Neue Projekte aus Ichtershausen für sozial benachteiligten Kinder und Jugendliche

Ichtershausen.  Prävention ist ein probates Mittel, um künftige Straftaten zu verhindern. Hierfür macht sich der Verein „Projekt Do“ stark.

Anja Schöneberger, Carsten Schnieke, Lisa Ballentin (von links) und Therapiehund Maja vor dem Förderzentrum für Gewaltprävention, Resozialisierung und Konfliktmanagement des Vereins „Projekt Do“ in der Ichtershäuser Bahnhofstraße.

Anja Schöneberger, Carsten Schnieke, Lisa Ballentin (von links) und Therapiehund Maja vor dem Förderzentrum für Gewaltprävention, Resozialisierung und Konfliktmanagement des Vereins „Projekt Do“ in der Ichtershäuser Bahnhofstraße.

Foto: Robert Schmidt

Meist sieht, liest oder hört man nur von ihnen, wenn sie in die Schlagzeilen geraten – in negative: sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, die vielleicht auch straffällig geworden sind oder kurz davor stehen. Die Mitglieder des Vereins „Projekt Do“, die ihre Domizil etwas versteckt in der Ichtershäuser Bahnhofstraße haben, kümmern sich seit Jahren um solche jungen Menschen aus der gesamten Region und um Insassen der Jugendstrafanstalt, die kurz vor ihrer Entlassung stehen. Als Randgruppen werden sie oft abgestempelt.

Der gemeinnützige Verein „Projekt Do – Förderzentrum für Gewaltprävention, Resozialisierung und Konfliktmanagement“ wurde im Dezember 2008 gegründet. „Do“ ist japanisch und bedeutet „der Weg“. Den Vereinsmitgliedern – zwei Festangestellte und etwa zehn ehrenamtliche Mitstreiter – geht es vor allem um Gewaltprävention und die Resozialisierung junger, straffällig gewordener Menschen. Angeboten werden eine ambulante Betreuung und ein ambulant betreutes Wohnen für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen. Drei kleine Wohnungen stehen dafür in Arnstadt zur Verfügung.

Präventionsarbeit auch in Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen

Es gibt Workshops und Trainings zu Kriminal-, Gewalt- und Suchtprävention, Arbeitsgelegenheiten und sozialtherapeutische Begleitung. Einen hohen Stellenwert nimmt auch die Arbeit in Schulen, Jugend- und Jugendhilfeeinrichtungen ein. „Wir arbeiten in speziellen Sozialtrainings präventiv, etwa zu Themen wie Antimobbing, Gewaltprävention, politischer Extremismus und negativen Verhaltensformen“, sagt Vereinschef Carsten Schnieke. Etwa 100 Kinder und Jugendliche betreut man dabei jedes Jahr, fast alle über mehrere Wochen und Monate hinweg und in der gesamten Region oder auch darüber hinaus. Etwa, wenn jugendliche Straftäter, die in der JVA einsaßen und vom Verein betreut werden, wieder in ihre Heimat zurückkehren. „Die lassen wir dort natürlich nicht alleine“, so Schnieke.

Den „Stillstand“ während der Corona-Krise nutzte und nutz man übrigens, um die Räume und das Areal in der Bahnhofstraße weiter auf Vordermann zu bringen. Dort gibt es neben dem großen Außengelände zwei Büroräume und einen Therapieraum, einen großen Arbeitsraum, der gleichzeitig als Werkstatt dient – hier werden unter anderem alte Holztüren aufgearbeitet –, einen Aufenthaltsraum, eine kleine Küche und sanitäre Einrichtungen. 2016 war der Verein auf das ehemalige Sport- und Freizeitgelände der alten Jugendstrafanstalt gezogen. Und man bastelte in dieser Zeit auch an weiteren Angeboten des Vereins

Neu ist jetzt unter anderem auch eine Beratung für Opfer von Straftaten und deren Angehörige. Sie ist kostenlos, streng vertraulich und völlig unabhängig davon, ob bereits eine Anzeige erstattet wurde oder nicht. „Wir bieten Hilfe bei der Bewältigung der Tatfolgen, helfen bei der Anzeigenerstattung und bei allen Fragen rund um die Strafverfolgung, unterstützen die Betroffenen bei der Verarbeitung des Geschehenen und dabei, Selbstvertrauen und Sicherheit wieder zu gewinnen, und vermitteln weiterführende Hilfsangebote“, erläutert Carsten Schnieke. Möglich sei dabei auch eine Art Täter-Opfer-Begegnung, also von straffällig gewordenen Jugendlichen und den Opfern der jeweiligen Straftaten.

Neues Projekt nutzt künstlerische Mittel

Ein weiteres neues Projekt ist „DoArts – der gewaltfreie Weg über die Kunst“. „Ziel ist es, über das Medium Kunst einen Zugang zu den Kursteilnehmern zu gestalten, um eine Alternative zu schaffen, Traumata zu verarbeiten und Konfliktsituationen präventiv entgegenzusteuern“, sagt Projektleiterin Anja Schöneberger. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die in konfliktgeladenen Familienstrukturen leben, deviante (von gesellschaftlichen Norman abweichende) Kinder und Jugendliche, Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, straffällig gewordene Kinder und Jugendliche und Insassen der Justizstrafanstalt.

Das Projekt kann je nach Wunsch direkt in Schulen und Jugendeinrichtungen stattfinden, aber auch einzeln oder in kleinen Gruppen bis zu drei Personen, auf Wunsch im häuslichen Umfeld, direkt in der Einrichtung des Vereins in der Ichtershäuser Bahnhofstraße und in der JVA. „Unsere Arbeit wird akzeptiert, auch hier im Umfeld. Es gibt viele, die fragen, was wir genau tun, und die es gut finden“, so Schnieke. Und wenn man von den Jugendlichen dann keine negativen Schlagzeilen mehr hört oder liest, ist das der größte Lohn für die Arbeit.

„Unsere Arbeit wird akzeptiert, auch hier im Umfeld. Es gibt viele, die fragen, was wir genau tun und die es gut finden“, so Schnieke. Und wenn man von den Jugendlichen dann keine negativen Schlagzeilen mehr hört oder liest, ist das der größte Lohn für die Arbeit.

Kontakt zum Verein: Telefon 03628/58 70 12 oder 01577/4475073, E-Mail: projekt-do@t-online.de