Gespaltenes Echo über neue SPD-Spitze

Kyffhäuserkreis.  Regionale SPD-Mitglieder haben verschiedene Erwartungen an das neue SPD-Führungsduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken.

Steffen Sauerbier ist Bürgermeister von Roßleben-Wiehe.

Steffen Sauerbier ist Bürgermeister von Roßleben-Wiehe.

Foto: Wilhelm Slodczyk

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Sehr unterschiedlich fallen die Reaktionen von SPD-Mitgliedern aus dem Kyffhäuserkreis auf das Ergebnis der Stichwahl im SPD-Mitgliedervotum um die neue Doppelspitze aus. Dort haben sich die bisher bundespolitisch unbeleckten Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken gegen den Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dessen Tandempartnerin Klara Geywitz durchgesetzt. Damit zeichnet sich ein Linksruck in der Bundes-SPD ab. Das weckt bei einigen Genossen im Landkreis Hoffnungen, trifft bei anderen auf Skepsis. Einhellig erwartet wird hingegen ein klarer Führungskurs um das Profil der Partei neu zu schärfen. Im Kyffhäuserkreis werden einige Städte und Gemeinden von SPD-Bürgermeistern regiert und auch die Landrätin trägt bekanntlich das rote Parteibuch.

„Meine Favoriten waren eigentlich Karl Lauterbach und Nina Scheer, aber in der Stichwahl habe ich auch für Walter-Borjans und Esken gestimmt“, sagt Alexandra Wallrodt, Vorsitzende der Kyffhäuserkreis-Jungsozialisten (Jusos). Das Duo habe ihre Stimme bekommen, weil es für einen linkeren Kurs stehe. „Die beiden stehen für einen progressiveren Kurs, da sie auch nicht in der aktuellen Bundesregierung vertreten sind“, sagt Wallrodt. Sie findet es richtig, dass das Duo nun mit der CDU über Inhalte nachverhandeln möchte, weil das helfe, an Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Für die Zukunft hoffe sie, dass die SPD stark genug werde, um eine Koalition mit Grünen und Linken auf Bundesebene eingehen zu können. Dabei wäre es für Wallrodt auch völlig okay, wenn die SPD wieder nur Juniorpartner wäre.

Eine starke Stimme für die Genossen im Osten Deutschlands vermisst Anne Bressem, die Vorsitzende vom SPD-Ortsverband Sonderhausen in der neuen Führung der Bundespartei. „Klara Geywitz wäre aus meiner Sicht die richtige Frau an der SPD-Spitze gewesen, die auch die besonders schwierige Situation der SPD im Osten im Blick hat.“ Und auch weil sie den Linkskurs, für den Walter-Borjans und Esken stehen, eher skeptisch sehe, habe sie für das letztlich unterlegene Duo Scholz/Geywitz gestimmt. „Kritisch werde ich auch weiterhin begleiten, was die neue Spitze vorhat. Dass sie jetzt in der Frage der Großen Koalition bereits zurückrudert, setzt schon kein gutes Zeichen.“ Wichtig sei, dass es die Parteiführung schaffe, „den Laden zusammenzuhalten“ und Kraft für die schweren Wahlkämpfe der nächsten Zeit zu sammeln.

Sebastian Koch, Bürgermeister von Gehofen, hat in beiden Wahlgängen für das Duo Scholz/Geywitz gestimmt, kann aber mit dem Gewinner-Duo sehr gut leben: „Es kommt darauf an, dass die beiden nun etwas aus ihrem Sieg machen und dafür sorgen, dass die SPD wieder an Profil gewinnt“. Die SPD verkaufe ihre Erfolge in der aktuellen Regierung viel zu schlecht, weshalb sie nun an Profil gewinnen müsse, um nach einer weiteren Bundestagswahl auch als starke Opposition fungieren zu können. „Ich denke, das wäre das Beste für meine Partei, man sieht an FDP und Grünen, dass Opposition nichts Schlimmes sein muss“, sagt Koch.

Auch Roßleben-Wiehes Bürgermeister Steffen Sauerbier hat in der Stichwahl für Walter-Borjans/Esken gestimmt. „Es geht nun darum, dass beide besonnen auftreten und auch innerhalb der Groko besonnen handeln. Die SPD muss weiter gestalten und das geht außerhalb der Regierung nun einmal nur schwer“, sagt Sauerbier. Auch hoffe er, dass der Wahlverlierer Olaf Scholz weiter Bundesfinanzminister bleibe: „Mal abgesehen vom permanenten Festhalten an der schwarzen Null, kann man ihm wenig vorwerfen“, so Sauerbier.

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