Mehr als Arbeit: Doktorand sucht Zeitzeugen aus dem Kyffhäuserkreis

Susann Salzmann
| Lesedauer: 3 Minuten
Frank Kell ist Doktorand am Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim. In seinem Promotions­projekt beschäftigt er sich mit den kulturellen Folgen der Deindustrialisierung in Ostdeutschland. 

Frank Kell ist Doktorand am Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim. In seinem Promotions­projekt beschäftigt er sich mit den kulturellen Folgen der Deindustrialisierung in Ostdeutschland. 

Foto: Frank Kell

Kyffhäuserkreis.  Kali-Bergbau und Kyffhäuserhütte prägten den Kreis sehr. Ein Doktorand sucht nun Zeitzeugen, um mit ihnen über das Ende dieser Ära zu sprechen.

Die Erfahrungen von Zeitzeugen zur Deindustrialisierung Nordthüringens in ausgewählten Betrieben zu Wendezeiten möchte ein Doktorand der Universität Mannheim geschichtswissenschaftlich aufarbeiten. Die Ergebnisse seiner Arbeit – darunter auch vereinzelte Lebensgeschichten – sollen in einem Buch veröffentlicht werden. Frank Kell ist im Rahmen seines Promotionsprojektes auf die Mithilfe von Menschen angewiesen, die das Ende von Kali-Bergbau oder Kyffhäuserhütte miterlebt haben und sich die Zeit nehmen, ihm ihre Erfahrungen aus Vergangenheit und den Nachwirkungen bis in die Gegenwart zu schildern. Der Fokus liegt auf dem Transformationsprozess nach 1990.

Keine Wissensquelle soll ungenutzt bleiben

Kell, der gebürtig aus Bad Frankenhausen stammt, ist sich sicher: „Es gibt Geschichten, die erzählt werden wollen“, zog der 32-Jährige nach Gesprächen mit Mitgliedern des Bergmannsvereins „Glück auf“ Roßleben ein erstes positives Fazit. Weitere Gespräche mit Einzelinterviews folgen. Nicht nur mit Vertretern des Roßlebener Bergmannsvereins, sondern selbstredend auch mit den Sondershäuser Mitgliedern. Keine Wissensquelle soll ungenutzt bleiben. Kell studierte Geschichte sowie Philosophie und arbeitete nach seinem Studienabschluss zunächst dreieinhalb Jahre lang beim Verband der Historiker und Historikerinnen. Gegenwärtig ist er am Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Mannheimer Uni. In seiner Doktorarbeit beschäftigt er sich konkret mit den kulturellen Folgen der Deindustrialisierung in Ostdeutschland. Von der Berliner Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur wird das Projekt bis zum Herbst 2025 gefördert. Sein Promotionsprojekt trägt den Arbeitstitel „Erinnerungen an die arbeiterliche Gesellschaft – Betriebsvereine in Nordthüringen und die Erosion eines ostdeutschen Gesellschaftskonzeptes nach 1989/1990“. Wie erfuhren ehemalige Industriearbeiter den Umbruch zu Wendezeiten und wie werde dieser heute erinnert. Um diesen zentralen Fragen nachzugehen, will Frank Kell über die Treuhand, damalige Betriebsstilllegungen, den Rückbau lokaler Infrastruktur sprechen. Zu seinen Gesprächspartnern zählen insgesamt vier Bergmannsvereine; zu denen auch Traditionsvereine in Bleicherode und Bischofferode zählen.

Die sieben Einzelfallstudien beschäftigen sich zudem mit dem einstigen VEB Büromaschinenwerk „Ernst Thälmann“ in Sömmerda und dem Nordhäuser IFA-Motorenwerk Nordhausen beschäftigen, das 1992 seine Tore für immer schließen musste. „Die Betriebe zu DDR-Zeiten waren nicht nur Arbeitsplatz, sondern erbrachten auch Kulturleistungen“, nennt Kell einen Ausgangspunkt für seine Recherche, die sich zum Großteil auch in Archiven abspielt, in denen er etwa Einblick in Treuhandakten nimmt.

Alle, die mit Frank Kell ihre Erinnerungen an das Arbeitsleben in der DDR und an die Umbrüche in den 1990er Jahren, insbesondere die Stilllegung der DDR-Betriebe, teilen möchten, Unterlagen oder Fotos aus den Zeiten besitzen, können sich bei ihm unter der 0172-5879141 oder per Mail auf frank-kell@web.de melden.