Weniger Bedarfsgemeinschaften im Ilm-Kreis

Ilm-Kreis.  Betroffene Kinder haben Anspruch auf Leistungen aus dem Paket Bildung und Teilhabe

Über das Bildung- und Teilhabe-Paket kann unter anderem das Schulessen finanziert werden.

Über das Bildung- und Teilhabe-Paket kann unter anderem das Schulessen finanziert werden.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Ein warmes Mittagessen in der Kita, die Teilnahme am Schulausflug oder Training im Sportverein, für Eltern, die Hartz IV beziehen, ist das oft finanziell nicht leistbar. Um ihre Kinder nicht zu benachteiligen, gibt es seit 2011 das Paket für Bildung und Teilhabe, das übers Jobcenter oder das Sozialamt beantragt werden kann.

Immerhin 1105 Bedarfsgemeinschaften haben Anspruch darauf, wie Kerstin Bussemer, Bereichsleiterin Markt und Integration, im Jugendhilfeausschuss des Kreistages am Dienstag erklärte. In ihnen leben Kinder unter 18 Jahre. 541 Familien haben ein Kind, 332 zwei und 232 drei und mehr Kinder.

Erstattung von Mittagessen wird am meisten genutzt

Insgesamt gibt es im Ilm-Kreis aktuell 3704 Bedarfsgemeinschaften. Noch wirke sich die Corona-Krise nicht negativ aus, da die meisten Betroffenen erst einmal in Kurzarbeit oder Arbeitslosengeld seien, hieß es weiter. Dies könne sich in Zukunft aber ändern.

Noch gilt: „Seit 2017 sind die Bedarfsgemeinschaften mit Kindern um 17 Prozent gesunken“, wie Sachbearbeiter Heiko Marggraf erläuterte. Damals hatte man noch 1329 Bedarfsgemeinschaften gezählt. Im letzten September gab es den Tiefstand von 1092. Mittlerweile sind es 13 mehr.

Am meisten genutzt wird die Möglichkeit, sich das Mittagessen in Schule oder Kita erstatten zu lassen. 1817 Anträge gingen dafür im letzten Jahr ein, in diesem bisher 1100. Dass generell die Anträge auf die Leistungen sanken zeigt, dass vieles in den letzten Monaten nicht wie gewohnt stattfand. So wurde bisher nur 89 Mal finanzielle Unterstützung für mehrtägige Klassenfahrten beantragt. Im letzten Jahr waren es 325, 2018 sogar 446.

Lernförderung und Vereinsleben als Anspruch

Hilfe können Familien auch bekommen, wenn es um die Mitgliedsbeiträge für einen Verein geht. 46 Kinder nahmen im letzten Jahr eine Lernförderung in Anspruch, 2020 bisher 22. Gestiegen sind die Anträge auf Übernahme der Kosten für die Schülerbeförderung, nämlich von 18 auf 21.

Bereits seit 2011 gibt es den Anspruch auf Bildung und Teilhabe. Die Anpassungen im Rahmen des im letzten Jahr verabschiedeten Starke-Familien-Gesetzes hätten nun vieles vereinfacht, erklärte Heiko Marggraf. Die Leistungen würden mit dem Grundantrag der Eltern als ebenfalls beantragt gelten. „Dadurch geht den Kindern nichts verloren, auch wenn die Bildung- und Teilhabe-Leistungen erst später beansprucht werden“, so Marggraf. Trotz aller rückläufigen Zahlen, mehrere Kinder zu haben, stellt immer noch ein erhöhtes Armutsrisiko dar.

Philipp Hoppe stellte am Dienstag den aktuellen Sozialatlas des Ilm-Kreises vor. Generell sank die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in den Bedarfsgemeinschaften seit 2010 um 46,6 Prozent, die der nicht erwerbsfähigen, also hauptsächlich der Kinder, aber nur um 30 Prozent.