Erster Blaulichtgottesdienst: In Bad Frankenhausen wurde allen Rettern gedankt

Susann Salzmann
| Lesedauer: 4 Minuten
In Bad Frankenhausen fand am Abend des ersten Adventssonntages der allererste Blaulichtgottesdienst im ganzen Kyffhäuserkreis statt. Dabei wurde allen Helfern gedankt – neben Feuerwehrleuten auch Rettungsdiensten und Polizisten.

In Bad Frankenhausen fand am Abend des ersten Adventssonntages der allererste Blaulichtgottesdienst im ganzen Kyffhäuserkreis statt. Dabei wurde allen Helfern gedankt – neben Feuerwehrleuten auch Rettungsdiensten und Polizisten.

Foto: Susann Salzmann

Bad Frankenhausen.  Superintendentin organisierte ersten Blaulichtgottesdienst im Kyffhäuserkreis. Dutzende Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Polizisten kommen.

Nicht selten erleben Retter bei Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei verstörende Momente in ihrem Einsatzleben. Um zu ertragen, was die Retter hier und da sehen, braucht es Passion. Und wenn der psychische Druck zu groß ist, gibt es Notfallseelsorger. So wie Steffi Wiegleb, die Superintendentin des Kirchenkreises Bad Frankenhausen-Sondershausen. Sie ist da, wenn die Helfer selbst Hilfe brauchen und rückte die Arbeit der Einsatzkräfte mit einer Premiere für den gesamten Kyffhäuserkreis in ein neues Licht: Am Abend des ersten Adventssonntages wurde auf dem Frankenhäuser Schlossplatz der allererste Advents- und Blaulichtgottesdienst abgehalten.

Dutzende, in jedem Fall aber weit mehr als hundert Teilnehmer, standen aufgereiht bei drei Grad Celsius im flackernden Blaulicht, blickten auf ein mit Lichterketten behangenes Kreuz, das die Frankenhäuser Wehr aus Steckleitern zusammensteckte. Etwa zweieinhalb Meter über dem Erdboden, im Tragekorb der Drehleiter wie in einer Kanzel stehend, sprach Pfarrerin Wiegleb zu Rettern und Zaungästen, die das Blaulicht anlockte. Mit rührenden Worten dankte sie allen Einsatzkräften. Allen, die Hilfe leisten. Das seien die Engel unter der Menschen, die es in der Gesellschaft bedürfe.

Zu den Gästen zählte unter anderem Detlef Grabs, Leiter der Kriminalpolizei Nordhausen. Er und vier seiner Kollegen wohnten dem Blaulichtgottesdienst gern bei, freuten sich, dass solch eine Aktion initiiert wurde. Grabs lobte die Zusammenarbeit mit Superintendentin Wiegleb. Denn die Pfarrerin leistet im Notfall seelischen Beistand. Sie ist Ansprechpartner bei der Kripo für Polizeikräfte, die durch Extremsituationen in psychische Nöte geraten können, so Grabs.

„Für Polizisten ist es immer schwer, mit Polizisten über Probleme zu reden, weil die gegebenenfalls aussagen müssten über das, was ihnen da zu Ohren kommt“, verwies der Kripo-Leiter auf die so wichtige Funktion Wieglebs. Die intimen Informationen, die ihr anvertraut werden, bleiben bei der Pfarrerin und unterliegen der Verschwiegenheit. In psychische Ausnahmezustände könnten Beamten etwa bei Todesermittlungsverfahren geraten. Wenn es sich beispielsweise um Säuglinge oder Kleinkinder handele. In Fällen wie dem vor Jahren, als ein Kleinkind durch Kampfhunde im Bereich Oldisleben zu Tode kam, seien Kollegen dankbar für Beistand, erzählte er. Ganz grundsätzlich sei das „Sicherheitsgeschäft“ nicht einfacher geworden. Auch Feuerwehrleute werden nicht überall nur dankend empfangen; müssen sich stattdessen für ihr Vorgehen rechtfertigen oder werden gar Beschimpfungen ausgesetzt, weiß er erfahrene Ermittler. Feuerwehrkräfte bestätigten unserer Zeitung das schon in der Vergangenheit; sprachen allerdings von vereinzelten Fällen.

Regelmäßig nehmen Einsatzkräfte der Frankenhäuser Feuerwehr die seelsorgerischen Dienstleistungen Steffi Wieglebs in Anspruch, sagte Jens Fischer in seiner Funktion als Wehrführer und Stadtbrandmeister. Mit etwa 30 Kameraden aus der Kernstadt war er vor Ort und er freute sich, dass viele Wehren aus umliegenden Orten wie Oldisleben, Udersleben, Ringleben, aber auch Hachelbich und Heldrungen den Weg zu diesem besonderen Gottesdienst gefunden haben. Besonders Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten oder Einsätze mit Verstorbenen würden die ehrenamtlichen Brandbekämpfer am meisten belaste, so Fischer.

Mit der Resonanz zeigten sich Feuerwehr und Steffi Wiegleb zufrieden. Die, die da waren, zeigten sich angetan von der Freiluftandacht. Für Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD) war es der erste Blaulichtgottesdienst in ihrer Amtszeit. Begeistert sprach auch sie sich für eine Wiederholung aus. So wie Helmut Bothur und seine Frau. „Uns hat es sehr gut gefallen“, sagte Frankenhäuser, der 35 Jahre lang als Rettungssanitäter arbeitete, aber nie seelsorgerische Dienste angewiesen war. In jedem Fall sei solch eine Andacht eine ganz besondere und in jedem Fall wohltuende Wertschätzung für alle im Helfer-Handwerk.