Thüringen gibt 13,5 Millionen für Batterie-Forschungscenter

Arnstadt.  Forschung und Fertigung an einem Ort: Noch vor Beginn der Produktion von Batteriezellen für Elektroautos hat in Arnstadt jetzt ein Fraunhofer-Batteriezentrum die Arbeit aufgenommen.

In Arnstadt wird künftig an energie-effizienten Batterien geforscht.

In Arnstadt wird künftig an energie-effizienten Batterien geforscht.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Grüne Pfeile weisen Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) den Weg. Schon oft war er am Erfurter Kreuz, Thüringens größtem Industriegebiet. Hier, ganz am Rande des Areals, steht indes eine Halle, die er noch nicht kennt. Einst produzierten hier zwei Solarfirmen, beide mussten die Produktion einstellen.

Leer steht das Gebäude dennoch nicht. Die Landesentwicklungsgesellschaft kaufte die Immobilie, weil ein passender Mieter in den Startlöchern stand: Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme. „Mit Kaffeetassen haben wir weniger zu tun“, scherzt am Freitag Institutsleiter Alexander Michaelis. Vielmehr ist das Institut auf technische Keramiken spezialisiert, die für Hightech-Anwendungen benötigt werden.

Mehrere hundert Mitarbeiter hat das Institut. Diese kooperieren eng mit der Industrie, helfen beispielsweise, Produktionsprozesse zu automatisieren und dabei gleichzeitig eine hohe, gleichbleibende Qualität der Produkte zu sichern.Auch Batterien, macht Michaelis deutlich, sind keramische Systeme. Und hier kommen wiederum das Erfurter Kreuz und seine jüngste Großansiedlung, der chinesische Batteriehersteller CATL, ins Spiel.

2000 Arbeitsplätze geplant

900 Meter Luftlinie von der Fraunhofer-Halle entfernt baut CATL gerade ein neues Werk, in dem perspektivisch bis zu 2000 Menschen arbeiten sollen. Schon zum Spatenstich sagte der Europa-Präsident von CATL, dass es sich nicht um eine reine Produktionsstätte handeln soll, sondern dass das Unternehmen auch in Forschung und Entwicklung investieren will.

Wolfgang Tiefensee, der zuvor lange und intensive Gespräche mit den CATL-Vertretern geführt hatte, begriff dies als Steilvorlage, vermittelte und verhandelte. Mit dem Ergebnis, dass er nun einen großen, roten Knopf drücken darf – als symbolisches Startzeichen für die Inbetriebnahme einer neuen Fraunhofer-Zweigstelle. Sie trägt den etwas sperrigen Namen „Batterie-Innovations- und Technologie-Center“ und gehört zum Institut für Keramische Technologien und Systeme.

Zehn Mitarbeiter haben die Arbeit schon aufgenommen

Auch, wenn die Halle noch leer aussieht, haben die bislang zehn Mitarbeiter die Arbeit schon aufgenommen, verrät Roland Weidl, der Leiter des Centers. Fünf stammen vom alten Standort, fünf weitere sind Neueinstellungen aus der Region. „Die hat Potenzial“, verweist Weidl darauf, dass Jahr für Jahr gut ausgebildete Ingenieure etwa die Technische Universität Ilmenau und andere Forschungseinrichtungen in Thüringen verlassen.

Sie mit einer spannenden Aufgabe in Thüringen zu halten, sei ein wichtiges Anliegen.In den nächsten drei bis fünf Jahren soll die Belegschaft auf bis zu 35 Forscher steigen. Sie sollen Lösungen für die vernetzte, digital unterstützte Produktion und Qualitätssicherung von Batteriezellen und -modulen erarbeiten. Keramische Materialien kommen dabei ebenso zum Einsatz wie hochmoderne Sensorik und zerstörungsfreie Prüfverfahren.

Technologie-Center passe bestens ans Erfurter Kreuz

CATL ist nur ein Partner in Sachen angewandte Forschung. „Wir wollen unsere Arbeit auch kleinen und mittelständischen Unternehmen anbieten“, macht Weidl deutlich.„Wenn irgendwo Substanz da ist, kann auch Neues entstehen“, bringt es Wolfgang Tiefensee auf den Punkt. Industrieunternehmen sind vor Ort, Partner wie die technische Hochschule Ilmenau und diverse Fachhochschulen nicht weit. Das Batterie-Innovations- und Technologie-Center passe daher bestens ans Erfurter Kreuz.

Den Aufbau der Einrichtung unterstützt der Freistaat mit 13,5 Millionen Euro. „Und wir haben mit dem Center die Chance, mehr zu werden als eine verlängerte Werkbank internationaler Unternehmen. Wir können ein Treiber neuer Technologien werden“, betont Franz-Josef Willems, Vorsitzender der Initiative Erfurter Kreuz, unter deren Dach Dutzende Unternehmen des Industriegebiets versammelt sind.

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren