An der Schmücke: Rückzug von allen politischen Ämtern

An der Schmücke.  Verfestigtes Ortschaftsdenken und geringe Kompromissbereitschaft: CDU-Fraktionschef Thomas Wolff aus Oldisleben wirft das Handtuch.

Auf der ersten Stadtratssitzung am 18. Juni 2019 verpflichtete Bürgermeister Holger Häßler die neuen Stadträte. Thomas Wolff wurde damals zum Beigeordneten gewählt.

Auf der ersten Stadtratssitzung am 18. Juni 2019 verpflichtete Bürgermeister Holger Häßler die neuen Stadträte. Thomas Wolff wurde damals zum Beigeordneten gewählt.

Foto: Kerstin Fischer

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Der Schritt kam überraschend. Und irgendwie auch wieder nicht: Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt An der Schmücke, der Oldislebener Thomas Wolff (CDU), hat den Rückzug von allen politischen Ämtern erklärt. Wolff verlässt damit Stadt- und Ortschaftsrat und hat sogar seinen Austritt aus der CDU erklärt.

Was muss passiert sein, dass ein besonnener und stets um Ausgleich und Sachlichkeit bemühter ehrenamtlicher Kommunalpolitiker einen solch tiefgreifenden Schritt vollzieht?

Die Erklärung liefert der Oldislebener in einer Mitteilung. Darin zeigt der ehemalige Bürgermeisterkandidat sich tief enttäuscht von der Entwicklung um die neue Landgemeinde, die seit Monaten von einem Thema dominiert wird – dem Streit um den Namen der Stadt.

Auch im Ortschaftsrat gibt es den Konflikt

Oldislebener gegen Heldrunger – und umgekehrt. Nicht nur im Stadtrat kochten im Herbst die Emotionen hoch. Auch im Ortschaftsrat und auf den Straßen Oldislebens schwelt der Konflikt, seit eine Stadtratsmehrheit für die Umbenennung der Stadt in „Heldrungen“ stimmte.

„Die Schmücke-CDU“, so Wolff, habe „sich aufgestellt, um sich mit wertorientierter Sacharbeit in der Kommunalpolitik einzubringen. Der Wahlkampf war herausfordernd und führte zu guten Ergebnissen und somit zu einer guten Ausgangslage für die angestrebte Arbeit in Stadt- und Ortschaftsrat. Die Wahl führte aber auch zur Niederlage bei der Bürgermeisterkandidatur – ich war unter anderem angetreten, um mich als Bürgermeister für das Zusammenwachsen der Ortschaften einzusetzen. So lag nun die Aufgabe, politische Ziele der Schmücke-CDU umzusetzen und für Zusammenarbeit zu sorgen, bei der Fraktion im Stadtrat und als deren Vorsitzender insbesondere bei mir“.

Wolff beklagt „verfestigtes Ortschaftsdenken“ und geringe Kompromissbereitschaft „beiderseits der Unstrut“ innerhalb der Fraktion. „Meine Bemühungen, mit Sachthemen jenseits der Namensdiskussion eine Basis der Zusammenarbeit zu schaffen, liefen nicht zuletzt durch äußere Einflüsse ins Leere. Dirk Amme verließ die CDU-Fraktion und wechselte zur SPD, weitere Austrittsankündigungen wurden geäußert. Leider ist es mir nicht gelungen, die Fraktion zu einen“, so Wolffs bittere Erkenntnis über seine Arbeit an der Spitze eines Lagers, das mit Roland Schmidt und Dirk Amme sowie Ines Pfau und Enrico Steinkopf aus drei Oldislebenern und zwei Heldrungern bestand.

Der Bürgermeister bedauert Wolffs Rückzug

Wie sehr es im Stadtrat in den Reihen der Oldislebener brodelt, zeigte auch der Austritt Nils Naumanns aus der Linke-Fraktion sowie dessen Beitritt ebenfalls zur SPD-Fraktion, die mit Joachim Pötzschke, Frank Neutert, Christina Rahaus und zuletzt Dirk Amme ausschließlich aus Oldislebenern besteht.

Auch im Ortschaftsrat hatte Wolff zuletzt keinen leichten Stand. „Im Ortschaftsrat gab es, zumindest mir gegenüber, kaum fraktionelle Zusammenarbeit“, bedauert er. „Da für mich persönlich weder ein Fraktionswechsel, noch fraktionsloses Arbeiten in Frage kam, bin ich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, alle politischen Ämter niederzulegen sowie aus der CDU auszutreten. Ich bin aber überzeugt, dass nur auf diese Weise ein neu ausgerichteter Anfang für die politische Arbeit in der Stadt und der Schmücke-CDU möglich ist“.

Bürgermeister Holger Häßler (parteilos) bedauerte Wolffs Rückzug, auch wenn er ihn „menschlich verstehen“ könne. Seit der Abstimmung in Bretleben über die Namensänderung werde in Oldisleben gegen Wolff Stimmung gemacht. Hartnäckig halte sich das Gerücht, dass Wolff für „Heldrungen“ die Hand gehoben habe. Wolff hatte für den Oldislebener Kompromissvorschlag „Heldrungen-Oldisleben“ gestimmt.

Auf der Stadtratssitzung am 24. Februar in Hauteroda wird damit nun erneut das Personalkarussell rotieren. Diesmal geht es nicht nur um Ausschussbesetzungen, sondern auch um den Stellvertreter des Bürgermeisters.

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