Strahlende Stimme im Arnstädter Wandelkonzert

Arnstadt  Der Sänger Klaus Mertens und Organist Jörg Reddin musizieren und begeistern in Bachkirche und Liebfrauenkirche.

Beim Wandelkonzert III erklingt ein Liederabend mit Bass-Bariton Klaus Mertens (Bild) und Jörg Reddin an den Orgeln. Foto: Berit Richter

Beim Wandelkonzert III erklingt ein Liederabend mit Bass-Bariton Klaus Mertens (Bild) und Jörg Reddin an den Orgeln. Foto: Berit Richter

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Bass-Bariton Klaus Mertens gilt als einer der bedeutendsten Bach-Interpreten unserer Zeit. Erst vor wenigen Tagen erhielt er für sein Schaffen die Leipziger Bach-Medaille verliehen. Über 200 CD hat er mit Bachs Werken eingespielt. Nur ein Auftritt in der Bach-Stadt Arnstadt, der fehlte noch in der Vita des Sängers. Am Mittwoch hat sich das geändert.

Klaus Mertens war Gast eines Wandelkonzertes, bei dem ihn Kantor Jörg Reddin begleitete. Bei den Wandelkonzerten begibt sich das Publikum von einer Kirche zur anderen. Auch musikalische nahmen die Künstler ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die Musikgeschichte.

Los ging es in der Bachkirche mit Werken von Johann Sebastian Bach, seinen musikalischen Vorbildern und Komponisten, die er beeinflusst hat, so wie Alessandro Grandi, der im Todesjahr Bachs geboren wurde und dessen „Cantabo Domini“ nach Bachs d-moll-Toccata an der Orgel den gesanglichen Auftakt des Konzertes bildete.

Schon da ließ sich erkennen, was das Publikum zwei Stunden erleben sollte. Eine fast überirdisch strahlende Stimme, welche die Alte Musik ausdrucksstark und authentisch interpretierte. Dabei spiegelte sich in jedem Wort, in jedem Ton die tiefe Religiosität der einzelnen Werke wider, etwa bei fünf der geistlichen Lieder aus „Schemellis Musikalischem Gesangsbuch“.

Weitaus weniger gespielt als dieses sind die „Geistlichen Arien“ des Christoph Bernhard (1627-1692), erst Sänger, später Kapellmeister an der Dresdner Hofkapelle. Drei Stücke hatten Klaus Mertens und Jörg Reddin daraus ausgewählt.

Eher leisere Töne wurden anschließend in der Liebfrauenkirche angeschlagen. Die dortige Schuke-Orgel hatte gerade erst ihren 40. Geburtstag. Sozusagen als Geschenk für sie und alle Zuhörer gab es einen romantischen Liederreigen. Zwar sei das Instrument nicht für romantische Musik bestimmt gewesen, erklärte Jörg Reddin, sehr wohl vermochte es der Kantor, der kraftvollen Orgel die nötige Sanftheit zu entlocken, um die fantasievollen Bilder von Robert Schumanns „Kinderszenen“ gleichsam verträumt durchs Kirchenschiff wehen zu lassen und um Klaus Mertens bei seinem zweiten Programmteil mit Reger und Rheinberger zu begleiten.

Überraschend der Schluss. Hierfür hatten sich die Musiker Antonin Dvoráks (1841-1904) „Biblische Lieder“ ausgesucht. „Aus Respekt vor dem Komponisten“, wie Mertens erklärte, sang er sie im tschechischen Original. Dvorák hatte sie während seines New-York-Aufenthaltes aus Sehnsucht nach der Heimat komponiert, wie Mertens, der die dafür verwendeten Psalmen übersetzte, sagte. Auch wenn den Stücken eine gewisse Schwermut inne lag, das Publikum verließ nach diesem Abend beschwingt die Kirche.

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