Ehrenbürger

Der erste sozialdemokratische Landtagspräsident Deutschlands stammt aus Bad Frankenhausen

Bad Frankenhausen.  Zum 100. Todestag des Frankenhäusers Franz Winter legt der SPD-Ortsverein einen Kranz nieder.

Der einstige Landtagspräsident Franz Winter (2. von links) auf einem Foto aus dem Jahr 1913.

Der einstige Landtagspräsident Franz Winter (2. von links) auf einem Foto aus dem Jahr 1913.

Foto: Regionalmuseum Bad Frankenhausen

Am heutigen 13. Februar jährt sich zum einhundertsten Mal der Todestag von Franz Winter. „Er ist eine wichtige Persönlichkeit der thüringischen Geschichte, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Schwarzburg-Rudolstadt friedlich im neuen Freistaat Thüringen aufgehen konnte“, sagt Ulrich Hahnemann, Direktor des Regionalmuseums Bad Frankenhausen.

Im Jahre 1860 in Frankenhausen geboren und aufgewachsen, erlernte Winter den Beruf des Knopfmachers. Zahlreiche Frauen und Männer in den Knopffabriken standen den Ideen der Sozialdemokratie nahe. Ab 1887 betätigte sich Winter aktiv für die SPD und war Mitbegründer der ersten gewerkschaftlichen Organisation der Knopfarbeiter in Frankenhausen.

Von seinem Berufsstand vorgeschlagen und unterstützt, wurde er 1892 in den Stadtrat gewählt, dem er bis 1919 angehörte. Anlässlich der Wahlen zum Landtag des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt 1899 kandidierte er als Sozialdemokrat erfolgreich für den Wahlkreis Frankenhausen. Im Jahr 1902 wurde Winter dann zum Vizepräsidenten des Landtages 1902 gewählt und nachdem die Sozialdemokratie zeitweilig eine Mehrheit im Landtag hatte, am 23. Februar 1912 zum Landtagspräsidenten. Das war zugleich das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass ein Sozialdemokrat zum Präsidenten eines Landtages gewählt wurde.

Da der Chef der Landesregierung vom Landesherren Fürst Günther Viktor von Schwarzburg persönlich ernannt wurde, war es das höchste Amt im Lande, dass Politiker erreichen konnten. Franz Winter behielt dieses Amt bis zu seinem Tod inne. Persönlich den Eintritt des Deutschen Kaiserreiches in den Ersten Weltkrieg ablehnend, engagierte er sich im Krieg vor allem für die Versorgung der Bevölkerung. Gegen Ende des Krieges übernahm er die Leitung der Amtlichen Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene des Landkreises Frankenhausen und des Kreiswohlfahrtsamtes Frankenhausen. Nach der Abdankung des Deutschen Kaisers im November 1918 plädierte er im Landtag für einen friedlichen Übergang von der Monarchie zur Republik im Land Schwarzburg-Rudolstadt. Dadurch blieben den Einwohnern revolutionäre Auswirkungen erspart.

Für seine Verdienste ernannte ihn der Stadtrat am 10. Januar 1918 zum Ehrenbürger. Verdienste erwarb er sich nach Ende der Monarchie bei der Überleitung des städtischen Gymnasiums in die Verantwortung des Landes oder bei der Gründung des Stadt- und Heimatmuseums. Den Zusammenschluss der thüringischen Einzelstaaten zum Freistaat am 3. Mai 1920 erlebte er nicht mehr. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Frankenhausen, wo seine Grabplatte zugleich eine der wenigen öffentlich sichtbaren Zeugnisse, die an die Zugehörigkeit Frankenhausens zu Schwarzburg-Rudolstadt erinnern.

Der SPD-Ortsverein ehrt den Ehrenbürger am Donnerstag, 13. Februar, um 16 Uhr auf dem Friedhof durch eine Kranzniederlegung.

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