Stadtführung erinnerte an starke Frauen in Arnstadt

Arnstadt (Ilm-Kreis). Mit Renate Friedel und Uta Kessel auf den Spuren talentierter Künstlerinnen und sozial engagierter Fürstinnen.

Am 7. März führten Renate Friedel (links) und Uta Kessel in Arnstadt etwa 100 Gäste auf den Spuren bedeutender Frauen durch Arnstadt.Foto: Hans-Peter Stadermann

Am 7. März führten Renate Friedel (links) und Uta Kessel in Arnstadt etwa 100 Gäste auf den Spuren bedeutender Frauen durch Arnstadt.Foto: Hans-Peter Stadermann

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Auf 30 Neugierige hatten sie gehofft, doch niemals mit 100 Gästen gerechnet. So viele wollten am Samstagvormittag mit Renate Friedel und Uta Kessel die Orte besuchen, an denen starke Frauen in Arnstadt lebten und wirkten. Auch für die erfahrenen Stadtführerinnen war so eine große Runde eine Premiere.

Beide planten die Tour gemeinsam, wobei jede die Persönlichkeiten einbrachte, die ihr besonders am Herzen liegen. Und es gibt in Arnstadt mehr starke Frauen als gedacht, auch wenn im Laufe der Jahrhunderte vor allem die Männer die Geschichte bestimmten. So gab es nur für kurze Zeit nach dem II. Weltkrieg mit Dr. Ursula Meisterernst eine Oberbürgermeisterin.

Rezeptesammlung blieb bis heute erhalten

Vom Markt aus, wo an Eugenie John erinnerte wurde, die als E. Marlitt erfolgreich Romane veröffentlichte, ging es weiter in Richtung Oberkirche und Pfarrhof. Dort wohnte unter anderem Barbara Margaretha Keul, die Stiefmutter Johann Sebastian Bachs, die drei Ehemänner verlor. Auf dem Riedplatz wurde es dann kulinarisch mit dem Thüringer Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard, die 284 Rezepte sammelte, darunter zwei für "Rohe Kartoffelklöße".

Auf dem Ried lebte als Mädchen auch die Jüdin Margot Webb, die ihre Erlebnisse in Arnstadt während der Nazizeit im Buch "Schatten überm Christophorus" beschrieb. Uta Kessel legte es den Teilnehmern der Führung sehr ans Herz.

Anhand der Bilder auf der Plane am Schlossmuseum erklärten die beiden Stadtführerinnen die Rolle einiger bemerkenswerter Fürstinnen, die in der Stadt Spuren hinterlassen haben. Darunter Katharina von Nassau, die ihren Gatten in den Krieg begleitete und seinen Leichnam in zweijähriger Reise zurückbrachte, Elisabeth Albertine, für die das Schloss einst gebaut wurde, und Auguste Dorothea, der wir die einzigartige Puppensammlung verdanken. Fürstin Marie gründete das Marienstift mit und Fürstin Karoline, die Suppenküchen und Kinderbewahranstalten einrichtete, setzten Bürger der Stadt ein Denkmal.

Erinnert wurde bei dieser Zeitreise auch an Frauen aus dem 20. Jahrhundert, die viele Arnstädter noch kennen, wie die Keramikerin Hilde Pilz, die Musikpädagogin Dr. Annemarie Niemeyer, die Organistin Lisbeth Filbrich-Weber, die Kunsthandwerkerin Marianne König.

Uta Kessel und Renate Friedel spielten sich die Bälle zu und brachten die große Gästeschar immer wieder zum Lachen. Darunter viele Frauen, die Freude daran hatten, ihre Stadt mit neuen Augen zu sehen. "Man lernt immer wieder dazu", meinte eine unterwegs. Auch die Bemerkung "Das wusste ich noch nicht" hörte man öfter.

Der anderhalbstündige Rundgang endete schließlich an der Plastik der drei Tratschtanten in der Erfurter Straße. Die dritte im Bunde, die Minna, hätte immer keine Lust zum Laufen, erklärten Renate Friedel und Uta Kessel mit einem Augenzwinkern. Sie hatten diese Führung anlässlich des Internationalen Frauentages und mit Blick auf die leeren Kassen der Stadt kostenlos übernommen. Angelika Kowar, in Arnstadt Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte, dankte als Veranstalterin beiden mit Blumen und einem Präsent. Vom aufmerksamen Publikum gab es sehr herzlichen Beifall.

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