Friedhofsgebühren steigen drastisch

Roßleben-Wiehe.  Roßleben-Wiehe beschließt eine einheitliche Satzung zu Grabstellen. Urnen müssen biologisch abbaubar sein

Tolle Grabbepflanzung: Auch auf dem Friedhof in Wiehe gilt nun die einheitliche Satzung, allerdings mit einer Ausnahmeregel.

Tolle Grabbepflanzung: Auch auf dem Friedhof in Wiehe gilt nun die einheitliche Satzung, allerdings mit einer Ausnahmeregel.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Umsonst ist nicht mal der Tod – Diese Binsenweisheit kam manchem Besucher der Sitzung des Stadtrates von Roßleben-Wiehe über die Lippen. Denn die neue Friedhofssatzung stand zur Abstimmung, inklusive der Gebühren. Die steigen, vor allem in den kleinen Ortsteilen, drastisch. Extrembeispiel: In Donndorf erhöhen sich die Kosten für ein Einzelgrab (20 Jahre) von 150 auf 1155 Euro, also um gut das Neunfache. Einige im Publikum stöhnten.

Nach der Fusion von Roßleben und Wiehe sowie der Gemeinden Donndorf und Nausitz war eine einheitliche Satzung notwendig geworden, „ja, eigentlich überfällig“ erklärte Caterina Breitenbach, Leiterin der Allgemeinen Verwaltung. Auf 141.000 Euro belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten für die nunmehr acht Friedhöfe -- denn mit Langenroda und Nausitz, bislang in kirchlicher Obhut, kommen zum Jahreswechsel zwei weitere Ruhestätten hinzu.

Überlassung einer Urnengrabstätte für 20 Jahre kostet nun 689 Euro

Die neue Kalkulation geht von hundertprozentiger Kostendeckung aus. Ja, die Kommunalaufsicht würde auch 75 Prozent akzeptieren. „Allerdings fehlen uns die 40.000 Euro dann an anderer Stelle“, gab Bürgermeister Steffen Sauerbier (SPD) zu bedenken. Nach einem bestimmten Schlüssel, so Breitenbach, wurden die Kosten für die einzelnen Bestattungsarten errechnet. Allesamt liegen sie deutlich höher als bisher. Die Überlassung einer Urnengrabstätte für 20 Jahre kostet nun 689 Euro. Bisher lagen sie bei 320 Euro in Roßleben, 262 (Wiehe) und 100 (Donndorf).

„Nachvollziehbar ist das alles“, befand Gudrun Holbe. „Aber akzeptabel? Das steht auf einem anderen Blatt“, so die CDU-Stadträtin. Sie stimmte wie Antje Ruppe (FDP) dagegen. Beide: aus Donndorf. Die anderen Räte trugen den Beschluss mit. Auch wenn sie zum Beispiel über die 243 Euro für die Nutzung der Trauerhallen, die ja unterschiedliche Größe und Qualität besitzen, debattierten. Doch letztlich stand die Frage im Saal: Einheitlich oder weiter Kleinstaaterei?

Neue Regeln sorgten für Gesprächsstoff, wurden aber abgesegnet

Auch die vielen neuen Regeln sorgten für Gesprächsstoff, wurden aber abgesegnet. Markant: Beisetzungen dürfen nur noch in biologisch abbaubaren Urnen erfolgen. Denn wenn man bei der Einebnung das Behältnis findet, „empfinden viele: Nun wird der Angehörige entsorgt“, sagt Breitenbach. Die Ruhefrist, bis ein Grab wiederbelegt wird, beträgt nun 20 Jahre. Ausnahme: 30 Jahre in Wiehe. Wegen des speziellen Bodens würden dort auch nach 20, 25 Jahren oft noch sogenannte Wachsleichenteile gefunden.

Der Anspruch auf Wiedererwerb nach 20 oder 30 Jahren besteht nicht automatisch. Wenn das Grab ungünstig liege, würde das Amt ein Veto einlegen. Die Größe von Doppelgräbern, die bisher variiert, wurde auf 2,20 Meter vereinheitlicht.

Grabpflanzen dürfen einen Meter Wuchshöhe nicht überschreiten. Metall- und Kieseinfassungen außerhalb der Gräber, häufig anzutreffen, wurden als Stolperfallen und damit künftig unzulässig eingestuft. Für jene, die schon bestehen, werde es aber keine Sanktionen geben, versprach Steffen Sauerbier.

Klar, so gestand der Bürgermeister, das Thema sei emotionsgeladen. Deshalb dankte er dem Rat und den Bürgern, „dass diese Debatte doch so konstruktiv verlief“.