Bad Langensalzaer Museum sucht Auswanderer-Geschichten

Bad Langensalza.  Briefe, Fotos, Gegenstände aus Altkreis Langensalza gesucht. Ausstellung des Salza-Gymnasiums soll erweitert werden.

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Etwa 1800 Menschen aus dem heutigen Bad Langensalza, aus Bad Tennstedt und aus den Gemeinden ringsherum machten sich im 19. und 20. Jahrhundert auf nach Amerika. Sie verließen ihre Heimat, auf der Suche nach einem neuen Leben. Die Geschichten einiger dieser Menschen möchte das Stadtmuseum Bad Langensalza aufbereiten. Dafür braucht es die Unterstützung der Bürger im Altkreis Langensalza.

Gesucht werden Zeitdokumente, die die Beweggründe, Gedanken und die Lebenssituation der Auswanderwilligen und Ausgewanderten greifbar und verständlich machen. Es geht um Fotos, Bilder, Karten oder Briefe an die Daheimgebliebenen. Auch historische Gegenstände aus dem Zeit zwischen 1815 und 1920, die die Geschichte des jeweiligen Ortes veranschaulichen können oder die von den Auswanderern oder ihren Familien stammen, sind gerne gesehen.

Ufhoven, Nägelstedt, Tennstedt & Co sollen sich repräsentieren

„Wir wollen auf diesem Wege auch den Ortsteilen der Stadt und den Gemeinden im Altkreis die Möglichkeit geben, sich im Stadtmuseum zu präsentieren. Das hat es in dieser Form bisher nicht gegeben“, sagt Museumsleiterin Sabine Tominski. Die Ortsteilbürgermeister seien bereits über das Projekt informiert worden und könnten als Ansprechpartner dienen.

Die Sonderausstellung soll sich bewusst auf Geschichten aus dem Altkreis Langensalza beziehen. Auch wenn den 1800 Personen der Region mehr als 5000 Auswanderer aus dem Altkreis Mühlhausen gegenüberstehen. Der bekannteste von ihnen ist der Architekt und Brückenbauer Johann August Roebling. Doch das Stadtmuseum beziehe sich nun einmal auf Bad Langensalza und die nähere Umgebung. „Wenn uns natürlich ein besonders schönes Zeitdokument aus dem Raum Mühlhausen angeboten wird, können wir darüber reden“, sagt Sabine Tominski.

Die Sonderausstellung basiert auf einer mehrjährigen Projektarbeit des Salza-Gymnasiums zur Auswanderung aus Thüringen im 19. und 20. Jahrhundert. Drei Jahre lang forschten die jeweiligen elften Klassen mit dem Geschichtslehrer Michael Neumann in Archiven, Bibliotheken und im Internet. Sie werteten Datenbanken aus, studierten Briefe, sprachen mit Nachfahren. Finanziert wurde das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung. Fachliche Unterstützung gab es unter anderem von der Universität Jena und vom Thüringer Staatsarchiv.

Aus Flarchheim wurde Blankhurst

„Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass wir eine der größten Datenbanken zu Auswanderern erstellt haben, die es momentan in Deutschland gibt“, sagt Michael Neumann. Für die Schule und die mittlerweile abgegangenen Schüler ist das Projekt vorerst beendet. Die Finanzierung war auf drei Jahre angelegt. Doch viele der zusammengetragenen Dokumente harren noch immer der weiteren wissenschaftlichen Auswertung, weiß Michael Neumann. Die könne sich rentieren, denn die Dunkelziffer der tatsächlich Ausgewanderten dürfte weitaus höher liegen. Viele Personen seien damals ohne behördliche Genehmigung weggezogen. Auch bei der Einreise in die Vereinigten Staaten sei nicht immer alles einwandfrei dokumentiert worden. So haben die Forscher nur durch Zufall herausgefunden, dass Flarchheim kurzerhand zu Blankhurst umgetauft wurde. Hier sei also auch für Ortschronisten noch einiges Interessante zu finden.

Zu diesem Auswandererprojekt entwickelten die Schülerinnen Angelique Kirchner, Lea Brunthaler, Marie Haase, Saskia Linz und Lea Schmidt eine Wanderausstellung mit 27 Schautafeln. Diese wurde im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, war mittlerweile an verschiedenen Orten in Thüringen und Hessen zu sehen. Zur Eröffnung in Jena erschien auch der US-Generalkonsul. „Jetzt kehren wir an den Ursprungsort zurück und wollen einen stärkeren regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen“, sagt Michael Neumann.

Eröffnet werden soll diese Sonderausstellung ab Juni 2020 im dann neu eröffneten Stadtmuseum.

Kontakt: Sabine Tominski, Tel.: 03603 / 813 002, E-Mail: stadtmuseum@bad-langensalza.de

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