Synagogale Orgelmusik als Teil der Achava-Festspiele

Berit Richter
| Lesedauer: 2 Minuten
Synagogale Orgelmusik erklingt in der Arnstädter Bachkirche: Stephan Lutermann an der Steinmeyer-Orgel.

Synagogale Orgelmusik erklingt in der Arnstädter Bachkirche: Stephan Lutermann an der Steinmeyer-Orgel.

Foto: Berit Richter

Arnstadt.  Nach einem kleinen historischen Abriss zur Musik, erklingt das Konzert in der Arnstädter Bachkirche.

Prächtig hallen die Klänge der Orgel durch die Bachkirche, wie so oft in den Jahrhunderten. Und doch sind es an diesem Tag Töne, die wohl noch keiner der Anwesenden je gehört hat, die noch nie auf der Steinmeyer-Orgel gespielt wurden. Töne, wie sie einst in den Synagogen erklangen. Der Beitrag der evangelischen Kirchgemeinde zu den Achava-Festspielen.

„Synagogale Orgelmusik war vor allem in Deutschland verbreitet“, erklärte Stephan Lutermann bevor er sich an die Orgel setzt. „Orthodoxe jüdische Gemeinden lehnen bis heute die Orgel im Gottesdienst ab, aber die deutschen Reformgemeinden hatten ab 1813, als die erste Orgel in Seesen im Harz entstand, zunehmend Orgeln in ihren Synagogen.“ Als die Nationalsozialisten 1938 in der Pogromnacht über 250 Synagogen niederbrannten seine bis „auf drei oder vier“ auch alle Instrumente zerstört wurden. „Und was die Menschen an Notenmaterial retten konnte wurde in alle Welt zerstreut.“

Wissenschaftlerin Tina Frühauf hat es sich zur Aufgabe gestellt, dieses Material zusammenzutragen und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus ihrem Fundus bediente sich dann Stephan Lutermann für sein Konzert in Arnstadt. Er selbst, so erklärte er, sei auf das Thema aufmerksam geworden, als im Rahmen von Orgelführungen in Hamburg die Frage aufkam, ob es denn auch in Synagogen Orgeln gegeben habe. Mittlerweile gehört das Aufführen dieser synagogalen Orgelmusik zu seiner Passion. Den Auftakt bildete ein Werk, das Hugo Schwantzer (1829-1886) 1864 zur Einweihung der neuen Synagoge in Berlin schrieb. es zeige in seiner musikalischen Größe und Strahlkraft das Selbstbewusstsein der Gemeinde, erklärte Lutermann. Dass er dieses wie auch Werke von Siegfried Würzburger (1877-1942), Louis Lewandowski (1821-94), Joseph Sulzer (1850-1926), Arno Nadel (1878-1943), Ernst August Beyer (1668-nach 1943) und Henrich Schalit (1886-1976) dem Vergessen entriss, brachte ihm ebenso viel Beifall ein, wie das eigene Können an der Orgel.

„Ich finde es wichtig, den interreligiösen Dialog zu leben“, erklärte Arnstadts Kantor Jörg Reddin zur Idee, im christlichen Gotteshaus den Klang der Synagoge entstehen zu lassen.