Blutegel-Therapie und Notarzt-Schicht: Zusätzliche Orthopäden-Stelle in Mühlhausen

Mühlhausen  Seit Jahresbeginn dürfte sich die Facharzt-Situation in Mühlhausen, was den Bereich Orthopädie angeht, etwas entspannt haben. Die kassenärztliche Vereinigung genehmigt Gemeinschaftspraxis Wolf und Sorns zwei volle Stellen

Uwe Sorns (links) und Cornelius Wolf sind seit zehn Jahren gemeinsam tätig. Jetzt dürfen sie auch mehr Patienten behandeln.

Uwe Sorns (links) und Cornelius Wolf sind seit zehn Jahren gemeinsam tätig. Jetzt dürfen sie auch mehr Patienten behandeln.

Foto: Alexander Volkmann

Seit Jahresbeginn dürfte sich die Facharzt-Situation in Mühlhausen, was den Bereich Orthopädie angeht, etwas entspannt haben. Grund: Die Gemeinschaftspraxis der Mediziner Cornelius Wolf (57) und Uwe Sorns (51) darf mehr Patienten behandeln. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat aus zwei halben Stellen zwei Vollzulassungen gemacht.

Nach zehn Jahren gemeinsamer Tätigkeit sei das möglich gewesen, erklärt Cornelius Wolf. Im September 2004, also vor genau 15 Jahren, hatte er sich als Orthopäde im Gesundheitszentrum Am Forstberg niedergelassen. 2009 kam Uwe Sorns in die Praxis. Die beiden Mediziner teilten sich eine volle Stelle und damit die zulässige Patientenzahl – das nennt sich Job-Sharing. Das brachte mehr Zeit für die Familie, meint Cornelius Wolf, und es schaffte die Möglichkeit, als Notarzt im Rettungsdienst tätig zu sein. Wolf ist seit 27 Jahren Notarzt, sein Kollege Sorns seit 15 Jahren.

Etwa zwei bis drei, auch mal vier Notarzt-Dienste fallen monatlich an. Zuständig sind sie vor allem im Gebiet des Altkreises Mühlhausen. Hier ist der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes für den Rettungsdienst zuständig.

Als Notärzte haben die beiden Männer immer wieder auch mit sehr schweren Verletzungen zu tun, dabei vor allem im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen. Uwe Sorns schätzt ein, dass zwar die Zahl Schwerstverletzer abgenommen habe. Gestiegen sei dagegen die Zahl der Einsätze, bei denen nicht unbedingt ein Notarzt erforderlich sei. „Der Rettungsdienst wird teilweise zu leichtfertig in Anspruch genommen“, sagt Sorns. Statistiken geben ihm Recht.

Ihre Praxis haben Wolf und Sorns zu Jahresbeginn aufgrund der steigenden Patientenzahl ausgebaut und modernisiert. Jeder Arzt hat nun drei Sprechzimmer, in diesen Tagen kam auch das neue Röntgengerät. Beim Durchsehen der Kartei hat Wolf festgestellt, dass in den letzten 15 Jahren etwa 26.000 Patienten behandelt wurden. Neben der Behandlung in der Praxis operieren die beiden Orthopäden ihre Patienten auch selbst im Hufeland-Klinikum. Die Zusammenarbeit mit der stationären orthopädischen Abteilung sei gut, sagt Wolf. Er war von 1992 bis 2004 Oberarzt der orthopädischen Abteilung des Mühlhäuser Krankenhauses. Kollege Uwe Sorns lernte er dort kennen.

Etwa ein bis zwei OP-Tage pro Woche stehen im Kalender. Prothesen für Schulter, Hüfte und Kniegelenke sind dabei, auch Arthroskopien, sogenannte Gelenkspiegelungen, die zu Behandlungen oder Untersuchungen eingesetzt werden und nur kleine Narben hinterlassen. Der Vorteil, dass die Mediziner selbst operieren, ist die gezielte Vor- und Nachsorge, die in der Hand des Operateurs liegt.

Mittlerweile gibt es auch viele Alternativen zur klassischen Behandlung oder OP, wie die Stoßwellentherapie, die seit Jahresbeginn beim Fersensporn unter bestimmten Voraussetzungen eine Kassenleistung ist. So können auch Kalkschulter oder Tennisellenbogen behandelt werden, während früher dafür oft operiert wurde.

Ähnlich ist es mit der medizinischen Blutegeltherapie, die die Gemeinschaftspraxis anbietet. Etwa 50 Enzyme der Tierchen helfen beim Heilungsprozess oder können Entzündungen hemmen. Beim Blutsaugen gibt der Blutegel die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüsenzellen in die Wunde ab. Dem wurde bereits im alten Ägypten eine therapeutische Bedeutung zugemessen und wird bei kleinen Gelenken eingesetzt. Die Therapie wird von der Krankenkasse allerdings nicht bezahlt. Die Terminvergabe in der Gemeinschaftspraxis belegt eine Entspannung der Situation. Man liege bei drei Wochen Wartezeit.

Zu den Kommentaren