Volle Auftragsbücher bei Binz

Ilmenau.  Ilmenauer Sonderfahrzeughersteller verbucht Auftragseingänge für die nächsten zwei Jahre.

Fertigungsmitarbeiter Henry Möller (links) und Produktionsleiter Dominic Weber an einem Zollfahrzeug.

Fertigungsmitarbeiter Henry Möller (links) und Produktionsleiter Dominic Weber an einem Zollfahrzeug.

Foto: Arne Martius

In dem gemeinsam mit dem Ilmenauer Fraunhofer-Institut entwickelten Desinfektionssystem für Rettungswagen sieht die Geschäftsführerin des Sonderfahrzeugherstellers Binz, Cathrin Wilhelm, einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Technologieführer in der Branche. Durch Bestückung der Ambulanzfahrzeuge mit effizienten UVC-Leuchtdioden können nach Firmenangaben 99,99 Prozent aller Viren und Bakterien in unter zehn Minuten neutralisiert werden.

Im Herbst verlässt der erste Prototyp mit diesem Desinfektionssystem die Werkhallen: Er soll der Start für eine Serienanwendung sein. Schon jetzt arbeiten die Ingenieure daran, ihr System noch schneller wirken zu lassen. „Ziel ist es, die Ruhezeiten der Rettungswagen auf ein Minimum zu verkürzen, um die Fahrzeuge schnell wieder in den Einsatz zu bringen“, sagt Wilhelm.

Die Neuentwicklung ist nicht die einzige gute Nachricht aus dem Unternehmen. Trotz der Coronakrise sind derzeit die Auftragsbücher voll – die Hauptgesellschafterin und Geschäftsführerin spricht von „Vollbeschäftigung für die nächsten zwei Jahre“. Allerdings ist der Sonderfahrzeugbau eine harte Branche: „Wir sind zuversichtlich, aber auch wir müssen uns jeden Tag auf dem Markt behaupten“, beschreibt die gebürtige Sächsin mit Wurzeln in Thüringen die Situation.

Dass das Unternehmen so gut durch die vergangenen drei Monate kam, liegt ihren Angaben zufolge an einer vorausschauenden Beschaffung bei Binz, durch die die Ausfälle infolge von Corona bei Zulieferern ausgeglichen werden konnten. Zudem verfüge der Sonderfahrzeugbauer über ein innovatives Team: Wo doch ein Zulieferer kurzfristig ausfiel, fand die Mannschaft schnell eine vergleichbare Alternative, so Wilhelm. Nicht immer war es um den Betrieb im Gewerbegebiet „Am Vogelherd“ gut bestellt. Einst nach 1989/90 als Produktionsstätte eines Unternehmens aus Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben, erwischte Binz die Finanzkrise im Jahr 2008 kalt.

Es folgten eine Insolvenz und verschiedene Eigentümer, bis schließlich Cathrin Wilhelm mit einem Konsortium 2015 übernahm. Damals seien die Aussichten nicht rosig gewesen. 130 Mitarbeiter erwirtschafteten 17,5 Millionen Euro Umsatz, der Auftragsbestand lag bei 5 Millionen.

Anders heute: Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 40 Millionen Euro, knapp 200 Mitarbeiter arbeiten inzwischen im Unternehmen, und die Firma ist aktiv auf der Suche nach Teamverstärkung. Ganze 80 Millionen Euro Aufträge hat das Unternehmen eigener Auskunft nach fest im Haus.

Spezialfahrzeugefür Feuerwehr und Polizei

Mit vier Produktbereichen hat sich Binz etabliert. Neben der Fertigung von Rettungswagen werden Einsatzleitwagen für Feuerwehren und den Katastrophenschutz gebaut. Fahrzeuge für Polizei oder Zoll sind ein wichtiger Bestandteil. Und nicht zuletzt werden mobile Sanitätseinrichtungen für die Bundeswehr gefertigt. „Ein wichtiger, sehr innovativer Teil unseres Portfolios, aber auch ein sehr diskreter“, merkt Cathrin Wilhelm an.

Zu den Eigenentwicklungen gehört der von Mitarbeitern konstruierte Rettungswagen „Rescube“, der durch sein Aufbewahrungskonzept von Ausrüstungsgegenständen in den Hecktüren neue Raummöglichkeiten für traumatisierte Patienten bietet und der mit im Dach integrierten Signalleuchten auf hohe Aufbauten verzichtet.

Die Nähe zur Universität und zum Fraunhofer-Institut kommen Binz zugute. „Wir haben hier den besten Standort überhaupt“, ist Cathrin Wilhelm überzeugt.