Kulturbotschafter aus Artern zu Gast in der slowakischer Partnerstadt

Artern  Das Schalmeienorchester war als Teil der Arterner Delegation zum Europa-Camp in der Partnerstadt Topol’cany und feierte viele Auftritte.

Im Abendlicht gaben die Arterner Schalmeien auch ein Konzert vor einer Kirche in Topol‘cany. Einige Passanten freuten sich über diese besondere Art der Unterhaltung.

Im Abendlicht gaben die Arterner Schalmeien auch ein Konzert vor einer Kirche in Topol‘cany. Einige Passanten freuten sich über diese besondere Art der Unterhaltung.

Foto: Sebastian Weidauer

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Gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister Torsten Blümel, der Partnerschaftsbeauftragten Bettina Beckel und Ortschaftsratsmitglied Martin Unverricht hatte das Arterner Schalmeienorchester die Ehre, seinen Heimatort zum Städtepartnerschaftstreffen in der slowakischen Stadt Topol‘cany zu vertreten. Schon zum 24. Mal trafen sich Delegationen aus dem thüringischen Artern, dem niedersächsischen Einbeck, dem französischen Mazingarbe und vom diesjährigen Gastgeber Topol‘cany, um die internationale Kooperation zu festigen, neue Kontakte zu knüpfen und den traditionellen Kulturaustausch zu bewahren.

Nach elf Stunden Busfahrt in Richtung hochsommerliche Slowakei, blitzschnellem Internatsbezug und leckerem Abendessen warfen sich die Musiker sofort in ihre Auftrittskleidung und begaben sich schnurstracks zur Auftaktveranstaltung im nahe gelegenen „Dom kul‘tury“ (Kulturhaus). Nach herzlichen Begrüßungsworten durften die Schalmeien das Europa-Camp 2019 musikalisch einläuten, bevor sie die Abgeordneten in Marschformation durch Topol‘canys Stadtzentrum zum Dinner geleiteten.

Gänzlich unbekannte Töne

Schwülwarm startete auch der Samstag, doch schon bald entluden sich die hohen Wolken und brachten erfrischendes Nass. Das Orchester ließ es sich dennoch nicht nehmen, Topol‘canys Innenstadt mit seiner Schalmeienmusik zu füllen. Nach einer spontanen morgendlichen Probe in der sechsten Etage der Unterkunft über Topol‘canys Skyline hinweg machte sich das Ensemble auf den Weg zum pittoresken Marktplatz. Blitz und Donner lieferten die passende Licht-Show und den nötigen Bass, so dass trotz ergiebigen Gewitterregens immer wieder Publikum stehen blieb und den ihm gänzlich unbekannten Tönen lauschte. Am Nachmittag ging es in die neben Bratislava älteste slowakische Stadt Nitra. Statt der geplanten Stadterkundungs- und Shopping-Tour suchten die europäischen Gäste zunächst trockenen Unterschlupf vor dem anhaltend starken Sommergewitter und statteten einem Heimatmuseum einen spontanen Besuch ab. Als sich das Wetter wieder ein wenig beruhigt hatte, ließ man dann doch noch die Portemonnaies klingeln und pilgerte mit Blick auf die malerische Burg durch die Geschäfte im Stadtzentrum. Währenddessen besuchten die Stadtabgeordneten Banská Štiavnica, die älteste und als Unesco-Weltkulturerbe verzeichnete Bergstadt der Slowakei, sowie deren architektonisch und landschaftlich wunderschöne Umgebung.

Am Samstagabend wurde im Festsaal der Unterkunft überraschend ein 60. Geburtstag gefeiert, so dass die Musiker die Gelegenheit nutzten, ihre Instrumente nochmals zu schnappen, trotz sprachlicher Hürden musikalisch zu gratulieren und die landesweit fremde Schalmeienmusik weiter bekanntzumachen. Musik ist eben doch die Sprache der Welt und verbindet.

Der Sonntagmorgen stand ganz im Sinne des katholischen Glaubens in Topol’cany. Unzählige Menschen pilgerten in die anmutige Kirche auf dem Marktplatz, in der die Heilige Messe abgehalten wurde. In dieser Zeit formierten sich die Arterner Schalmeien draußen auf einer kleinen Empore vor dem Gotteshaus, um das Kirchenpublikum zu empfangen und mit ruhigen Schalmeienklängen zum weltweit bekannten Titel „Hallelujah“ zu erfreuen. Besonders ehrten das Orchester die Worte eines begeisterten Zuhörers, der sich dafür bedankte, dass es die Menschen der Welt mit seiner wundervollen Musik und Leidenschaft erfreut.

Im Anschluss daran wartete das Organisationsteam im städtischen Freibad bereits mit einigen Sportspielen. Neben lustigem Zielwerfen und einem Volleyballturnier stand auch ein Schwimmwettbewerb auf dem Programm. Jedoch machte der Wettergott den Teilnehmenden mit einem aufziehenden Wolkenbruch einen Strich durch die Rechnung. Zu Fuß in die Unterkunft zurückzukehren war schier unmöglich. Zum Glück kehrten die Abgeordneten der Partnerstädte gerade von ihrem historischen Ausflug ins Chateau Appony in Oponice, einem heute noblen 4-Sterne-Hotel mit einzigartiger antiker Bibliothek, in deren Bestand sich Tausende originale Bücher aus der Zeit des Barock befinden, zurück. So konnte ihr Shuttle kurz umorganisiert werden, um die Schwimmbadgäste zumindest halbwegs trocken „nach Hause“ zu bringen. Vom morgendlichen Konzert vor der Kirche hatten die Arterner ihre Instrumente noch bei sich. Also beschlossen sie spontan, im Reisebus durch die Stadt zu musizieren und dem kurzfristig eingesprungenen Busfahrer mit einem außergewöhnlichen Ständchen à cappella zu danken.

Aufgewärmt und vom Abendessen frisch gestärkt, wurde der Sonntagabend eingeleitet und das diesjährige Europa-Camp schon fast wieder Geschichte. Zahlreiche tolle Momente, Gespräche, Besuche und Abenteuer konnten alle Teilnehmenden in einer würdigen Abschlussveranstaltung im Kulturhaus Revue passieren lassen. Nach einem fantastischen, sehr emotionalen Solo-Tanz und einer zauberhaft schönen Gruppen-Choreographie der ortsansässigen Tanzgruppe Novum zu „Alice im Wunderland“ sowie aufrichtigen Dankesworten der Bürgermeister aller teilnehmenden Städte durfte auch das Schalmeienorchester aus Artern noch einmal musikalisch für das gelungene Europa-Camp Danke sagen.

2020 lädt Einbeck zum großen Jubiläumstreffen

Die Musiker aus Artern möchten sich bei der Stadt Topol’cany und ihrer Bürgermeisterin Frau Gieciová für die tolle Organisation, das schöne Programm und die stete Hilfsbereitschaft bedanken. Ein herzliches Dankeschön gilt auch den Vertretern der Stadt Artern für die rundum angenehme Begleitung und Unterstützung, dem geduldigen Busfahrer, der die Thüringer sicher durch Mittel- und Osteuropa chauffierte, dem Internatspersonal für den herzlichen Empfang an der Rezeption und die leckere Verpflegung von morgens bis abends sowie allen Publikumsgästen - ob in der Stadt im Vorbeigehen, in den Restaurants, zwischen den Heiligen Messen, zu den internen Veranstaltungen des internationalen Treffens oder zur Geburtstagsfeier am Samstagabend im Internatssaal - für die vielen ­lobenden Worte und die stets den Musikern entgegengebrachte Begeisterung sowie allen Teilnehmern aus Einbeck, Mazingarbe und Topol‘cany für das gelungene und harmonische Wochenende. Besonders danken möchten die Arterner Musiker den tapferen Mitgliedern ihres Orchesters, die trotz der sommerlichen Temperaturen und des abwechslungsreichen Programms all die Auftritte stets gut gelaunt super gemeistert und sich auch außerhalb dieser von ihrer wirklich besten Seite gezeigt haben.

Im kommenden Jahr lädt die Stadt Einbeck zum großen Jubiläumstreffen anlässlich des 25. Europa-Camps zu sich nach Niedersachsen ein.

  • Der Autor dieses Beitrages, Sebastian Weidauer, ist der musikalische Leiter der Arterner Schalmeienkapelle.

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