Bad Langensalza: Buchen-Experten tagen

Bad Langensalza  Austausch über Entwicklungen und künftige Aufgaben zum Erhalt der Wälder. Bäume reagieren seit Jahren auf den Klimawandel

Herbst im Nationalpark Hainich, rings um den Baumkronenpfad. Der Hainich ist einer von fünf deutschen Buchenwäldern, die zum Unesco-Weltnaturerbe zählen. Eine Fachtagung befasste sich mit Entwicklungen und Herausforderungen für die Schutzgebiete.

Herbst im Nationalpark Hainich, rings um den Baumkronenpfad. Der Hainich ist einer von fünf deutschen Buchenwäldern, die zum Unesco-Weltnaturerbe zählen. Eine Fachtagung befasste sich mit Entwicklungen und Herausforderungen für die Schutzgebiete.

Foto: Alexander Volkmann

„Die Buche sitzt breit und fett in allem, was in Mitteleuropa als Wald bezeichnet werden kann. Sie ist eine dominante Baumart. So etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.“ Michael Manthey vom Institut für Botanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald steht am Freitag auf der Bühne im Kultur- und Kongresszentrum von Bad Langensalza und hält ein kurzes Referat über die Buche in Zeiten des Klimawandels.

Er ist einer der Teilnehmer der Tagung „Alte Buchenwälder“, die seit Donnerstag läuft und auf Einladung des Nationalparks Hainich Experten aus ganz Deutschland nach Bad Langensalza zieht.

Die Buche eigne sich gut, um die Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Das wurde im Sommer jedem Laien klar, der durch den Hainich wanderte. Auf den gesamten Bestand gesehen, ist jede zehnte Buche im Hainich angesichts der extremen Trockenheit und der hohen Temperaturen in den Sommern 2018 und 2019 beeinträchtigt. Selbst die Fachleute des Nationalparks waren vom Ausmaß überrascht.

Trockene Sommer waren im Mittelalter normal

Dabei sei die Buche eigentlich robust, sagt Michael Manthey. Sie gedeihe auch im Schatten anderer Bäume; könne flexibel wachsen – mal langsamer, mal schneller – und sei tolerant hinsichtlich der Zusammensetzung des Bodens und der Verteilung der Nährstoffe. Denn die Buche treibe besonders viele feine Wurzeln direkt unter der Erdoberfläche aus.

Doch diese Strategie gerate bei Trockenheit zum Nachteil. Denn die oberen Erdschichten trocknen zuerst aus, der Baum gerate in Trockenstress.

Die gute Nachricht: Es gebe immer einzelne Bäume, die sich resistenter zeigen. Die große genetische Vielfalt der Buchen sei ein Vorteil, der genutzt werden müsse – etwa durch die Pflanzung junger Bäume, so ein Vorschlag Mantheys.

Der Wissenschaftler zitierte in seinem Vortrag verschiedene Studien und Langzeitbeobachtungen aus Deutschland und ganz Europa. Er zeichnete so ein differenziertes Bild der jüngsten Dürre-Sommer und des Buchensterbens im Hainich.

So führte er aus, dass Buchen in Spanien bereits seit 30 Jahren in ihrem Wachstum nachlassen. In Süddeutschland sei beobachtet worden, dass das Wurzelwachstum zunehme – um mehr vom knappen Wasser aufzunehmen. Zugleich würden die Bäume immer früher austreiben.

Da Buchen schon seit Jahrhunderten in Europa heimisch seien und als Bauholz verwendet wurden, könne anhand der Jahresringe in alten Holzbalken gut auf frühere Klimaverhältnisse geschlossen werden. „Die aktuellen Trockenjahre waren im Hochmittelalter, also im 10., 11. und 12. Jahrhundert, eher Normalität. Die heutigen Zustände traten wesentlich häufiger auf“, sagt Michael Manthey.

Grund zur Entwarnung also, alles halb so schlimm? Das ließ der Wissenschaftler offen. Der Blick über Deutschlands Grenzen hinaus zeige aber neben dem Klimawandel weitere von Menschen gemachte Gefahren für die Buchenwälder. Etwa durch massiven Holzeinschlag in Rumänien, sagte Manfred Großmann, Leiter des Nationalparks Hainich.

Die Fachtagung endet am Samstag mit einer Exkursion ins Kerngebiet des Nationalparks. Aufhänger des dreitägigen Treffens war die Verleihung des Unesco-Weltnaturerbe-Titels an fünf deutsche Buchenwälder vor acht Jahren sowie der Abschluss einer Buchreihe über diese Gebiete. Es handelt sich um die Nationalparke beziehungsweise Schutzgebiete Hainich, Jasmund, Müritz (beide Mecklenburg-Vorpommern), Grumsin (Brandenburg) und Kellerwald-Edersee (Hessen).

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.