Markthändler im Ilm-Kreis meist von der Bonpflicht befreit

Ilm-Kreis.  Auf Wunsch erhalten Kunden eine Quittung. Zusätzlicher Müll und hohe Kosten werden beklagt.

Marko Faupel aus Gotha steht mit seiner Hähnchenbraterei jeden Dienstag auf dem Wochenmarkt in Arnstadt.

Marko Faupel aus Gotha steht mit seiner Hähnchenbraterei jeden Dienstag auf dem Wochenmarkt in Arnstadt.

Foto: Hans-Peter Stadermann

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Etwa 15 Händler standen auf dem Arnstädter Marktplatz. Vergleichsweise wenige für einen Dienstag, was wohl auch an der Jahreszeit und am Wetter liegt. Nicht etwa an der Bonpflicht, die seit Jahresanfang gilt und mit der die Finanzverwaltung Steuerhinterziehung bekämpfen will.

Diese ist zwar hier und da ein Thema bei Gesprächen mit der Kundschaft, aber die meisten Markthändler sind von ihr nicht betroffen. Wer eine so genannte „offene Ladenkasse“ betreibt – was weiterhin zulässig ist – muss den Kunden keine Bons mitgeben und kann es auch gar nicht. So wie Jörg Bugenhagen, der dienstags in Arnstadt am Hopfenbrunnen Käse anbietet. Das Geld wandert in eine Holzbox, am Abend werden die Einnahmen gezählt. „Wir können uns doch gar nicht leisten, Schwarzgeld wegzulegen. Ich brauche jeden Euro, um die Kosten zu bestreiten“, betont der Händler. Natürlich würden seine beiden Modegeschäfte in der Arnstädter Fußgängerzone über moderne elektronische Kassen verfügen, „die haben ein Vermögen gekostet“, so Bugenhagen. Dort erhalte jeder Kunde selbstverständlich seinen Bon. Generell aber sei die Bonpflicht Mist, findet er. Als Markthändler würde er aufhören, sollte er für seinen mobilen Stand ebenfalls eines Tages eine elektronische Kasse anschaffen müssen.

Das Gleiche sagen Silke und Andreas Herrmann aus Gossel, die an der Bachkirche Honig aus ihrer Hobbyimkerei und Honigprodukte wie Lotion, Bonbons und Kerzen anbieten. Sie besuchen auch regelmäßig die Wochenmärkte in Ilmenau und Stadtilm. Mit ihrem ambulanten Handel verkaufen sie außerdem auf Weihnachtsmärkten unter anderem Glühwein und Luftballons. Da auch noch Bons auszudrucken, sei im Hochbetrieb gar nicht schaffbar, meint Silke Herrmann. Von den Kosten ganz zu schweigen. Sie haben wie Jörg Bugenhagen und die meisten anderen Markthändler eine „offene Ladenkasse“, die nicht wirklich offen steht, sonder nur im Fachjargon so heißt. Auf Kundenwunsch wird der Quittungsblock gezückt.

So hält es auch Marco Faupel, Mitarbeiter bei „Gaumenschmaus“. Zahlreiche Arnstädter holen sich bei ihm dienstags eine Hühnerkeule oder ein halbes gegrilltes Hähnchen. Das Geld wandert ebenfalls in eine „offene Ladenkasse“, nach dem Dienst wird mit dem Chef exakt abgerechnet, erklärt der junge Mann, der immer ein freundliches Wort oder einen Witz auf den Lippen hat. Alle Preise einzutippen und auch noch den Bon auszudrucken, stellt er sich umständlich vor, wenn die Leute bei ihm Schlange stehen. Vom zusätzlichen Müll ganz abgesehen.

Hinter der Kasse im Obst- und Gemüsegeschäft von Thi Lieu Do in der Erfurter Straße hängt inzwischen ein gut gefüllter Plastebeutel, in den all jene Bons wandern, die die Kunden nicht mitnehmen. Das wären vor allem ältere Menschen, die zum Beispiel nur eine Packung Himbeeren kaufen, erklärt Hung Nguyen, der Sohn der Inhaberin. Er frage alle Leute, ausdrucken muss er immer, auch bei einem Apfel. „Das ist viel Papier“, bedauert der junge Mann.

In Ilmenau findet der erste Wochenmarkt des neuen Jahres am Freitag statt. Zu den Stamm-Händlern gehört auch die Geflügel-Vertrieb Ilmetal aus Gräfinau-Angstedt. Das Unternehmen ist auch mit Verkaufswagen in Arnstadt und Erfurt unterwegs und setzt schon seit sechs Jahren Registrierkassen ein. Man habe mit der Bonpflicht kein Problem, hieß es.

„Wir haben eine Handkasse und brauchen deshalb keine Bons ausgeben“, sagt Reiner Springer von der gleichnamigen Gärtnerei in Dörnfeld. Er wird erst wieder im März auf dem Ilmenauer Markt sein. Dann wenn Frühblüher und Stiefmütterchen Saison haben.

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