Stationsumzüge verkürzen die Wege

Ilm-Kreis.  In den nächsten Monaten wird in den Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt und Ilmenau kräftig investiert.

Geschäftsführer Marcel John, Technikleiter Sven Heusinger und Prokuristin Christina Fischer besichtigen einen der Container, in denen ab Februar am Standort Arnstadt gekocht wird. Die Sanierung der Hauptküche dauert etwa sechs Monate.

Geschäftsführer Marcel John, Technikleiter Sven Heusinger und Prokuristin Christina Fischer besichtigen einen der Container, in denen ab Februar am Standort Arnstadt gekocht wird. Die Sanierung der Hauptküche dauert etwa sechs Monate.

Foto: Britt Mandler

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Ein wenig Kraft muss Marcel John aufwenden, um den Kühlraum zu öffnen. Gähnende Leere. Noch ist die Vorratskammer, die seit einigen Wochen auf dem Hof der Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt steht, ungefüllt. Auch nebenan, in der Küche, herrscht noch kein geschäftiges Treiben.

„Das ändert sich aber im Februar“, weiß der Geschäftsführer der Ilm-Kreis-Kliniken. Einige Monate ist es her, dass im Küchentrakt des Krankenhauses Bodenschäden auftraten. Die Techniker gingen auf Ursachensuche. Gute Nachrichten konnten sie nicht überbringen. Aus einer geborstenen Leitung trat Wasser aus. Ein Weiterarbeiten war vorerst zwar möglich – auf Dauer hätte das Wasser aber die Grundmauern beschädigt. „Also planten wir mit unserem Versicherer die Sanierung“, so Marcel John.

Um eine kleine Reparatur ging es dabei nicht: Der komplette Fußboden muss raus, um die defekte Leitung erneuern zu können. Unmöglich bei laufendem Betrieb. Also entschied sich die Klinikleitung dafür, auf dem Hof ein Containerdorf entstehen zu lassen. Auf 450 Quadratmetern werden ab Februar die Mahlzeiten zubereitet – 200 Patientenessen werden jeweils morgens, mittags und abends benötigt. Hinzu kommen rund 100 Mittagessen für Mitarbeiter und Klinikbesucher. Die Vorbereitungen für den Umzug ins Übergangsquartier laufen seit Wochen. Denn die Container müssen komplett eingerichtet und grundgereinigt werden, um hier Essen kochen zu dürfen. Auch musste ein Verbindungsgang bis zum Krankenhaus gebaut werden. Rund sechs Monate lang wird im Ausweichquartier gekocht. Dann verschwinden Container und Holzgang wieder.

„Wir investieren allerdings auch in andere Vorhaben an unseren beiden Klinikstandorten“, erklärt Prokuristin Christina Fischer. Die Einrichtungen in Arnstadt und Ilmenau sind zwar gut in Schuss, im laufenden Betrieb kommt es dennoch aber immer mal wieder zu Havarien. Besonders ärgerlich sind Rohrbrüche. Nicht nur im Küchenbereich war das der Fall. Betroffen war auch die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Diese war bisher in einem Nebengebäude in Arnstadt untergebracht. 2019 musste die Klinik, um Wasserschäden beheben zu können, umziehen. Seither ist die Station im Hauptgebäude, direkt neben dem Haupteingang, zu finden. Einen Rückumzug wird es nicht geben. „Für uns war es auch eine Chance, unsere Prozesse zu verbessern“, erläutert Fischer.

Das ehemalige Gebäude der Kinderklinik wird zum medizinischen Versorgungszentrum umgebaut, in dem unter anderem die Ambulanz der Kinderärzte ihren Sitz finden wird. Auch andere Stationen zogen um. So sind die Diabetologie und die Gefäßchirurgie, zwei Fachgebiete, die eng kooperieren, nun unter dem Dach einer Klinik vereint. Auch wurden die Bereiche Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf einer Ebene vereint. Auch hier wird derzeit gebaut, es entstehen zwei zusätzliche Patientenzimmer.

Bis Ende März sollen zudem am Standort Arnstadt Sonnenschutzmarkisen angebracht werden, damit sich die Zimmer im Hochsommer nicht unerträglich aufheizen.

Bei anderen Investitionsmaßnahmen ging es darum, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Wege zu verkürzen, betont John. So entstand in der Arnstädter Notfallaufnahme ein Bettenbereich, der Ende 2019 in Betrieb ging. In Ilmenau wird die Röntgenabteilung umgebaut – was mit einem Umzug einhergeht. Sie soll 2021 im Erdgeschoss neben der Notfallaufnahme angesiedelt werden, auch ein MRT-Gerät wird angeschafft. „Genutzt wird es allerdings nur für den stationären Bereich“, betont der Geschäftsführer. Eine Zulassung für ambulante MRT-Diagnostiken hat die Klinik nicht.

In Ilmenau mangelte es bislang zudem an einem größeren Raum für Seminare, Fortbildungen und Patientenforen. Für sie musste jeweils der Sportraum geräumt werden. Nun entsteht in einem Seitentrakt ein größerer Raum, der für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Trotz der vielen Maßnahmen, die in den vergangenen Monaten durchgeführt werden konnten und 2020 fortgesetzt werden, reicht das Geld, das der Freistaat hierfür zur Verfügung stellt, nicht. „Wasserschäden etwa und die daraus resultierenden Sanierungen betreffen viele Kliniken in Thüringen“, weiß er. Auch, wenn die Häuser generalsaniert seien, müsse man Jahr für Jahr Geld in deren Erhaltung stecken. Die 1,2 Millionen Euro, die dafür vom Land kommen, reichen nicht aus, um den aktuellen Baustand zu erhalten. „Wir machen uns deshalb große Sorgen, nicht nur um die Infrastruktur unseres Krankenhauses, sondern generell um alle Krankenhäuser in Thüringen“, sagt Marcel John.

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