Staatsanwalt ermittelt gegen Corona-Spaziergängerin in Arnstadt

Arnstadt.  Erneut gingen am Montagabend in Arnstadt 200 Menschen ohne Veranstaltungsanmeldung auf die Straße. Gegen die „Stadtführerin“, die beim Spaziergang am 11. Mai das Wort ergriffen hatte, ermittelt inzwischen sogar die Staatsanwaltschaft.

Diana Hennig und Silvio Braun gehören zu den Aktionsbündnissen, die an die 144 Corona-Toten in Thüringen erinnerten.

Diana Hennig und Silvio Braun gehören zu den Aktionsbündnissen, die an die 144 Corona-Toten in Thüringen erinnerten.

Foto: Britt Mandler

Mit dem Megafon steht Vize-Polizeichef Klaus Koch am Montagabend auf dem Arnstädter Marktplatz. Rund 200 „Spaziergänger“ wollen hier auf ihre Art gegen Corona-Beschränkungen und vermeintliche Einschränkungen ihrer Grundrechte protestieren.

Angemeldet haben sie die Veranstaltung nicht, obwohl Demonstrationen wieder erlaubt sind, sofern einige Auflagen erfüllt werden. Auch in Stadtilm und Ilmenau gab es kleinere, nicht angemeldete Spaziergänge.

„Sie sind dabei, eine Versammlung zu bilden“, so Klaus Koch in Arnstadt. Er weist darauf hin, dass die Teilnehmer Mindestabstände einhalten und Mundschutz tragen sollen. Menschen mit Erkältungssymptomen müssten den Bereich verlassen.

Einige wenige setzen Masken auf. Jedoch fallen auch abwertende Sätze. Dann läuft die Menge los, wie auch an den beiden Montagen zuvor. Zwei weitere Durchsagen werden gemacht. Dann – ebenfalls mit Ansage – filmt die Polizei die Teilnehmer.

Wer gegen Auflagen verstoßen hat und identifiziert werden kann, muss damit rechnen, in Kürze empfindlich zur Kasse gebeten zu werden. Gegen die „Stadtführerin“, die beim Spaziergang am 11. Mai das Wort ergriffen hatte, ermittelt inzwischen sogar die Staatsanwaltschaft.

„Sie fordern Demokratie ein, halten sich aber nicht an demokratische Spielregeln“, sagt Silvio Braun. Er gehört zum Aktionsbündnis Zaunrüttlär, das gemeinsam mit dem Bündnis „Wir für Thüringen Supporter“ am Montag ganz offiziell eine Veranstaltung angemeldet hat. Alle Teilnehmer tragen Masken und haben sich in eine Liste eingeschrieben. Sollte im Nachgang eine Coronainfektion nachgewiesen werden, sind so die Kontaktpersonen schnell ermittelt.

Die Bündnisse haben auf dem Markt 144 selbst gebastelte Grabsteine aufgestellt, geschmückt mit Blumen. Genau so viele Steine, wie es in Thüringen bislang Corona-Tote gegeben hat. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es nicht in Ordnung ist, andere mit dem eigenen Verhalten zu gefährden“, so Braun.