Krokodilsuche an der Unstrut wird eingestellt - Tier bleibt ein Phantom

Schönewerda  Ein Experte ist sich sicher: In der Unstrut bei Schönewerda gibt es kein Krokodil. Die Sperrungen werden aufgehoben, endgültige Entwarnung gibt es aber nicht.

Auch mit einem Hubschrauber wurde an der Unstrut nach dem Krokodil gesucht.

Auch mit einem Hubschrauber wurde an der Unstrut nach dem Krokodil gesucht.

Foto: WichmannTV/dpa

Die Suche nach einem vermeintlichen Krokodil, das sich in der Unstrut bei Schönewerda aufhalten soll, wird eingestellt. "Wir können davon ausgehen, dass der Flussabschnitt krokodilfrei ist", sagte der hinzugerufene Experte Heino Krannich vom Tierparkservice in Wittingen am Mittwochmorgen.

Alle Sperrungen aufgehoben

Auf der Pressekonferenz wurde zudem bekannt gegeben, dass die derzeit gültige Allgemeinverfügung ab Donnerstag, 0 Uhr, aufgehoben wird. Damit ist von morgen an wieder das Baden, Angeln und Spazieren am und im Fluss erlaubt. Auch der Unstrut-Radweg darf wieder befahren werden.

Der Verdacht auf die Existenz des Krokodils habe sich bei den aufwendigen Nachforschungen nicht bestätigt, sagte auch die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind-Schneider (SPD). Sollte es nach Einstellung der Suche jedoch neue Hinweise geben, werde man die Lage neu bewerten. "Wir müssen alles tun, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten."

Krokodil sollte mit Blut angelockt werden

Experte Krannich hatte u.a. mit Blutspuren und einem sogenannten Schleppköder aus Rinderlunge versucht, das Tier anzulocken und einen ganzen Tag den rund zehn Kilometer langen Flussabschnitt abgesucht.

Für die zahlreichen Sichtungen und Fotos von Anwohnern, die jedoch allesamt keinen eindeutigen Hinweis auf ein Krokodil ergaben, hat Krannich eine Erklärung: Das wilde Flussufer der Unstrut in diesem Bereich "lädt zum Halluzinieren ein", so der Experte.

Eine generelle Entwarnung möchte aber auch Krannich nicht geben: "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Tier weitergezogen ist."

Erste Sichtung vor zehn Tagen

Das Krokodil war vor zehn Tagen an der Unstrut bei Schönewerda, einem von mehreren Ortsteilen der Stadt Roßleben-Wiehe, aufgetaucht. Eine Pferdebesitzerin hatte berichtet, das Reptil gesichtet zu haben. Daraufhin hatten rund 80 Feuerwehrleute und Polizisten ein etwa zwölf Kilometer großes Flussgebiet erfolglos durchkämmt.

Experte: Krokodil hätte auf Köder reagiert

Auch ein Versuch, das Krokodil mit einem Huhn am Ufer in eine Fotofalle zu locken, scheiterte. "Die Instinkte dieser Tiere sind so fein, da hätte ein Krokodil reagiert", sagte Krannich. Am Ufer gefundener Kot stammte laut Landratsamt nach nicht von einem Krokodil, sondern von einem Fuchs. Aus im Uferschlamm gefundenen Abdrücken ließen sich keine Rückschlüsse ziehen.

Keine Krokodil-Halter im Kyffhäuserkreis

Nach Angaben von Amtstierarzt Gunther Wolf gibt es im Kyffhäuserkreis keine Halter von Krokodilen oder Alligatoren. Nach den gesetzlichen Regelungen in Thüringen müssen diese bei den Behörden gemeldet werden. Die Behörden hatten mit in Erwägung gezogen, dass es sich bei dem angeblichen Krokodil um ein ausgesetztes Tier handeln könnte. Dass es in angrenzende Gewässer abgetaucht ist, hält der Veterinär angesichts der Schließung zweier Schleusen in dem betreffenden Flussabschnitt für schwer vorstellbar. "Das ist eine Barriere für ein Krokodil."

Zuerst war das Krokodil nach Zeugenhinweisen Ende August flussabwärts bei Laucha im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) gesucht worden. Die Unstrut ist ein Nebenfluss der Saale, in die sie bei Naumburg mündet.

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