Neustadt am Rennsteig weist die meisten Übernachtungen auf

Großbreitenbach  Ein Gespräch mit Touristikern der Landgemeinde Großbreitenbach über Öffnungszeiten, Internetauftritt, Übernachtungen, Pedelecs und Kurtaxe.

Bei den Touristen liegen die Pedelecs im Trend. Die Räder können in Großbreitenbach, Altenfeld und bald auch in Neustadt ausgeliehen werden. Robert Witter (links), Heike Bluhm und Andreas Rauch haben sie schon ausprobiert. Eingelagert sind die Räder bisher in Großbreitenbach und Altenfeld. 

Bei den Touristen liegen die Pedelecs im Trend. Die Räder können in Großbreitenbach, Altenfeld und bald auch in Neustadt ausgeliehen werden. Robert Witter (links), Heike Bluhm und Andreas Rauch haben sie schon ausprobiert. Eingelagert sind die Räder bisher in Großbreitenbach und Altenfeld. 

Foto: André Heß

Die neue Landgemeinde Stadt Großbreitenbach hat drei zertifizierte Touristinformationen in den drei staatlich anerkannten Erholungsorten Großbreitenbach, Altenfeld und Neustadt. Man erkennt sie an dem „i“ am Eingang. Um dieses Schild zu bekommen und allen Anforderungen zu genügen, sind Kosten von fast 1000 Euro nötig, so Heike Bluhm, Koordinatorin für Tourismus. Das stehe demnächst wieder für Großbreitenbach an, die Zertifizierung gelte für drei Jahre. Man wolle aus Kostengründen alles daran setzten, nur noch einen Hauptstandort und zwei Außenstellen zu haben.

Zehn Jahre hingegen behalten die Kommunen ihr Prädikat als Erholungsort, wenn sie es erneuern kostet allein ein Klimagutachten rund 3000 Euro, sagte Andreas Rauch von der Touristinformation in Großbreitenbach, die sich im Thüringerwald Kreativ-Museum befindet.

Sorge um die Gaststätten in den Orten

Der Standort ermögliche auch personell, bis auf drei Tage im Jahr (Heiligabend, Silvester und Neujahr), an jedem Tag zu öffnen. Da können Robert Witter in Neustadt und Alice Macholdt in Altenfeld nicht mithalten. Sie sind Alleinunterhalter und demzufolge haben die Touristinformationen dort an den Wochenenden geschlossen.

Dass sie aber überhaupt von den Gästen gefunden werden, macht derzeit der Internetauftritt der Landgemeinde Großbreitenbach nicht einfacher. Heike Bluhm kündigte eine neue Homepage an, hierfür würde eine Ausschreibung laufen. Den Ortsteilen sei dann freigestellt, ob sie ihre Homepage zusätzlich weiter betreiben wollen. Man habe derzeit einen Wirrwarr an Informationen, die nicht aufeinander abgestimmt sind, benannte sie das Dilemma. Ein weiteres Problem sehen die Touristiker in der Überalterung der Dorfgastronomie. „In zehn Jahren gibt es so gut wie keine Kneipe mehr“, prophezeit Bluhm. Das würde sich nur lohnen, wenn der Betreiber auch Inhaber der Räume ist. Hinzu kämen die Auflagen, die an Neue gestellt würden. Weil aber auch häufig die Gäste wegbleiben, haben die wenigen Gaststätten meistens über Mittag zu oder schließen schon um 20 Uhr.

Die Ratsstuben in Großbreitenbach haben jetzt einen zusätzlichen Ruhetag eingeführt, sagte Rauch. Aber auch wenn einem mit einem großen Schild am „Hotel Tanne“ eine Bratwurst offeriert wird, muss man hungrig weiter fahren, da der Stand zurzeit nicht betrieben wird. Dort solle nur das Bettenhaus an Bauarbeiter vermietet sein. Das vordere Gebäude wolle man noch flott machen, aber man bekäme keine Mitteilungen, schränkte Rauch ein. Froh ist die Landgemeinde über die Anschaffung der 24 Pedelecs seit Juni, die ihr über ein Förderprogramm gesponsert worden sind. Die Ausleihe beträgt am Tag 25 Euro, ist aber mit einer Gästekarte vergünstigt. Anmelden kann man sich für ein Rad im Rathaus und der Touristinformation Großbreitenbach, in Altenfeld bei der Touristinformation und demnächst auch in Neustadt bei der Tourist-Info.

Wer Kurtaxe zahlt, bekommt neben dem Rennsteig-Ticket für kostenlose Bus- und Bahnfahrten auch die Thüringerwald-Card, die 300 vergünstigte Angebote in der Region enthält, so für Museum, Wanderungen, Skilift und Radausleihe. 15 Räder würden in der Woche verliehen, drei werden von Angestellten der Verwaltung genutzt.

Die meisten Übernachtungsgäste hat Neustadt. Bis Ende August zählte man dort 31.000 Übernachtungen – ein Plus von 4600. Gleichzeitig bemängeln die Touristiker, dass das Landesamt für Statistik nur Zahlen über Herbergen mit über acht Betten herausgibt. Man vermutet, dass ein Drittel weitere Übernachtungsgäste in Pensionen, Ferienhäusern, Ferienwohnungen, auf Campingplätzen und in Bungalows hinzukommen.

Die Einführung des elektronischen Meldescheins mit dem Rennsteig-Ticket habe noch nicht alle Vermieter erreicht, so führe das Feriendorf Bad Hundertpfund „wegen des miesen Internets“ noch einen Handmeldezettel, sagte Rauch. Andere würden wegen Schwarzvermietung keine Gästekarten ausgeben und damit keine Kurtaxe von ihren Gästen verlangen. Das falle aber allen auf die Füße, kritisierte Bluhm und verdeutlicht: Mit den Einnahmen finanziere man auch die Infrastruktur, die dann allen zugute käme, wie etwa die Wanderwege.

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