Von barocker Pracht zu romantischer Seligkeit und Süße

Arnstadt.  Alternatives Weihnachtsfestkonzert am Samstagabend in der Arnstädter Bachkirche erweist sich als Genuss vom Feinsten.

Sänger und Instrumentalisten machten das Weihnachtsfestkonzert in der Bachkirche in Arnstadt zum Erlebnis.

Sänger und Instrumentalisten machten das Weihnachtsfestkonzert in der Bachkirche in Arnstadt zum Erlebnis.

Foto: Berit Richter

Kantor und Leiter Jörg Reddin hatte hoch gepokert. Kein Weihnachtsoratorium von Bach in diesem Jahr, dafür ein eher unbekanntes von Saint-Saens mit barocken Vorspielen von Telemann, Corelli und Vivaldi. Und wieder einmal ging die Partie auf und am Ende des prachtvollen Weihnachtsfestkonzertes am Samstagabend dürfte wohl niemand im Publikum das „Jauchzet, frohlocket“ aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach vermisst haben.

Auch ohne Bach gejauchzt und gejubelt

Glücklicherweise wurde auch ohne Bach viel gejauchzt, gejubelt und frohlocket. Dank den virtuos und spielfreudig agierenden Musikern wurde das Festkonzert zu einem ungeheuren Genuss. Was hatte Kantor Reddin auch alles aufgeboten! Als stimmmächtige Solisten agierten Friederike Holzhausen (Sopran), Anna-Maria Koßbau (Mezzosopran), Sandra Marks (Alt), Robert Pohlers (Tenor) und Maik Gruchenberg (Bass).

Dem Bachchor und Singkreis Arnstadt gelang es unter der temperamentvollen Leitung von Jörg Reddin, mit den hochkarätigen Solisten durchaus mitzuhalten und vor allem im Weihnachtsoratorium von Saint-Saens berührende Chöre zu gestalten. Als Instrumentalisten faszinierten dieses Mal das Thüringer Bach Collegium mit den zusätzlichen Solisten Elisabeth Anetseder-Meyer an der Harfe und Theophil Heinke an der Truhenorgel.

Telemanns Adventskantate als Vorspeise

Als erste Vorspeise des festlichen Weihnachtsschmauses gab es die Adventskantate von Telemann „Nun komm, der Heiden Heiland“, die den barocken Boden der ersten Hälfte des Konzertes bereitete. Als prachtvolle Steigerung und zweite Vorspeise dann das muntere Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, das „Concerto Grosso Op. 6 Nr. 8“, das die weihnachtliche Freude mit italienischer Fröhlichkeit und feinsten Nuancierungen zu einem berauschenden Höhepunkt führte.

Als dritte Vorspeise verband das Magnificat von Antonio Vivaldi barocke Festlichkeit mit venezianischer Munterkeit. Diese barocken Köstlichkeiten im sinnenfrohen italienischen Stil erwiesen sich als bestens geeignet, eine pikante Grundlage für die nachfolgende opulente Hauptspeise zu bilden.

Noch fast unbekanntes Jugendwerk erklang

Nach der temperamentvollen barocken Lebenslust der Italiener erwartete das Festpublikum nunmehr die romantische französische Eleganz, die mit süßer Seligkeit Friede und Gerechtigkeit der weihnachtlichen Befreiung heraufbeschwor. Um dieses Weihnachtsgefühl zu erreichen, erwies sich das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens als glückliche Vorlage. Dieses relativ unbekannte „Oratorio de Noel“ aus dem Jahre 1858, also fast noch ein Jugendwerk von Saint-Saens, zeigte alle Ingredienzien, die man mit französischer Romantik gern in Verbindung bringt. Gefühl und Esprit, Pracht und Eleganz, Pathos und raffinierte Einfachheit paarten sich zu einem prunkvollen Klangerlebnis.

Welch großartige Steigerung, wenn das Konzert von einer Soloarie (Alt) über ein Duo (Sopran & Bass), ein Trio (Sopran, Tenor & Bass) ein Quartett (Sopran, Mezzosopran, Alt & Bass) zu einem „Quintette et Choeur“ fortschreitet und in seliger Verbindung von Solisten und Chor das weihnachtliche Glücksgeschehen beschwört.