Oehrenstock: Bewegende Geschichte eines 100-jährigen Hauses

Oehrenstock.  Interessante und spannende Stunden beim Besuch des Keyn-Hauses bei Oehrenstock

Beim Besuch des Keyn-Hauses bei Oehrenstock, das als „Stahlhelm“ bekannt ist, erlebten Heimatgeschichtsfreunde eine überaus gastfreundliche Begegnung und Heimatgeschichtsstunde.

Beim Besuch des Keyn-Hauses bei Oehrenstock, das als „Stahlhelm“ bekannt ist, erlebten Heimatgeschichtsfreunde eine überaus gastfreundliche Begegnung und Heimatgeschichtsstunde.

Foto: Karl-Heinz Veit

Der Einladung von Ottomar Heinze aus Oehrenstock ins „Keyn- Haus“ war der harte Kern der Ilmenauer Heimatgeschichtsfreunde gern gefolgt. Ottomar Heinze ist mit anderen Einwohnern des Bergdorfes hoch über Langewiesen und Ilmenau in der Traditionsbewahrung und bei der Erforschung der Geschichte des Ortes sehr aktiv und quasi eine Institution.

Die gut vier Kilometer Fußweg zum „Keyn-Haus am Stahlhelm“ unterhalb des Rennsteiges wurden unter die Pkw-Räder genommen. Dort angekommen, staunten die Erstbesucher dieses Gebietes darüber, was sie zu sehen bekamen. Die Ansichtsidylle von außen wiederholte und verstärkte sich drinnen in der warmen Stube mit Kachelofen, hundertjährigem Holzdielenfußboden und zahlreicher Jagdtrophäen, Sinnsprüchen und Bildern an den Wänden.

Soziales Engagement im 20. Jahrhundert

Vereinsvorsitzender Günter Andrä fasste den Dank für die Einladung und die freudige Überraschung über das Anwesen in kurze Worte. Dann stand das Erzählwort dem Gastgeber zu. Und so erzählte Ottomar Heinze frei weg und überaus interessant, wie Oehrenstock dank des Forstmeisters Arthur Keyn – er tat mit Forstgehilfen und Holzhauern von 1892-1929 in Oehrenstock Dienst und erwarb sich bleibende Verdienste – zu diesem Forsthaus, aber auch zur ersten Wasserleitung im Dorf und dem von ihm angelegten Fürstenweg vom Roten Stein bis zur Schorte-Schneidemühle kam.

Keyn setzte sich seinerzeit mit sozialem Engagement für die ihm unterstellten Forstgehilfen und Holzhauer ein und beantragte Anfang des 20. Jahrhunderts beim Fürsten Carl Günther den Bau einer festen, beheizbaren, ganzjährig nutzbaren Unterkunft. Wie das künftige Waldhaus aussehen sollte, hatte er sich selbst ausgedacht. Eine maßhaltige Zeichnung legt er seinem Antrag mit Kostenschätzung bei. Der Antrag wurde im Fürstenhaus entgegengenommen, aber, vermutlich aus Geldmangel, abgelehnt. Es folgte der erste Weltkrieg als nächster Bauverhinderungsgrund.

Genügend Erzählstoff der Geschichtsfreunde

1919 brachte der Oehrenstöcker Thüringer Landtagsabgeordnete, Glasbläser Christian Dietrich, den Antrag des Forstmeisters Keyn im Landtag durch. Von veranschlagten 15 000 Reichsmark (RM) wurden 12 000 RM für Material und Bauleistungen bewilligt.„Wir hatten damals in Oehrenstock alle Handwerker und Betriebe vor Ort, die sich über die an sie vergebene Aufträge freuten. Sägemüller, Maurer, Zimmerer, Tischler, Schmied und Schieferdecker aus Oehrenstock hatten gut zu tun. Arbeiter bekamen in schwerer Nachkriegszeit ihren Lohn. Als dann beim Rohbau die Bretter auf die eigenwillige Dachbalkenkonstruktion genagelt waren und sich die Bauleute das Haus betrachteten, soll einer verwundert und schlagfertig ausgerufen haben, dass dieses Haus wie ein Stahlhelm aussieht. Damit hatte das Gebäude seinen Spitznamen Stahlhelm weg, der bis heute erhalten ist“, erzählte Ottomar Heinze mit einprägsamer, zur Hausdachform passender lebendiger Gestik. Die 100- jährige Bestehen des Hauses mit wechselnden Eigentümern war eine von den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen bewegte und gezeichnete Geschichte.

Erzählstoff am langen Tisch in der gemütlichen Jagdstube gab es danach noch genug. Beim Stichwort Wasserleitung ergriff Manfred Meißner das Wort. Er plauderte aus seinem Manuskript schon ein wenig darüber, wie Ilmenaus Bürgermeister Eckhard die Wasserproblematik in der Stadt um die Jahrhundertwende anging und auf modernste Art löste.

Der künstlerische Puppenspieler Udo Moritz zeigte das neugeborene „Ziegenkind“ des Ilmenauer bislang kinderlosen gebliebenen Ziegenpaares am Ziegenbrunnen vor. Eine Puppenspielgeschichte darüber, wie der „Ziegenbock und seine Frau zu ihrem Zicklein kamen“, hat er schon im Kopf.