Spektakulärer Vertrag: Weltweiter Hunger nach Lithium mit Sondershäuser Hilfe stillen

Sondershausen  Die Ingenieure der K-Utec AG Salt Technologies in Sondershausen haben mit einem spektakulären Vertrag einen weiteren Meilenstein in ihrer nunmehr 66-jährigen Erfolgsgeschichte gesetzt, die schon zu DDR-Zeiten begann.

Heiner Marx, Vorstand der K-UTEC AG, an einer Eindampfungsanlage in der Lars-Eckmann-Halle. An der Pilotanlage werden Möglichkeiten der Lithiumgewinnung und -aufbereitung in Sondershausen erforscht.

Heiner Marx, Vorstand der K-UTEC AG, an einer Eindampfungsanlage in der Lars-Eckmann-Halle. An der Pilotanlage werden Möglichkeiten der Lithiumgewinnung und -aufbereitung in Sondershausen erforscht.

Foto: Dirk Bernkopf

Der weltweit größte Lithium-Produzent in den USA hat die K-Utec AG als Ingenieurpartner ins Boot geholt und will künftig mit Thüringer Hilfe weiter wachsen. Dazu konnte das Sondershäuser Ingenieur- und Forschungsunternehmen einen langfristigen Exklusiv-Vertrag für Nord- und Südamerika abschließen.

Dort schlummern die begehrten Lithium-Vorkommen, wertvolle Schätze, die mit zunehmender Elektromobilität immer gefragter werden und deshalb „gehoben“ werden sollen. Lithium gilt als ein Schlüsselrohstoff der Zukunft, denn aus Lithiumcarbonat als Rohstoff für Kathoden- und Anoden-Material lassen sich besonders leistungsstarke Batterien herstellen, etwa für den Einsatz bei Elektroautos oder -fahrrädern, aber auch für Mobiltelefone und Computer.

Elektromobilität lässt Wert von Lithium steigen

Nach Expertenmeinung wird der „Hunger“ nach Lithium in den nächsten Jahren weltweit drastisch steigen. Das Problem dabei ist die Lithiumgewinnung und -aufbereitung, wo Expertenwissen und Verfahrenstechnik gefragt sind. Entscheidende „Schlüssel zu den Schatzkammern“ für die Lithiumgewinnung haben die Ingenieure der K-Utec AG in Sondershausen. Denn die Lithiumreserven rund um den Globus befinden sich vor allem in Salzseen und -wüsten Südamerikas, besonders im „Lithium-Dreieck“ Chile – Argentinien – Bolivien.

Die Atacamawüste im Norden Chiles etwa gilt neben dem weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien, als eine der größten Lithiumquellen auf dem Globus. Das Know-how zur Lithium-Gewinnung und, weil sich solche Vorkommen häufig auch in Salzseen befinden, die geologisch mit Vulkanismus in Verbindung stehen – zur Trennung vorkommender Salze, sowie für die notwendige Verfahrenstechnik und für die Prozessoptimierung ist seit vielen Jahren eine der Forschungsstärken der K-Utec und deshalb weltweit gefragt.

Die mittelständische Ingenieur- und Forschungsgesellschaft mit heute knapp hundert Mitarbeitern gilt als Nachfolgeunternehmen der international anerkannten Kaliforschung des ehemaligen Kali-Kombinates der DDR. Die Kaliforschung war das Herzstück des einstigen Kombinates und der späteren Mitteldeutschen Kali AG zur Wendezeit. Von ehemals 450 Mitarbeitern des Kaliforschungsinstitutes wurden nach der Wende 330 entlassen. Im Jahr 1992 wurde der Rest der Kaliforschung privatisiert.

Der saarländische Unternehmer Heiner Marx aus Spiesen-Elversberg wagte im Februar 1992 die Ausgründung der Kaliforschung zusammen mit ehemaligen Kaliforschern in der damaligen Kali-Umwelttechnik GmbH mit anfangs 35 Mitarbeitern. Marx (68), mittlerweile Vorstand seines vor einigen Jahren zur Aktiengesellschaft umstrukturierten Unternehmens, ist stolz darauf, dass seine Firma seit Anbeginn immer gewachsen ist und stets schwarze Zahlen geschrieben hat.

Schon seit Jahren macht die K-Utec die Masse ihres Umsatzes im Ausland, die Mitarbeiter sind dafür weltweit unterwegs auf allen Kontinenten. Dass es mit dem Sprung auf die Weltmärkte so trefflich geklappt hat, ist einerseits dem Expertenwissen zu verdanken, das bis heute im Unternehmenskomplex unterhalb des Petersenschachtes, gebündelt und gefragt ist.

Den erfolgreichen Sprung auf die Weltmärkte verdankt die K-Utec aber ausdrücklich Initiativen und Förderprogrammen des Landes Thüringen. Es ist mehr als zehn Jahre her, dass über ein Vermarktungshilfeprogramm mit Unterstützung der LEG Thüringen Kontakte geknüpft wurden, die dann zu einer langfristigen exklusiven Zusammenarbeit der K-Utec geführt haben. Die von den Thüringer Kaliforschern mit Hilfe der LEG und der Außenhandelskammer schon früh geknüpften Geschäftskontakte in Südamerika, besonders in Chile, brachten plötzlich Erfolge daheim in Deutschland. Die Sondershäuser knüpften Geschäftskontakte zur Chemetall in Langelsheim, vor allem aber zu jenen verantwortlichen Leuten, die Jahre später den Vertrag mit den Amerikanern einfädelten, deren Manager erstmals im Frühjahr 2014 nach Sondershausen kamen. Projekte in Chile wurden von der K-Utec schon in den Jahren zuvor diskutiert. Das waren innovative Wirtschaftsgespräche mit Forschungshintergrund, etwa zur Optimierung der Solar-Verdampfung (Evaporation) in der chilenischen Atacamawüste sowie am Salar de Maricunga oder Surire (Chile).

Welche Bedeutung hat der Vertrag zwischen dem amerikanischen Lithium-Weltmarktführer und der K-Utec AG in Sondershausen konkret? Das mache so etwa ein Sechstel bis ein Fünftel des Jahresumsatzes der K-Utec aus, sagt Heiner Marx. „Vorhandene Prozesse müssen evaluiert und verbessert werden. Und es müssen neue Prozesse nach dem Stand der Technik geplant und entwickelt werden. Neue Projekte werden von unseren Auftraggebern definiert.“

Die Zusammenarbeit mit dem Lithium-Weltmarktführer ist aber nicht das erste spektakuläre Projekt zur Lithium-Gewinnung, was die K-Utec in Angriff genommen hat.

Für die US-amerikanische Firma Western Lithium, beziehungsweise Lithium Americas, die Lithiumcarbonat aus Tonerden in Nevada gewinnen will, betreibt die K-Utec in einer eigens dafür errichteten Werkhalle in Sondershausen eine Pilotanlage und arbeitet dazu mit dem Weimarer Spezialchemie-Unternehmen IBU-Tec AG zusammen. Und für den bolivianischen Staat realisiert das Unternehmen gerade ein Großprojekt zur Lithiumgewinnung am weltweit größten Salzsee Salar de Uyuni. Mit dem Expertenwissen aus Thüringen und dem so entwickelten Verfahren plant die K-Utec eine Anlage für das bolivianische Staatsunternehmen YLB. Schon Ende 2018 oder Anfang 2019 will Bolivien mit dieser Anlage am Salar de Uyuni jährlich bis zu 15 000 Tonnen Lithiumcarbonat gewinnen. Das Vorhaben ist für Bolivien so wichtig, dass eine Firmendelegation der K-Utec beim ersten Deutschland-Besuch des Staatspräsidenten Evo Morales Anfang November 2015 in Berlin vom bolivianischen Bergbauminister empfangen worden war.

Der Schlüssel zum Erfolg bei der Lithium-Gewinnung liegt bei den Sondershäuser Kali-Ingenieuren in der Verfahrenstechnik, insbesondere der Prozessoptimierung. Heiner Marx: „Wir trauen uns 80 bis 90 Prozent Effektivität zu, deshalb ist unser Expertenwissen weltweit so gefragt und erfolgreich.“ Kein Wunder also, dass im Herbst 2018 weitere Projekte von Sondershausen aus in Argentinien und Chile in Angriff genommen werden sollen. Deutsche und internationale Anlagenbauer sollen diese Planungen nach den Vorgaben aus Nordthüringen realisieren – ein Millionengeschäft.

Zusatzinformation: Was ist Lithium?

  • Lithium ist ein Leichtmetall und besitzt die geringste Dichte der unter Standardbedingungen festen Elemente.
  • Lithium kommt in der Natur aufgrund seiner hohen Reaktivität nicht elementar vor.
  • Die heute wichtigste und am schnellsten wachsende Anwendung ist die Verwendung in Lithium-Ionen-Akkumulatoren, also den wiederaufladbaren Batterien, die beispielsweise in Smartphones, Laptops oder Akkuwerkzeugen, aber auch in elektrisch betriebenen Fahrzeugen, wie Hybridautos, Elektroautos oder bei E-Bikes verwendet werden.

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