Sanierungsbeginn an der Steilwand

Kyffhäuser.  Bagger entfernt Geröll in 35 Meter Höhe. Umweltministerium stellt 1,2 Millionen Euro für Maßnahme auf dem Kyffhäuser bereit.

Auf dem Kyffhäuser wird die Steilwand unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals gesichert.

Auf dem Kyffhäuser wird die Steilwand unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals gesichert.

Foto: Kerstin Fischer

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Röhrend dreht sich der Bagger am Hang unter dem Kyffhäuserdenkmal. Rotes Felsmaterial purzelt in einer Staubwolke in die Tiefe, auch ein paar Gesteinsbrocken, die sich unter der Baggerschaufel lösen und weiteres loses Gestein mit sich reißen. Im Bagger sitzt Sepp Harzinger – 35 Meter über der eingerichteten Baustelle.

Was aussieht, wie das Werk eines Kamikaze-Baggerpiloten, ist für die Kollegen der Firma Salmen Fels-, Ingenieur- und Spezialtiefbau aus Meschede normales Tagesgeschäft. Und der Bagger ist kein normaler Bagger, sondern Spezialgerät: „Statt mit einem herkömmlichen Rad- oder Raupenfahrwerk sind Schreitbagger mit vier voneinander unabhängig steuerbaren Schreitbeinen ausgestattet. Damit ist es möglich, sicher am Hang zu stehen“, beschreibt am Freitagvormittag Bauleiter Enrico Arnold die Technik, mit der in diesen Tagen das steile Gelände zunächst vom Geröll befreit wird.

Bereits vor zehn Jahren gab es im Bereich des Steilhanges umfangreiche Sicherungsarbeiten, nachdem es hinter dem Burghof einen großen Felsabbruch gegeben hatte. Auf einer Länge von 125 Meter bei einer Höhe von 35 Meter wurde der Hang gesichert. Der Kreis als Eigentümer bekam damals vom Land fast eine Million Euro Fördermittel, die Gesamtinvestition betrug 1,7 Millionen Euro. In den zurückliegenden Jahren gab es in den angrenzenden Bereichen weitere Gesteinsabgänge. Eine Untersuchung 2018 ergab dringend Handlungsbedarf.

„Sicherheit ist nicht verhandelbar“, stellte Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD) am Freitag mit Blick auf die Kosten klar, als sich Vertreter des Landratsamtes, unter ihnen Pressesprecher Ulrich Thiele und Andreas Räuber von der Stabsstelle Kyffhäuser, Mitglieder des Kreisausschusses sowie die Bürgermeister der Anrainergemeinden anlässlich des Sicherungsbeginns vor Ort ein Bild von den Bauarbeiten machten. Selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Corona-Hygieneregeln mit Mindestabstand und Mundschutz.

Auch aus der Landeshauptstadt waren Vertreter gekommen – das Umweltministerium unterstützt die Maßnahme 5. Bauabschnitt Stein-Geotop-Abbruchkante mit 1,2 Millionen Euro. Die Mittel sind so genannte PMO-Mittel aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Der Kreis steuert 400.000 Euro bei. Acht Unternehmen beteiligten sich an der Ausschreibung. Baustart war am 4. Mai.

Der Bauabschnitt, etwa 65 mal 65 Meter, zieht sich vom östlichen Bereich in Richtung Burghof. „Als erstes haben wir die Vegetation zurückgeschnitten und Bäume gefällt“, berichtet Bauleiter Arnold am Rande. Derzeit entfernt der Schreitbagger lose Teile, nächste Woche wird lockeres Gestein mittels Luftkissen „abgesprengt“. Nach der Beräumung geht es an die Hangsicherung – Spezialanker sowie Spritzbeton, der ins Gestein eingebracht wird. Schließlich wird der Hang mit einem Metallnetz überspannt.

Dies alles spielt sich weitgehend abseits der Blicke der Denkmalsbesucher ab, die, wenn sie Glück haben, höchstens mal einen Blick durch ein paar Bäume erhaschen können. Im November sollen die Sicherungsarbeiten den Planungen zufolge abgeschlossen sein.

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