Exhibitionist treibt sein Unwesen in Bad Frankenhausen

Bad Frankenhausen.  Behörden kennen den Täter durch eine Vielzahl von Verfehlungen. Eine dauerhafte Inhaftierung ist bisher nicht möglich. Polizei bittet um Anzeigen.

Das Wohngebiet Am Tischplatt aus der Vogelperspektive. Hier wohnt der wiederholt auffällige Mann.

Das Wohngebiet Am Tischplatt aus der Vogelperspektive. Hier wohnt der wiederholt auffällige Mann.

Foto: Archivfoto: Marco Kneise

Ein polizeibekannter 23-Jähriger, der in der Kurstadt wohnt, ist erneut durch exhibitionistische Handlungen aufgefallen. Der anerkannte Flüchtling aus Eritrea soll sich wiederholt auf offener Straße entblößt und in Gegenwart von Frauen und Kindern selbst sexuell befriedigt haben.

Die Anwohner des Wohngebietes Am Tischplatt sind alarmiert und äußern ihr Unverständnis. Auch die Polizei und die Behörden sind alarmiert. Einer Inhaftierung oder gar einer Abschiebung des Mannes stehen aber juristische Hürden im Weg.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der Mann durch ähnlich gelagerte Handlungen auffällig. Per Einweisung des sozialpsychiatrischen Dienstes des Kyffhäuserkreises befand er sich zeitweilig in einer geschlossenen Einrichtung. Auch wegen Hausfriedensbruchs in mehreren Geschäften in der Innenstadt wurde er im Jahr 2019 angezeigt.

Bürger fordern mehr Pragmatismus

„Fragt man bei der Polizei, der Stadtverwaltung, der Ausländerbehörde, dem Amtsgericht, der Staatsanwaltschaft oder dem sozialpsychologischen Dienst nach, bekommt man überall die gleiche Antwort. Der junge Mann ist überall namentlich bekannt, und es liegen auch eine Reihe von Anzeigen gegen ihn vor, nur machen kann man aktuell nichts.

Die Schwere der laufenden Fälle und die Beweislage reichen nicht für ein umgehendes Eingreifen, die weiteren Ermittlungen laufen und zu Details kann und darf man sich nicht äußern“, scheibt der Frankenhäuser Stadtrat Steffen Kobrow (Gemeinsam für Bad Frankenhausen). Es bleibe zu hoffen, so Kobrow, dass die deutsche Bürokratie am Ende nicht dazu führe, dass erst etwas Schlimmeres passieren müsse, bevor man handeln könne.

Allerdings sei es für den Normalbürger wirklich nicht nachvollziehbar, wie ein psychisch so auffälliger Mensch, der seine Therapie vernachlässige, einfach durch die Stadt schlendern, Menschen belästigen und Kinder in Angst versetzen könne, und das, obwohl er bereits polizeibekannt ist. Hier sollte der Schutz der Bevölkerung an erster Stelle stehen. Bürokratie sei sicher richtig und wichtig, aber manchmal wünsche man sich einfach mehr Pragmatismus, gerade in einem solchen Fall.

Den Behörden im Landratsamt sei der Fall bekannt und der Mann „beschäftige mehrere Ämter regelmäßig“, antwortet der Kreissprecher Heinz-Ulrich Thiele auf Nachfrage dieser Zeitung. Als anerkannter Flüchtling genieße der Mann sogenannten subsidiären Schutz.

„Das bedeutet, dass es große strafrechtliche Hürden für eine Verhaftung oder gar eine Abschiebung des Mannes gibt. Das ist überhaupt erst möglich, wenn er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Letztenendes entscheidet dann auch nicht unsere Ausländerbehörde über eine Abschiebung, sondern das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, sagt Thiele.

Schutz der persönlichen Freiheit hat hohen Stellenwert

Auch bei der Polizei ist der Mann wegen seines Verhaltens bekannt, wie Fränze Töpfer, Sprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen, auf Nachfrage bestätigt. „Der Mann ist bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Es gab mehrere Anzeigen weger kleinerer Delikte wie Hausfriedensbruch oder leichter Körperverletzung.“ Dabei halte er sich hauptsächlich im Bereich des Wohngebietes Am Tischplatt auf, wobei er auch schon in der Innenstadt auffällig wurde.

Da der Mann juristisch gesehen bislang keine Gefahr für sich oder andere darstellte, könne er auch nicht festgenommen werden. Die dafür nötige Schwere einer Tat fehle auch bei einer einfachen Entblößung vor anderen. Lediglich ein so genannter Unterbindungsgewahrsam von zwölf Stunden sei der Polizei ohne gerichtliche Rücksprache gestattet. Durch diese Gefangennahme könne eine auffällige Person daran gehindert werden, eine Ordnungswidrigkeit von erheblicher Bedeutung oder eine Straftat zu begehen oder fortzusetzen.

„Sollte es wieder Vorfälle geben, bitte ich darum, sofort Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Bitte den Mann nicht ansprechen oder provozieren“, sagt Töpfer. Die Polizei könne generell nur tätig werden, wenn Anzeigen gestellt würden. Eventuell könne auch ein Bild von der Tat gemacht werden, das später als Beweismittel infrage käme. „Es macht letztlich die Masse an Anzeigen, ansonsten ist der Schutz der Freiheit zu hoch“, sagt Töpfer.