Trockenheit und Schädlinge setzen Landwirten im Kyffhäuserkreis zu

Bottendorf.  Bauern aus dem Landkreis üben Selbstkritik in ihrer Außendarstellung und fordern Augenmaß von der Politik.

Gerit Brockmann kam unter anderem auf die Öffentlichkeitsarbeit der Bauern zu sprechen. André Rathgeber vom Landesbauernverband war einer der Zuhörer.

Gerit Brockmann kam unter anderem auf die Öffentlichkeitsarbeit der Bauern zu sprechen. André Rathgeber vom Landesbauernverband war einer der Zuhörer.

Foto: Patrick Weisheit

Die Trockenheit und die daraus resultierenden Folgen für die Ernte waren Themen. Aber auch die Afrikanische Schweinepest und die Öffentlichkeitsarbeit der Landwirte wurden beim traditionellen Erntegespräch des Kreisbauernverbandes angesprochen. Coronabedingt fand dieses nicht wie gewohnt in einem landwirtschaftlichen Betrieb, sondern in der Kupferhütte am Rande von Bottendorf statt.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Wolfgang Peter, konnte unter anderen die Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD), André Rathgeber, Referent beim Landesbauernverband, sowie Matthias und Gerit Brockmann, die in Bottendorf einen landwirtschaftlichen Betrieb auf rund 800 Hektar führen, begrüßen.

Familie Brockmann bewirtschaftet den Betreib seit 2009 und schilderte an ihrem persönlichen Beispiel die aktuelle Lage der Landwirte in der Region. Matthias Brockmann erklärte, dass auf seinem Land rund 70 Hektar Blühflächen und -wiesen im Sinne der Artenvielfalt angelegt wurden.

Diese könne er aber nicht angemessen bewirtschaften, um invasive Artern wie Trespen, die sich dort ausbreiten, zurückdrängen zu können. Aufgrund der allgemeinen Trockenheit im Unstrutbecken wirtschaftet die Familie schon seit über zehn Jahren pfluglos, um nicht noch die letzte Feuchtigkeit aus den Böden entweichen zu lassen.

Am Beispiel der Gerste führte er aus, dass hier der Ertrag um zehn Prozent gegenüber 2019 gesunken sei und gar um 40 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Der Ertrag beim Winterraps hingegen stieg um 20 Prozent zum Vorjahr, und auch bei Zuckerrüben und Silomais erwarte er eine Steigerung von 15 bis 20 Prozent.

Ein großes Problem sei hingegen der Mäusefraß, der ihn etwa 100 Euro pro Hektar koste. Deshalb plädierte er dafür, Pestizide einsetzen zu dürfen, auch wenn in der Region der Feldhamster beheimatet sein könnte.

„Bei sachgemäßer Anwendung sind die Pestizide für den Hamster nicht gefährlich“, meinte Brockmann. Gerit Brockmann forderte hier Geld von der Politik für ein umfassendes Hamstermonitoring, um zu ergründen, wo sich die Tiere tatsächlich aufhalten.

Auch die Nitratbelastung auf den so „roten Gebieten“ sprach Matthias Brockmann an und beklagte, dass bei der Erhebung der Nitratwerte zu wenig auf Einflussfaktoren aus den Nachbarbundesländern hier im Grenzgebiet und aus privaten Brunnen geachtet werde.

Das gelte auch für die Phosphorbelastung der Böden. Hier werde zu wenig auf den Eintrag aus urbanen Gebieten durch kommunale Abwässer geschaut, so Gerit Brockmann. Generell seien politische Forderungen oft ideologisch verklärt. „Wir Landwirte kennen unsere Landschaft und wirtschaften mit Augenmaß. Wir sind anpassungsfähig, brauchen aber dazu länger Zeit als eine politische Legislaturperiode“, betonte Matthias Brockmann.

Gerit Brockmann ist aktiv im Vereinsvorstand von „Land schafft Verbindung“, der sich Gehör durch Großdemos unter anderem in Berlin verschafft hat. Das Medienecho habe allerdings gezeigt, dass die Anliegen der Bauern kaum verstanden wurden, weshalb die Landwirte noch viel mehr Kommunikation nach außen betreiben müssten, sagte sie selbstkritisch. Deshalb müsse die Landwirtschaft auch mit Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace im Gespräch bleiben.

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