Wirrwarr bei Kindergarten-Neustart im Kyffhäuser-Kreis

Kyffhäuserkreis.  Viele Kommunen und Träger können die Hygieneanforderungen vom Land nur erfüllen, wenn sie weniger Plätze bereithalten

Die Kindergärten sollen wieder öffnen. Allerdings sorgen die neuen Hygieneregeln für Kopfzerbrechen.

Die Kindergärten sollen wieder öffnen. Allerdings sorgen die neuen Hygieneregeln für Kopfzerbrechen.

Foto: Dirk Bernkopf

Montag könnten 3000 Kindergartenkinder wieder betreut werden – theoretisch. Praktisch wissen viele Kommunen nicht, wie sie das bewerkstelligen sollen. Die Einschränkungen durch die Hygieneauflagen und Anforderungen von Sozial- und Bildungsministerium sind so groß, dass die meisten bis 25. Mai für die Umsetzung benötigen, manche noch länger.

So muss künftig ein Kind zwischen 1 und 3 Jahren sechs Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen und für 3- bis 6-Jährige sind es vier Quadratmeter. Auch mehr Personal wird notwendig sein. „Die Betreuung der Kinder muss in beständigen Gruppen erfolgen, um möglichst wenig Kontaktwege zu eröffnen“, führt Felix Knothe, Pressesprecher des Bildungsministeriums, weiter aus. „Zudem muss für jede Gruppe ein eigener Gruppenraum zur Verfügung stehen“, so Knothe. Um ausreichend Möglichkeit für Abstand zu bieten, gebe es die Empfehlung für mehr Platz für jedes Kind.

In Sondershausen wird so am Montag erst einmal die Notbetreuung erweitert. Dann dürfen auch Vorschulkinder und deren Geschwister in den Kindergarten gehen und zwar von 6 bis 17 Uhr. Eine Woche später, ab 25. Mai, beginne dann der eingeschränkte Regelbetrieb. Dann können Kinder in den 13 Sondershäuser Kindertagesstätten nur noch von 7 bis 15.30 Uhr im wöchentlichen Wechsel betreut werden, kündigte die Stadt an. Damit ende die Notbetreuung, erklärte Bürgermeister Steffen Grimm (parteilos). Der erhöhte Personal- und Platzbedarf pro Kind und die feste Gruppenzugehörigkeit machten dies notwendig. Man mute den Eltern viel zu, so Grimm.

Kommunen habenSchwarzen Peter

Enttäuscht ist auch Roßleben-Wiehes Bürgermeister Steffen Sauerbier (SPD) und Kreisvorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes. „Es ist eine riesengroße Sauerei, dass die Landesregierung den Kommunen den schwarzen Peter zuschiebt. Innerhalb weniger Tage ein tragfähiges, faires Konzept aufzustellen, kann nicht funktionieren“. In seiner Kommune gibt es drei Kita-Träger, die alle eigene Konzepte entwickeln müssen.

Auch in Artern erarbeitet die Stadtverwaltung derzeit ein Konzept für die fünf Kitas in kommunaler Trägerschaft. Final sei noch nichts, aber, so sagte Bürgermeister Torsten Blümel (Linke), werde wohl vor Christi Himmelfahrt noch die erweiterte Notbetreuung gelten müssen und erst ab 25. Mai der eingeschränkte Regelbetrieb.

Die Stadt Bad Frankenhausen hat ein Modell gefunden, um allen Kindern eine tägliche Betreuung anzubieten, wie Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) sagt: „Ab dem 25. Mai können wir jedem Kind von 7.30 bis 15.30 Uhr einen Platz anbieten.“ Die Hygieneregeln können eingehalten werden, weil Kinder aus Ichstedt sowie aus dem Kindergarten „Sonnenschein“ freie Räume in der ehemaligen Grundschule am Tischplatt nutzen und einige Gruppen aus dem „Wippergärtchen“ Räume im Domizil. Vom 18. bis 20. Mai soll noch die Notbetreuung gelten.

Kurstadt bietet allenKindern Platz

In Greußen habe man sich gegen eine Betreuung im Wechselsystem entschieden, erklärte Bürgermeister René Hartnauer (SPD). Demnächst sollen im Kindergarten „Sonnenkäfer“ 97 von insgesamt 123 Kindern in der Zeit von 7 bis 16 Uhr betreut werden. Los geht es mit den Vorschulkindern am 18. Mai. Die anderen Kinder kommen ab 25. Mai dazu. Aufgenommen werden Kinder, die bisher schon in der Notbetreuung waren, dazu alle, deren Eltern beide berufstätig sind sowie die Vorschulkinder. Auch Hartnauer ist mit den Entscheidungen der Landesregierung alles andere als glücklich. Innerhalb von 48 Stunden ein Kita-System komplett neu auszurichten sei sehr schwierig, „Eile ist kein guter Berater“.

Der Bürgermeister von Clingen, Harald Keitel (CDU), äußerte sich kritisch darüber, dass die gesamte Verantwortung auf die Kommunen abgewälzt wurde, die damit überfordert werden könnten. Im Clingener Kindergarten wird es ab 18. Mai eine eingeschränkte Notbetreuung für 40 Kinder geben. Durch die Herrichtung eines an den Kindergarten grenzenden Raumes der Stadtverwaltung soll ein weiterer Gruppenraum geschaffen werden, so dass ab 15. Juni wieder alle Kinder betreut werden können, so Keitel. Letztere Gruppe zunächst aber nur halbtags.

Die Kita in Ebeleben wird ab Montag eine erweiterte Notbetreuung durchführen. Laut Bürgermeister Steffen Gröbel (Freie Wähler) werden so 70 Kinder betreut. Der eingeschränkte Regelbetrieb soll am 2. Juni starten. Die größte Schwierigkeit sieht Gröbel im Personalbedarf, denn der sei angesichts der Auflagen höher als beim Normalbetrieb. „Nach meiner Auffassung sind die gesetzlichen Regelungen der Landesregierung nicht zu Ende gedacht und stellen uns alle an der Basis vor eine große Herausforderung“, macht er seinem Ärger Luft.

Für die Kita in Holzthaleben gilt ab Montag die erweiterte Notbetreuung. Am Konzept für den Übergang zum eingeschränkten Regelbetrieb wird mit dem Kita-Träger gearbeitet. „Ich denke aber, der 25. Mai als Termin ist zu sportlich“, sagt Bürgermeister Jörg Steinmetz (CDU). Bei allen Unbekannten, die da noch kommen, werde es wohl der 2. Juni werden.