Taler, Löschmittel und C-Schlauch

Liebenstein  150 Jahre besteht die Liebensteiner Feuerwehr. Die Gratulanten kommen zum Jubiläum nicht ohne Geschenke. Die Einsätze nehmen in der neuen Landgemeinde Geratal wieder zu.

Für eine kleine Demonstration wurde wie vor 150 Jahren mit der Handspritze gelöscht.

Für eine kleine Demonstration wurde wie vor 150 Jahren mit der Handspritze gelöscht.

Foto: Berit Richter

Mit dem Pferdefuhrwerk zum Löscheinsatz, das war einmal. Heute kommen die zehn Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Liebenstein natürlich mit einem motorisierten Einsatzfahrzeug angefahren. Doch aus Anlass der Feier zum 150-jährigen Bestehen am Wochenende wurde noch einmal angespannt und die liebevoll gepflegte Handdruckspritze aus dem Jahr 1893 zum Einsatz gebracht. Dank kräftigem Pumpen war das kleine Feuer da schnell gelöscht.

Zwei Tage lang feierte man in Liebenstein das Feuerwehrjubiläum. Der Festkommers bot Gelegenheit, zurück zu blicken, vor allem aber Dank und Anerkennung zu sagen. Wie wichtig ein gut funktionierendes Löschwesen im Ort ist, das hatten die Liebensteiner spätestens 1733 gemerkt, als das ganze Mittel- und Unterdorf abbrannte. Da die Einwohner zu der Zeit auf den weit entfernten Feldern arbeiteten, wurde der Brand erst spät bemerkt. Als 1869 Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha die Bildung von Feuerwehren in seinem Territorium verfügte, waren die Liebensteiner dabei. Doch schon für die Zeit zuvor vermerkt die Chronik die Existenz vom Ledereimern, Feuerhaken und Leitern. Für 470 Taler wurde dann die erste Spritze gekauft. Taler, also Geldgeschenke, hatte Samstagnachmittag auch der eine oder andere Ehrengast im Gepäck. Andere brachten ein Fass „Löschmittel“ mit oder gleich einen ­C-Schlauch, wie der Burgverein. Gemeinsam mit den anderen Vereinen des Ortes und den benachbarten Feuerwehren wurde der Festakt begangen. Ortschaftsbürgermeister Jörg Becker (parteilos) dankte ebenso für den unermüdlichen Einsatz der Kameradinnen und Kameraden wie Landtagsabgeordneter Jörg Thamm (CDU) und Tobias Nimbs (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Landgemeinde Geratal.

„Seit wir zu dieser gehören, nehmen die Einsätze wieder zu, weil wir auch alarmiert werden, wenn in Gräfenroda etwas ist“, erzählte Carsten Ziehn, Liebensteins Wehrführer. „Wir arbeiten gut zusammen und freuen uns, dass wir eure jungen Kameraden ausbilden dürfen“, hob auch Stephan Keil, Wehrführer im Nachbarort, hervor. „Es ist schön, dass wieder einige junge Leute den Weg in die Wehr gefunden haben“, freute sich Jörg Becker.

Schließlich hatte der Liebensteiner Feuerwehr, die in ihren besten Jahren über 40 Mitglieder zählte, schon mal das Aus gedroht. „Mit der Tagesbereitschaft ist es bei uns nach wie vor schwierig, weil die meisten auswärts arbeiten“, erklärte Carsten Ziehn, „aber von 18 bis 6 Uhr und am Wochenende sind wir einsatzbereit.“ Leider fehle es aber noch an einem für die Jugendarbeit qualifizierten Mitglied, um auch in diesem Bereich aktiv zu werden. Genutzt wurde die Feier auch für Beförderungen und Auszeichnungen.

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