Feuerwehren sind für mehr Unwettereinsätze gerüstet

Kyffhäuserkreis.  Ausbildungsstand und Technik bei den Feuerwehren im Kyffhäuserkreis stimmen. Führungskräfte sollen allerdings mehr Besonnenheit lernen

Sturmtief „Sabine“ knickte in Artern noch am Dienstag diesen Baum um, er krachte auf das Sozialgebäude des Soleschwimmbades.

Sturmtief „Sabine“ knickte in Artern noch am Dienstag diesen Baum um, er krachte auf das Sozialgebäude des Soleschwimmbades.

Foto: Wilhelm Slodczyk

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Sturmtief Sabine hat Kameraden und Technik bei den Einsatzgruppen der Feuerwehren überall im Kyffhäuserkreis auf eine harte Probe gestellt. Die hätten Menschen und Material aber erwartungsgemäß gut bestanden, schätzte Kreisbrandinspektor Jonas Weller am Dienstag auf Nachfrage ein. „So eine Unwetterlage sollte für ausgebildete Feuerwehrleute keine besondere Herausforderung darstellen. Und technisch sind die Wehren im Landkreis bestens ausgerüstet, um Gefahren durch Sturm wirkungsvoll zu begegnen.“ Weller sieht weder in der Ausbildung noch bei der Ausstattung Nachholbedarf, auch wenn die Unwetter häufiger werden.

Ein Problem allerdings sieht Weller darin, dass manche Führungskräfte nicht klar genug die Grenzen setzen, wo der Einsatz der Feuerwehrleute noch gerechtfertigt ist und wo nicht. „Gerade in solchen Unwetterlagen gibt es viele Situationen in denen es nicht erforderlich ist, das Kameraden Gefahren ausgesetzt werden.“ Manchmal sei die Feuerwehr gar nicht zuständig, Sturmschäden zu beseitigen. Etwa wenn ein Baum auf ein Privatgrundstück gefallen sei.

Zusätzliche Ausstattungstößt auf geteilte Meinungen

„Optimal ist bei der Sperrung der Bundesstraße bei Neuheide reagiert worden. Dort wurden schnell die Personen aus dem Gefahrenbereich gerettet und dann einfach die Straße abgeriegelt. Es hätte doch keinen Sinn ergeben, mitten im Sturm mit Aufräumen zu beginnen.“ Solch besonnenes Verhalten müsse beim Führungspersonal der Wehren noch stärker geschult werden.

Die erforderliche Besonnenheit hat Mike Grambs, der Leiter der Sondershäuser Feuerwehr bewiesen. Er hatte beim Einsatz auf der B 4 den Hut auf. Grambs sieht ebenfalls keinen Bedarf an zusätzlicher Ausrüstung, um mit häufigeren Unwettern klar zu kommen. „Die Sondershäuser und ihr Stadtrat beweisen viel Umsicht, was die Ausstattung der Feuerwehr betrifft.

Die zwei vor kurzem neu beschafften Fahrzeuge haben jetzt gute Dienste geleistet, wo viele weit verstreute Einsatzorte schnell erreicht werden müssen.“ An der Motivation der Feuerwehrleute gebe es ohnehin nichts auszusetzen. Auf deren Leistung sei er nach dem Sturmeinsatz wieder richtig stolz. In der Stadt Roßleben-Wiehe ist seit Jahresbeginn Elko Wendt als hauptamtlicher Feuerwehrwart für die Koordination der sieben Feuerwehren in der Landgemeinde zuständig. Er sieht keine Notwendigkeit für ein ganzheitliches Konzept bei Sturmereignissen, das allen Feuerwehren vorgeschrieben wird.

„Jeder Wehrführer weiß darüber Bescheid, dass er seine Wehr auf solche Sturmereignisse vorbereiten muss und ich gehe davon aus, dass das alle unsere Wehren auch so handhaben. Für die Wehr in Roßleben habe ich beispielsweise vor dem Sturm Sabine noch einmal zusätzlich die Technik kontrolliert, um uneingeschränkte Einsatzbereitschaft zu ermöglichen“, sagt Wendt. Da das Gebiet Roßleben-Wiehe bei Sturmlagen immer relativ glimpflich davongekommen sei, sei eine neue Strategie nicht erforderlich.

Auch die Stützpunktfeuerwehr Artern hat kein explizites Sturmkonzept. „Wir haben die entsprechende Technik und gut ausgebildete Leute, da wird individuell nach Schadenslage entschieden, was zu tun ist“, sagt Wehrführer Peter Hauthal. Es gehöre außerdem zur Arbeit der Feuerwehrleute, die Wetterlagen zu kennen und sich im Vorfeld darauf vorzubereiten.

„Bei Feuerwehreinsätzen kommt es eigentlich darauf an, dass man die vorhandene Technik vielfältig einsetzen kann“, sagt in Bad Frankenhausen Stadtbrandmeister Jens Fischer. Bei Sturmereignissen wurde die Frankenhäuser Feuerwehr in den zurückliegenden Jahren zu Einsätzen vor allem in den Kyffhäuser gerufen, wo Bäume umgeknickt und auf die Straße gefallen waren. „Es ist ja gerade Sinn und Zweck, im Notfall für jede Art von Einsatz vorbereitet und ausgerüstet zu sein“, so Fischer. Darauf werde auch bei Neuanschaffungen von Technik geachtet. Spezielle Ausrüstung nur für Einsätze bei Orkanfolgen habe die Frankenhäuser Feuerwehr aus diesem Grund nicht. „Wir halten Seilwinden vor, die eigentlich für einen anderen Zweck sind, aber im Fall von Sturmeinsätzen durchaus hilfreich sein können. Mit Blick auf witterungsbedingte Einsätze haben wir uns allerdings neue Motorsägen angeschafft, die leistungsfähiger sind“.

275 Feuerwehrleute seien bei insgesamt 25 größeren Einsätzen im Landkreis, die während der stürmischen Tage erfasst worden waren, mit im Einsatz gewesen, wie am Dienstag aus dem Landratsamt des Kyffhäuserkreises gemeldet wurde.

Auch wenn im Laufe des Tages noch mit weiteren Ereignissen zu rechnen gewesen war, da das Sturmtief noch nicht abgezogen gewesen war, sprach die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind-Schneider (SPD) bereits ihr Lob aus: „Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Einsatzkräften im Kyffhäuserkreis für ihre tatkräftige Hilfe und ihren selbstlosen Einsatz in den letzten Tagen bedanken. Wir haben wieder gesehen, dass wir uns auf die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr verlassen können.“

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