Jugendliche mussten lange Wege in Kauf nehmen

Arnstadt (Ilm-Kreis). Friedemann Behr teilt anlässlich des 100. Jubiläums der Schule am Schlossplatz seine Erinnerungen an seine Schulzeit.

Ein Teil der Jahrgänge 1930 und 1931 der Fürst-Günther-Schule Arnstadt trafen sich im Jahr 1969 in Höchberg bei Würzburg zu einem Klassentreffen. Foto: Sammlung Friedemann Behr

Ein Teil der Jahrgänge 1930 und 1931 der Fürst-Günther-Schule Arnstadt trafen sich im Jahr 1969 in Höchberg bei Würzburg zu einem Klassentreffen. Foto: Sammlung Friedemann Behr

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Wir waren im letzten Kriegsjahr 1945 nach wie vor Schülerinnen und Schüler der Fürst-Günther-Schule, allerdings waren uns nun unsere Klassenräume in der schönen Schule verschlossen, und die Lehrer suchten in der Stadt nach Ausweichquartieren.

Vorerst durften wir noch die Kellerräume zum Unterricht nutzen, aber als die vielen Akten des Verkehrsministeriums aus Berlin eintrafen, war für uns kein Platz mehr.

Schüler wurden in den Keller verbannt

Die Schule wurde nun streng bewacht. Wir zogen von Keller zu Keller, nämlich in den sehr geräumigen vom Rathaus, heute noch zu besichtigen, damals schummerig, warm, gemütlich. Ideal für Schülerstreiche.

Wegen der häufigen Fliegeralarme wurden die Rathauskeller umfassend als Luftschutzbunker gebraucht. Kurz fanden wir nun Aufnahme im Spittel in der Erfurter Straße, dann wurde uns die Schule in Oberndorf zugewiesen. Ein weiter Schulweg, von einem Lehrer geführt, aber auch da gab es häufig unterwegs Luftalarm, so dass wir wieder umkehren mussten.

Am 23. März 1945 begannen die Osterferien, die – kriegsbedingt – bis 9. Juli dauerten. Auch nach dem Einmarsch der Amerikaner war die Fürst-Günther-Schule fremdbesetzt. Uns wurde zum Unterricht die Eremitage vor der Stadt zugewiesen.

Ein Schild dort kündete: Eremitage, ½ Stunde von der Stadt, mitten im Wald gelegen, herrliche Aussicht auf den Thüringer Wald, kalte und warme Speisen, gut gepflegte Biere und Weine, mäßige Preise.

Davon war nichts mehr zu erleben, aber wir hatten dort eine herrliche Zeit. Unsere Lehrer weniger, denn es gelang ihnen nur mit großen Schwierigkeiten, in den ehemaligen Gasträumen so etwas wie Schulunterricht aufzubauen.

Der so begonnene Unterricht wurde, als die Russen kamen, bis Oktober 1945 ausgesetzt. Als Schulgebäude wurde uns nun das einstige Lyzeum, die spätere Käthe-Kollwitz-Schule, zugewiesen. Wir haben nie erfahren, warum wir als Oberschüler nicht in unsere alte, schöne Fürst-Günther-Schule zurückkehren durften. Am 13. Dezember 1945 wurde sie in Theodor-Neubauer-Schule umbenannt.

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