Karl-Marien-Straße 11, wo drei Stolpersteine an die Familie Katz erinnern sollen. Danach gehen wir nur wenige Schritte weiter in die Karl-Marien- Straße 26. Dort gedenken wir der Familie Wolfermann und verlegten vier Steine. Zum Abschluss erinnern wird mit sieben Steinen an die Familie Arendt. Sie wohnte Unterm Markt 8 und führt dort ein Geschäft für Damenbekleidung.

Was haben Ihre Recherchen über diese Familien ergeben?
Familie Katz hatte in der Karl-Marien-Straße ein Wohnhaus und betrieb mit Familie Samuel, für die wir bereits 2007 Stolpersteine verlegten, einen Viehhandel. Mutter, Vater und Sohn Katz wurden am 10. Mai 1942 mit dem ersten großen Transport aus Thüringen ab Weimar nach Belzyce deportiert. Die ganze Gruppe wurde offensichtlich in Lublin "selektiert". Sohn Dagobert David Katz kam nach Majdanek und wurde am 21. November 1942 ermordet. Die anderen beiden Familien haben diese schreckliche Zeit überlebt. Familie Wolfermann konnte nach Südafrika fliehen, Familie Arendt flüchtete nach Südamerika. Ein Sohn, Helmut Arendt, wurde 1938 in Dachau inhaftiert. Noch Ende 1938 gelang ihm die Flucht nach England. Dort lernte er seine Ehefrau kennen, mit der Witwe bin ich seit langem befreundet.

Werden wieder Überlebende aus diesen Familien zur Feierstunde erwartet?
Nein, in diesem Jahr leider nicht. Annie Arendt ist bereits 93 Jahre alt und diese Reise für sie zu beschwerlich. Sie lebt in Israel und wäre gern bei uns. Zu Nachfahren der Wolfermanns konnte ich leider keinen Kontakt herstellen. Und bei Familie Katz habe ich bisher keine Nachfahren ausfindig machen können. Die Nazis löschten vermutlich die gesamte Familie aus. Aber der Enkel von Max und Rosa Samuel, Robert Cohen, der mit ihnen verwandt ist, hat einen Text verfasst. Ich werde ihn am 27. Juni verlesen. Wir hoffen wieder auf rege Anteilnahme der Arnstädter.

Ist die Finanzierung der Steine bereits gesichert?
Nein, die Stadt Arnstadt hat erst einen Teil des Geldes zusammen. Das gesamte Projekt finanziert sich von Anfang an aus Spenden. So bin ich sehr froh über Aktivitäten wie beispielsweise die der Klasse 10c aus dem Staatlichen Gymnasium in Arnstadt. Sie hat wie in den vergangenen Jahren die Patenschaft für einen Stein übernommen und finanziert ihn. Die Schüler werden auch wieder bei einem Arbeitseinsatz bei der Pflege des jüdischen Friedhofes in Plaue helfen. Ein Stein kostet 120 Euro, und wir sind dankbar über jeden, der sich beteiligt, egal in welcher Höhe. Seit 2007 haben wird 112 Stolpersteine verlegt und so dafür gesorgt, dass diese Menschen in unserer Stadt nicht vergessen sind.

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