Opernhafte Hochromantik in Arnstadt mit Glanz und Gloria

Arnstadt  Wummernde Bässe vor der Arnstädter Bachkirche stören den Erntedank-Konzertgenuss

Das Konzert war beeindruckend, der Geräuschpegel vom Markt störte aber.

Das Konzert war beeindruckend, der Geräuschpegel vom Markt störte aber.

Foto: Berit Richter

Musikalisch wurde am Samstag in der Bachkirche Erntedank gefeiert. Vor allem bei Puccinis „Messa di Gloria“ schwelgten Akteure und Zuschauer in opernhaftem Pomp.

Bereits die Vorspeise, der Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ von Mendelssohn Bartholdy, war eine wahre Wonne. Romantik vermählte sich hier mit Bachscher Innigkeit und, besonders im fulminanten Schlusschor, geradezu Händelscher Pracht. Die Musizierenden, Annika Rioux (Sopran), André Khamasmie (Tenor), Daniel Blumenschein (Bass), der Bachchor Arnstadt und nicht zuletzt die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt musizierten unter der Leitung von Jörg Reddin temperamentvoll, virtuos und begnadet.

Leider deutete sich bereits hier ein akustisches Problem an, das sich in der Hauptspeise, der „Messa di Gloria“, noch verschärfen sollte. Die Symphoniker spielten nämlich mit einer solchen Verve, dass es dem Bachchor nicht immer gelang, sich gegen diese Klanggewalt durchzusetzen. An vielen Stellen wurde er von den Symphonikern an die Wand gespielt.

Zum Teil lag dies auch daran, dass es sich bei der „Missa di Gloria“ um ein Jugendwerk Puccinis handelt. Vor allem den letzten Sätzen Sanctus, Benedictus und Agnus Dei haftete schon wegen ihrer ungewöhnlichen Kürze Unfertiges an. Trotzdem erwies sich wieder einmal dieses Jugendwerk Puccinis als insgesamt klangmächtiges, hochromantisches, opernmäßiges Werk, das einen mit seinem großartigen Prunk und Pomp in den Bann zog.

Dies ging so weit, dass es nach dem berühmten Gloria, das der Messe seinen Namen gab, einen spontanen Sonderapplaus des begeisterten Publikums gab. Dieser galt wohl insbesondere auch dem Tenor, der herrlich opernhaft als einzigartiger Heldentenor den (Ernte-)Dank formulierte. Aber auch das Credo beeindruckte durch schwelgendes Opern-Pathos und gleichzeitig legere Operettenhaftigkeit.

Zur handfesten Ironie dieses Erntedankfestes gehörte, dass es ausgerechnet der Bauernmarkt sein musste, der Glanz und Gloria des Konzertes durch lautstarkes Wummern seiner „Remmidemmi-Musik“, vor allem an den empfindlichen lyrischen Stellen, erheblich störte. Im Interesse der Musizierenden und des Publikums ist dringend zu wünschen, dass ein solches organisatorisches Versagen – extrem laute Rummelmusik direkt vor der Bachkirche während eines Konzertes – in Zukunft vermieden werden kann.

Insgesamt hat das Erntedankkonzert trotzdem mit seiner originellen Konzeption und der grandiosen Umsetzung durch den Bachchor und die Solisten und den überschäumenden Symphonikern unter der temperamentvollen Leitung Jörg Reddins viel Spaß und Freude bereitet. Und so erwies es sich als weiterer Höhepunkt der an Höhepunkten wahrlich nicht armen Arnstädter Musikgeschichte.

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