Vier Monate Auszeit: Zwei Ellebener pilgern mit dem Pferdewagen nach Spanien

Elleben  Uwe Wesche und Andreas Töllner aus Elleben im Ilm-Kreis starteten am Montag im Pferdekremser ihre Pilgerfahrt nach Spanien.

Die Ellebener Uwe Wesche und Andreas Töllner starteten am Montag kurz vor 10 Uhr auf ihre Pilgerfahrt in Richtung Spanien. Erstes Ziel am Montag ist Paulinzella, dann geht es weiter Richtung Würzburg und von dort aus Richtung Südwesten.

Die Ellebener Uwe Wesche und Andreas Töllner starteten am Montag kurz vor 10 Uhr auf ihre Pilgerfahrt in Richtung Spanien. Erstes Ziel am Montag ist Paulinzella, dann geht es weiter Richtung Würzburg und von dort aus Richtung Südwesten.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Ein letztes Mal blicken Uwe Wesche und Andreas Töllner am Montag die Ellebener Ortsdurchfahrt hinunter. Dann setzen sich Ben und Hauke, die gemütlich wirkenden Kaltblutpferde, in Bewegung. Langsam ziehen sie den Kremserwagen aus dem Ort. Ein Aufbruch in ein Abenteuer, das voraussichtlich erst kurz vor Weihnachten enden wird.

Über ein Jahr ist es her, dass Uwe und Andreas zusammensaßen. Ein, zwei Bier waren damals im Spiel, geben beide zu. Sie redeten. Darüber, mal auszubrechen aus dem Alltag, völlig neue Erfahrungen zu sammeln. Damals kam ihnen die Idee, einfach die beiden Pferde von Uwe vor den alten Kremser zu spannen und den Jakobsweg entlangzupilgern. Bis nach Santiago de Compostela. 2700 Kilometer von Elleben entfernt.

„Am nächsten Tag waren wir wieder nüchtern – und fanden die Idee immer noch gut“, sagt Uwe Wesche lachend. Er und Andreas sprachen mit Freunden und der Familie. Und stießen dort auf viel Verständnis und Unterstützung.

Bewusst eine Auszeit genommen

Leicht ist es freilich nicht, sich aus dem Alltag loszueisen, geben beide zu. Uwe Wesche ist selbstständiger Holzrücker, ist mit seinen Pferden thüringenweit im Einsatz, vor allem auf schwierigem Terrain, wo Holz nicht maschinell geerntet werden kann. Im September beginnt normalerweise die Hochsaison, die Auftragsbücher sind voll. Doch die Auftraggeber müssen nun ein paar Wochen warten.

Auch Andreas Töllner (45) nimmt sich bewusst eine Auszeit. Der Erzieher plant, sich als Handwerker selbstständig zu machen. Die Vorbereitungen dazu laufen, der Bedarf an geschickten Händen ist da. Zuvor aber setzte er seine Fähigkeiten anders ein: Er möbelte Uwes alten Kremser wieder auf. Die Lastwagen-Plane, die einst als Wetterschutz diente, wurde erneuert, das Innenleben so umgebaut, dass nicht nur das Gepäck Platz findet, sondern auch zwei Liegeflächen entstanden. Auch eine Solaranlage kam auf‘s Dach – zum Laden der Handys und um den Weidezaun unter Strom setzen zu können.

400 Kilogramm Pferdefutter unter den Bänken

Auf Alltagstauglichkeit wurde das Gefährt bei mehreren Mehrtagesausflügen in Thüringen getestet, erzählt Uwe, der am Tag des Aufbruchs seinen 58. Geburtstag feierte.

„Das meiste Gepäck nehmen unsere Pferde mit“, verrät er lachend. 200 Liter Wasser werden für die Vierbeiner verstaut. Schließlich trinkt jedes von ihnen bis zu 90 Liter am Tag. 400 Kilogramm Pferdefutter wurden unter die Bänke geschoben – und Trockenfutter für Maja, den Berner-Sennenhund-Mischling.

In drei Boxen sind Küchenutensilien und Werkzeug verstaut, auch eine Dusche gibt es. Und zwei winzige Regale, in denen die Ellebener ihre persönlichen Sachen verstaut haben.

Den Jakobsweg wählten beide nicht aus religiösen Gründen, sondern weil die Infrastruktur auf dem Weg stimmt. Schließlich kann der Kremser nicht querfeldein fahren, ein Weg muss schon vorhanden sein.

Im Dezember wollen sie in Santiago de Compostela ankommen

Geplant ist, pro Tag rund 30 Kilometer zurückzulegen. Wo immer es passt und schön ist, wollen die Abenteurer auch mal ein paar Tage rasten, damit sich die Pferde erholen können. Wo sie übernachten werden? Das steht noch nicht fest. Ihre Erfahrung aus den Tagesausflügen ist aber: Die Menschen sind offen für solch spontane Besucher, kennen meist ein Eckchen, wo die Pferde grasen und die Reisenden in der Kutsche übernachten können. In Frankreich seien die Menschen ohnehin sehr entspannt, weiß Uwe, der dort einige Jahre lang lebte. In Spanien werde das wohl nicht viel anders sein.

Im Dezember, so ihr Plan, wollen sie in Santiago de Compostela ankommen. Natürlich haben sie Pilgerpässe, die sie sich auch abstempeln lassen. Von Spanien aus wird dann die Rückreise organisiert. Heimwärts geht es dann allerdings aller Voraussicht nach per Spedition und im Pferdeanhänger. Denn Weihnachten erwarten Familie und Freunde die beiden Abenteurer zurück.

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