Vortrag in Langewiesen: Hölderlins Begegnung mit Heinse

Langewiesen.  Einen Vortrag gab es zur Geburtstagsfeier des Heinse-Freundeskreises mit 40 Gästen in Langewiesen.

Vortrag und Feier zum Geburtstag von Johann Jacob Wilhelm Heinse. Pfarrer im Ruhestand und Heinse-Kenner Udo Huß (links) spricht über die kurze und intensive Begegnung von Hölderlin mit Heinse.

Vortrag und Feier zum Geburtstag von Johann Jacob Wilhelm Heinse. Pfarrer im Ruhestand und Heinse-Kenner Udo Huß (links) spricht über die kurze und intensive Begegnung von Hölderlin mit Heinse.

Foto: Karl-Heinz Veit

Am 15. oder 16. Februar 1746 wurde der Sohn der Pfarrerfamilie Heinse in Langewiesen geboren. Damals war die Taufe des Neugeborenen das verbriefte Datum des Seins auf dieser Welt. Der hohen Kindersterblichkeit wegen, wurde die Taufe der Neugeborenen am gleichen oder nachfolgenden Tag der Geburt im Taufregister amtlich niedergeschrieben und gilt als Geburtsdatum.

Gedanklich vorauseilender Zeitgenosse

Johann Jacob Wilhelm Heinse hatte Glück. Er blieb am Leben, entwickelte sich trotz Armut und dank seiner Gönner zu einem bedeutenden Literaten. Neben Goethe (1749 bis 1832) war er ein ebenbürtiger, seiner Zeit gedanklich vorauseilender Zeitgenosse. Ihm wurde aber jene Art der Anerkennung, die dem sogenannten Dichterfürsten Goethe widerfuhr, nie zuerkannt.

Nahezu unermüdlich arbeitete der einstige Langewiesener Schullehrer und Ehrenbürger, Erich Krauß, zu DDR-Zeiten daran, Wilhelm Heinse nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Freundeskreis, der sich offiziell in den 90er Jahren gründete, wird die Tradition fortgeführt. Der Name der hiesigen Heinse-Grundschule spricht für sich als Würdigung über alle Zeiten.

Gegen das Vergessen eines großen Sohnes aus Langewiesen

Mittlerweile hat Martin Strauch das Heft für Heinses Erbpflege gemeinsam mit den Langewiesenern in die Hand genommen. Auch Ruhestandspfarrer Udo Huß sitzt mit in diesem Boot. Er rudert wie alle anderen engagiert und erfolgreich gegen das Vergessen eines wirklich großen Sohnes Langewiesens. So auch am Freitagabend in seinem Vortrag „Heinse ist ein durch und durch vortrefflicher Mensch – Friedrich Hölderlins Begegnung mit Wilhelm Heinse und die Folgen“.

Zur Geburtstagsfeier des Heinse-Freundeskreises erwies sich der Vortrag als eine besonders schöne und wertvolle Blume im imaginären Geburtstagsstrauß der etwa 40 Gäste. Udo Huß ließ in seinem Vortrag jene zwei Monate im Sommer 1796 der Begegnung von Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) mit Heinse im Zitieren von Gedichten und Reisebeschreibungen in voller Lebendigkeit wiedererstehen. Das war natürlich für die Zuhörer keine leichte Kost, weil der Sprach- und Schreibstil jener Zeit so gar nicht in die heutigen Hörgewohnheiten und Erlebniswelten passt. Dennoch gelang es Udo Huß, dass jeder Zuhörer etwas mitnehmen konnte.