Borbet: Gewerkschaft sieht Arbeiter im Werk Bad Langensalza benachteiligt

Bad Langensalza  Beschäftigte fordern deutschlandweit einheitliche Bedingungen. Gespräche mit Geschäftsleitung laufen. Die firmenspitze aber gibt sich hart.

Mittwochfrüh, um 5.15 Uhr, machten Arbeiter und Gewerkschaftsvertreter auf ihre Forderung nach einem Tarifvertrag aufmerksam. Am Vormittag sollte die Aktion auf dem Marktplatz fortgesetzt werden. Foto: Daniel Volkmann

Foto: Daniel Volkmann

Vor Schichtbeginn am frühen Mittwochmorgen trafen sich knapp 50 Mitarbeiter des Bad Langensalzaer Leichtmetallfelgen-Herstellers Borbet vor den Werkstoren. Die Gewerkschaft IG Metall lud für 5.15 Uhr zu einer T-Shirt-Aktion. „Auf unseren schwarzen Shirts steht mit weißer Schrift: ‚Tarifvertrag bringt Sicherheit.‘ Wir möchten damit auf die Dringlichkeit und den Abschluss eines Tarifvertrages im Unternehmen hinweisen“, sagt Gewerkschaftssekretär Alexander Reuschenbach. Konkret gehe es der Gewerkschaft darum, einheitliche Arbeitsbedingungen beim Felgenhersteller zu schaffen – und das in allen deutschen Niederlassungen.

Laut IG-Metall könne es nicht sein, dass an Standorten in Solingen und Medebach eine 35-Stunden-Woche normal sei und in Bad Langensalza, durch Individualarbeitsverträge 38 und mehr Arbeitsstunden geleistet würden. Hinzu komme ein geringerer Lohn bei arbeitszeitbedingt höherer Produktivität, stellt die Gewerkschaft fest. Es sei laut Reuschenbach oft ein Aushängeschild bei Unternehmen: „Wir haben keinen Tarifvertrag, wir sind billiger.“

Die Botschaft der Gewerkschaft sei aber: „Wir sind besser als billiger“. An Ost-Standorten seien Mitarbeiter durch längere Wochenarbeitszeit und geringeren Lohn häufig benachteiligt. „In den vergangenen sechs Monaten konnten wir die Gespräche mit der Geschäftsleitung auf eine vernünftige Ebene stellen. Wir möchten auf keinen Fall, dass hier der Eindruck entsteht, wir seien gegen Borbet“, erläutert IG-Metall-Geschäftsführer Bernd Spitzbarth. Der Felgenhersteller, wie viele andere Unternehmen, müsse sich an bestimmte Reglements halten. Dazu gehöre auch die einheitliche Bezahlung der Mitarbeiter sowie das Anpassen der Wochenarbeitszeit. Dies festzuhalten, ginge, so Spitzbarth, am einfachsten über einen Tarifvertrag. Bereits jetzt steht fest, dass nach dem Sommer weitere Gespräche folgen. Spitzbarth hofft, im September erste Ergebnisse verkünden zu können. Absicht der Auftaktaktion am Mittwoch sei ausschließlich, Gesicht zu zeigen. Es entstand kein Produktionsstillstand. „Wir hoffen, dass alles ohne Arbeitskampfmaßnahmen ausgeht; ich bin zuversichtlich“ sagt Spitzbarth. Ziel sei, im ersten oder zweiten Quartal 2020 einen Tarifvertrag abgeschlossen zu haben.

Für Borbet-Geschäftsführer Claus-Michael Honsel stellt sich die Situation so dar: „Die Aktion war der Versuch der IG-Metall, das Unternehmen Borbet in einen Tarifvertrag zu zwingen.“ Um einen Tarifvertrag überhaupt abschließen zu können, sei der Eintritt in den Arbeitgeberverband nötig. „Wir sind nicht im Arbeitgeberverband und werden dem Verband auch nicht beitreten“, so Honsel weiter. Das Unternehmen sei frei und wolle sich diesem Zwang nicht aussetzen. Derzeit sehe das Unternehmen Borbet keine Notwendigkeit für einen Vertrag. Auch gäbe es regelmäßige Lohnerhöhungen. Auf Grund des Schichtsystems würde man am Standort in Bad Langensalza lediglich auf 33 Stunden pro Woche kommen. Zur Zeit arbeiten 970 Mitarbeiter im Werk in Bad Langensalza.

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