Teilnehmerrekord bei Tagung zum Kinderschutz im Kyffhäuserkreis

Sondershausen. Mit einem Teilnehmerrekord findet am Mittwoch die sechste Kinderschutztagung des Kyffhäuserkreises statt. Rund 130 Frauen und ein paar wenige Männer haben sich in den Carl-Schroeder-Saal in Sondershausen zu der Veranstaltung eingefunden.

Referentin Annette Bach-Schneider sprach über Bindung und Bindungsstörungen. Foto: Nico Kiesel

Referentin Annette Bach-Schneider sprach über Bindung und Bindungsstörungen. Foto: Nico Kiesel

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Diese steht in diesem Jahr unter der Motto "Frühe Hilfen" im Kyffhäuserkreis.

Hinter dem Begriff verbergen sich verschiedene Angebote für Eltern kleiner Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren. Es geht um Unterstützung und Hilfe, um Kindern eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen; die Risiken zur Gefährdung des Kindeswohls frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Landrätin Antje Hochwind (SPD) bedankte sich bei allen Mitarbeiter und Helfern, die in irgendwelcher Art auch immer in den "Frühen Hilfen" tätig sind. Sie sprach von einem Hilfesystem, das von vielen Partnern getragen werde. Gleichwohl gebe es auch in einem solchen System immer Bruchstellen. 100-prozentige Sicherheit, Kindeswohlgefährdungen und schlimmstenfalls -tötungen zu verhindern, gebe es nicht.

Hochwind betonte, dass die Erfahrung zeige, dass junge Mütter sehr häufig bereit sind Hilfe – ob von der Hebammen oder einem Arzt – anzunehmen. Genau dort beginne Kinderschutz.

Über Bindung und Bindungsängsten bei Kindern sprach Psychologin Annette Bach-Schneider. "Eine sichere Bindung ist der wichtigste Schutzfaktor für Kinder. Die kostet aber Zeit und braucht feinfühliges Verhalten", erläuterte Bach-Schneider.

Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Einjährigen sicher gebunden sind. Nur 3 bis 5 Prozent hätten gravierende Bindungsstörungen. Doch eben diese Kinder sind besonders gefährdet, Gewalt und Missbrauch zu erfahren. Ursächlich sind häufig Erfahrungen der Eltern im Kindesalter oder Trauma, die sich über Generationen ziehen. Hier müsse "frühe Hilfe" ansetzen, so die Expertin.

Bach-Schneider zeigte an verschiedenen Beispielen wie und woran man bindungsgestörte Kinder erkennt. Eine emotionale Mangelversorgung habe bei Kindern enorme Auswirkungen, so die Expertin. Sie erläuterte weiter, dass die Hauptbindungsperson in einem Leben eines kleinen Menschen nicht unbedingt Mutter oder Vater sein müssen; es wird derjenige mit der meisten Feinfühlung.

In diesem Zusammenhang kritisierte sie die Familienpolitik. Kindergärten, in denen zwölf Kleinkinder von einer Erzieherin betreut werden, könnten keine Sicherheit vermitteln. "Eine Erzieherin hat nur zwei Arme um zu trösten", machte Bach-Schneider deutlich. Aber, so die Expertin, auch der Ansatz, Kinder stattdessen zu Hause allein aufzuziehen, sei nicht bis zum Ende gedacht. "Was nützt das, wenn die Mutter emotional nicht offen ist", kritisierte Bach-Schneider das Betreuungsgeld. Im Anschluss wurden die Frühen Hilfen im Kyffhäuserkreis vorgestellt.

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