Lernen im Lockdown: Onlineunterricht, fehlende Kontakte und die Angst um die Gesundheit

Ilm-Kreis  Pädagogen des Ilm-Kreises geben Einblick in aktuelle Arbeitsweise. Mutter ist zwiegespalten

Das Homeschooling ist breit gefächert: von Onlineunterricht, dem Arbeiten mit und in der Schulcloud bis hin zu Aufgaben in den Büchern.

Das Homeschooling ist breit gefächert: von Onlineunterricht, dem Arbeiten mit und in der Schulcloud bis hin zu Aufgaben in den Büchern.

Foto: Antonia Pfaff

Ilm-Kreis. Bücher, Hefte und Stifte liegen bereit. Der Computer ist gestartet. Die Kopfhörer sitzen auf den Ohren. Der virtuelle Unterricht beginnt.

Margitta Smarczewski geht während der Corona-Krise und der damit verbundenen erneuten Schulschließung neue Wege. Sie unterrichtet ihre Schüler online über die Thüringer Schulcloud, obgleich diese nicht immer voll funktionsfähig zur Verfügung steht. „Besonders am Montag gibt es immer Schwierigkeiten“, sagt sie. Doch davon lässt sich die Schulleiterin der Arnstädter Robert-Bosch-Regelschule nicht entmutigen. Denn die jetzige Arbeitsweise mit der Cloud sei schon eine erhebliche Verbesserung im Vergleich zu den Tagen und Wochen vor Weihnachten.

Noch vor der erneuten Schließung der Schulen im Dezember habe Margitta Smarczewski gemeinsam mit ihrem Kollegium den Schülern das Arbeiten mit der Cloud gezeigt. „Wir waren öfter im Computerkabinett, haben den Kindern gezeigt wie sie sich anmelden und wo sie ihre Aufgaben finden.“ Und seit vergangener Woche unterrichtet die Schulleiterin die Kinder und Jugendlichen auch online. Sie bereitet die Aufgaben vor und diese werden dann virtuell besprochen. „Auch Schüler erklären ihren Mitschülern Aufgabenstellungen und sprechen diese zusammen durch.“

Sollte die Technik einmal wieder nicht zur Verfügung stehen, stelle sie die Aufgaben online, damit sich die Kinder diese herunterladen und bearbeiten können.

Die Schüler, die nicht mit entsprechender Technik ausgestattet sind, werden durch Mitschüler mit den Aufgaben versorgt. „Aber das sind wirklich die wenigstens, eigentlich stehen entsprechende Endgeräte in den Familien zur Verfügung.“

In dieser Woche begrüßt die Schulleiterin die Abschlussklassen — zehnte Klasse Regelschule, neunte Klasse Hauptschule — im Schulgebäude. Denn für sie gilt wieder Präsenzunterricht. Während die Zehner dienstags und donnerstags sechs Stunden in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet werden, sind die Neuner mittwochs und freitags an der Reihe. Die Klassen fünf bis acht sowie die neunte Klasse Regelschule werden online unterrichtet beziehungsweise erhalten ihre Aufgaben über die Schulcloud.

Auf die Schulcloud setzt auch der angehende Lehrer Matthias Wille an der Thüringer Gemeinschaftsschule Großbreitenbach. Im Frühjahr beim ersten Lockdown hat er ein hybrides Lernmodell entwickelt. Mittlerweile setzen die Lehrer samt Schulleiterin Andrea Köhler auf die Cloud. Obwohl diese nur halbwegs stabil zur Verfügung stehe, sagt Matthias Wille. Er bestätigt den Eindruck von Margitta Smarczewski, dass es besonders am Anfang der Woche immer wieder Schwierigkeiten gibt. Nichtsdestotrotz sei es mittlerweile ein besseres Arbeiten als noch vor Weihnachten.

Die Abschlussklassen seien bereits in der vergangenen Woche in der Schule gewesen, um dort noch Leistungen für die Halbjahresnoten zu erbringen. „Es wurden nur Tests geschrieben, bei denen die Schüler Abstand zueinander hatten.“

Matthias Wille stellt derzeit kleine Pakete mit Aufgaben und Musterlösungen in die Cloud ein. Die Schüler haben dann einen gewissen Zeitraum, in dem sie diese bearbeiten und die Lösungen einstellen müssen. Der angehende Lehrer ist sich bewusst, dass diese Themen und Aufgaben jedoch noch einmal im Klassenverband wiederholt werden müssen. Auch die Schwerpunkte, die zuletzt im Dezember behandelt wurden.

Dem Onlineunterricht steht der Pädagoge eher skeptisch gegenüber. Denn diese Art der Kommunikation sei bei den Schülern noch nicht etabliert, weil das nicht geprobt wurde. Außerdem seien die technischen Voraussetzungen nicht bei allen Schülern gegeben. In seinen Augen braucht es für den Onlineunterricht eine gewisse Routine, Regeln und Vernunft bei der Anwendung. Stolz ist er hingegen, dass sich mittlerweile fast alle Schüler in der Cloud angemeldet haben und damit arbeiten.

Mit Argusaugen blickt der Familienvater und angehende Lehrer allerdings auf das „Seelenkostüm“ der Kinder. Denn diese würden unter dem mangelnden Kontakt zu Mitschülern, Lehrern und vor allem Freunden leiden. „Die möglichen Folgen sehen wir sicher erst später.“ Auch Margitta Smarczewski sieht das ähnlich. „Die Kinder merken jetzt erst, wie wichtig das Lernen und Miteinander mit den Klassenkameraden ist.“ Aber auch die Bedeutung des Lehrers würde wieder zunehmen. Matthias Wille und Margitta Smarczewski wünschen sich wieder ein Stück Normalität. Natürlich dürfe dabei die Gesundheit nicht auf der Strecke bleiben.

Um die Gesundheit ihrer Zwillinge sorgt sich auch Ines Zothe. Denn Jannik und Marius gehen in eine Abschlussklasse der Arnstädter Emil-Petri-Schule und nehmen nun wieder am Präsenzunterricht teil. „Ich habe natürlich Angst, dass die Jungs Corona mit nach Hause bringen könnten, das geht so schnell“, sagt die Mutter. Obgleich in der Petri-Schule seit November Maskenpflicht im Unterricht besteht. Nichtsdestotrotz findet sie es gut, dass die Jungs wieder in die Schule gehen können und für sie wieder ein Stück Normalität herrscht.