Innenraum der Gehofener Kirche wird zum Kunstwerk

Susann Salzmann
| Lesedauer: 3 Minuten
Manfred Reinhardt gibt einen Vorgeschmack, wie der Innenraum der Gehofener Dorfkirche in den nächsten Jahren komplett erstrahlen wird. Im dritten Bauabschnitt wurde ein Teil der Innenwand verputzt. Die „Plattoptik“ wurde aufgemalt.

Manfred Reinhardt gibt einen Vorgeschmack, wie der Innenraum der Gehofener Dorfkirche in den nächsten Jahren komplett erstrahlen wird. Im dritten Bauabschnitt wurde ein Teil der Innenwand verputzt. Die „Plattoptik“ wurde aufgemalt.

Foto: Susann Salzmann

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Gehofen.  Die Gestaltung der Gehofener Kirche übernahm ein großer Baumeister. Nun wird wieder hergestellt, was einst verloren ging.

Der Betrachter muss schon genau hinsehen, wenn er die Innenwände der Gehofener St. Johann-Baptist-Kirche betrachtet. Sandfarbene Platten scheinen dort angebracht zu sein. Aber nur auf den ersten Blick. „Die Wände sind glatt verputzt und darauf sind die Strukturen aufgemalt. So hat es der Baumeister Friedrich August Stüler einst gemacht“, sagte Manfred Reinhardt vom Kirchspiel Wiehe.

Stüler war ein preußischer Baubeamter und Architekt und zählte zu den Schülern des bekannten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Stüler selbst gehörte zu den maßgebenden Baumeistern seiner Zeit. Der Gehofener Sakralbau, erbaut in der Zeit von 1866 bis 1868, trägt die Handschrift Stülers. Bemalter Kalkputz und darüber Kalkfarbe – das war ein Alleinstellungsmerkmal Stülers. Der gebürtige Mühlhäuser hinterließ längst nicht nur in Gehofen seine (künstlerischen) Spuren. Auch an der Gestaltung der Potsdamer St. Nikolai-Kirche – sie gilt als einer der bedeutendsten klassizistischen Sakralbauten Deutschlands – oder der Garnisonkirche Potsdam wirkte der Sohn einer Pfarrerfamilie mit.

Zurück zur Gegenwart: Die Freunde und Förderer freuen sich über die Fortschritte, die seit Jahren, speziell aber auch in den letzten Monaten, in der Baptist-Kirche passiert sind. Über Jahrzehnte bröckelte der Putz von den Innenwänden; später wurde dieser abgeschlagen, erinnerte sich Reinhardt. Die Besucher blickten dann vom Kircheninneren auf die größtenteils nackten Sandsteine. Ein Zustand, der nach seinen Aussagen weitere Jahrzehnte anhielt. Mit der ursprünglichen Gestaltung hatte das wenig zu tun. Nun aber tut sich viel in der Dorfkirche. Besucher können am Tag des offenen Denkmals von 10 bis 16 Uhr das Vorher und Nachher bei einem Kirchenbesuch gleichzeitig erleben. Seit Mitte Juli laufen die Arbeiten an der südlichen, mehr als 20 Meter langen Innenwand. Ab der Empore wird bis zum Dach grundiert und zweimal Kalkfarbe aufgetragen. Restauratoren übernehmen schließlich die Malereien. So werden auf dem Putz Rechtecke nachgezeichnet. Sie vermitteln den Eindruck, dass die Innenwände mit Sandstein-Platten versehen wurden. Ein dezenter Bogen um die Fenster betont deren Silhouette und an der oberen Deckenkante wird eine Borde angebracht.

Deckenverkleidung wird nach der Fassung Stülers rekonstruiert

Ein Highlight sind außerdem die hölzernen Platten, die im Kirchendach eingesetzt sind. Auch sie sind sandsteinfarben und mit gemalten Strukturen versehen. Der vierte Bauabschnitt, in dem nun die Innenwand und Deckenverkleidung nach der Fassung Stülers rekonstruiert wird, kostet die Förderer rund 90.000 Euro. Den Löwenanteil der Kosten trägt mit rund 70.000 Euro das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt, sagte Reinhardt. Froh ist der Kirchen-Kümmerer darüber, dass es gelang, zusätzlich Gelder von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda, der Kirchengemeinde und dem Förderverein erhalten zu haben.

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Voraussichtlich im nächsten Jahr sollen die Arbeiten an der gegenüberliegenden Längswand beginnen. Fördermittel in Höhe von rund 180.000 Euro seien beantragt.

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