Altstadtlauf, Blobach, Chaos: Das Mühlhäuser Kirmes-Abc

Mühlhausen  Ein Feuerwerk der Lebensfreude steht Mühlhausen ins Haus. Samstag wird die größte Stadtkirmes Deutschlands eröffnet.

Wimpelketten werden in Vorbereitung auf die Mühlhäuser Kirmes aufgehängt.

Wimpelketten werden in Vorbereitung auf die Mühlhäuser Kirmes aufgehängt.

Foto: Daniel Volkmann

Doch bereits Freitag dreht sich alles um das Fest der Feste – der Festplatz wird eröffnet, die ersten Veranstaltungen in den 28 Kirmesgemeinden finden statt.

Es gibt in neun Tagen 300 Veranstaltungen, darunter ein Feuerwerk, das die Marienkirche besonders strahlen lässt.

A wie Altstadtlauf. Seit Mitte der 1990er gehört er zur Kirmes. Samstag bietet er zum 23. Mal ab 9 Uhr drei Strecken: 1,7 km für die Kinder, 5 und 10 Kilometer für die Älteren. Bis eine halbe Stunde vor dem Start ist eine Nachmeldung im Sparkassenhaus am Untermarkt möglich.

B wie Blobach. Das Rummelplatzvergnügen auf dem Blobach wird am Freitag, 17 Uhr, mit dem Fassbieranstich eröffnet. Zehn Tage lang gastieren 29 Schausteller mit 40 Fahr- und Belustigungsgeschäften, Kindergeschäften und Imbiss- und Getränkeständen. Eine der besonderen Attraktionen: das Fahrgeschäft „Around the World“, in dem man in 80 Meter Höhe die Beine frei baumeln lassen kann.

C wie Chaos. Wer bei der Suche nach einem Parkplatz nicht die Nerven verlieren will – schließlich ist der Blobach seit Wochenbeginn nicht mehr zu nutzen –, dem sei empfohlen, sein Auto außerhalb zu parken. Möglichkeiten gibt es im Parkhaus in der Waidstraße, an der Harwand, in der Mittelstraße, an der Wagenstedter Brücke, der Johannisstraße. Oder man lässt sein Fahrzeug gleich stehen, kommt zu Fuß und nutzt die zwischen den Kirmesgemeinden verkehrende Kirmesbahn.

D wie Deutsches Rotes Kreuz. Vorrangig Ehrenamtliche übernehmen die Absicherung von Altstadtlauf, Musikschau und Umzug. Bei Hitze waren in vergangenen Jahren immer wieder Kreislaufprobleme und Beschwerden nach Insektenstichen oder Schnitten zu behandeln.

E wie eigene Kirmes. Vor 1877 feierten mindestens zehn Kirchgemeinden ihre eigene Kirmes. Diese zahlreichen Feiern störten zunehmend die Arbeitsprozesse in den Mühlhäuser Fabriken. Zu oft fehlten viele Mitarbeiter in den Betrieben, weil sie Kirmes feierten. Daher ordnete der Magistrat am 2. März 1877 an, dass zukünftig alle Kirchspiele eine gemeinsame Kirchweihe zu feiern hatten, und zwar am zweiten Sonntag des Monats September.

F wie Fichte. Die Fichte ist der traditionelle Kirmesbaum in Mühlhausen. Er wird vor den Zelten der Kirmesgemeinden, aber auch an öffentlichen Plätzen aufgestellt und mit bunten Kirmesketten geschmückt. Diese kleben viele Kirmesgemeinden noch selbst zusammen. Das Abholen der Kirmesbäume vom Bauhof ist stets ein erster Höhepunkt.

G wie Geheimnis. Keine Kirmesgemeinde gibt vorm Umzug preis, was sie zeigen wird. Das wissen nur die Moderatoren und der Vorstand des Traditionsvereins. Der verrät zumindest eines: Es wird in diesem Jahr politisch.

H wie Händler. Der Kirmesmarkt wird am 23. August, ab 9 Uhr, auf dem Untermarkt veranstaltet. Angeboten werden unter anderem Zwetschgenkuchen, Kräuter, Tee, Gewürze, Imkereiprodukte, Naturkosmetik, Seifen und Keramikwaren. Der Untermarkt ist den Spezialmärkten, wie dem Kirmesmarkt, vorbehalten.

I wie Irischer Abend in der Schaffentor-straße. Der findet seit 2016 jeweils am Mittwochabend statt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

J wie Jacobi. Die Kirmesgemeinde St. Jacobi hat sich 1834 gegründet, 43 Jahre vor der ersten offiziellen Stadtkirmes. Doch auch vorher feierte man in der Gemeinde das Kirchweihfest. Nach der Schließung der Jakobikirche 1831 übernahmen die Bewohner des Viertels die Feierlichkeiten und setzte sie als Straßengemeinde fort. 1877 wurden etliche Kirchweihfeste der Stadt erstmals an einem einheitlichen Termin begangen.

K wie Kirmeslieder. Der Kirmesbaum wird in verschiedenen Kirmesliedern besungen, bekannt auch: „Ein Bauer fuhr ins Holz“ oder „Widewit Johannistal“. Gesungen werden sie noch in einigen kleinen Kirmesgemeinden, aber auch am Freitagvormittag vor der Kirmeseröffnung im Puschkingarten. Dann sind die Kindergärten der Kreisstadt zu diesem Kirmesbeisammensein eingeladen.

L wie lecker. Leckerer Pflaumenkuchen – ob mit Streuseln oder mit Öl – gehört zur Kirmes. Viele Bäcker haben ihn in dieser Zeit in besonders großer Stückzahl im Angebot. Auch auf dem Kirmesmarkt ist er zu haben.

M wie Mittlere Wanfrieder Straße. Das ist die zweitjüngste Kirmesgemeinde der Stadt. Sie wurde 2010 gegründet, ist in diesem Jahr zum zehnten Mal ganz offiziell Teil der Kirmes. Zuvor feierte man einige Jahre Straßenkirmes. Federführend beim Aufbau der Kirmesgemeinde war Sylvia Biebrach. Das letzte Kirmesbild der Gemeinde vor der Neugründung war 1985 zum Thema 450 Jahre Deutscher Bauernkrieg. 1986 war dann Schluss, weil die Kirmesgemeinde in der Lutterothstraße nicht mehr das Zelt stellen durfte.

Nwie Nachtruhe. Eine Rechtsverordnung legt fest, wie lange in den Kirmesgemeinden und auf dem Festplatz am Blobach gefeiert werden darf. In den Kirmesgemeinden darf in der Nacht zum Samstag am ersten und am zweiten Wochenende sowie in der Nacht zu Kirmesmontag bis 1 Uhr, in der Nacht zum Kirmessonntag und zum Sonntag der Kleinen Kirmes jeweils bis 2 Uhr gefeiert werden, ansonsten ist um Mitternacht Schluss.

Owie Ordnung. Für Sicherheit und Ordnung in den einzelnen Kirmeszelten sind die Kirmesgemeinden selbst zuständig. Die großen Kirmesgemeinden mit viel Publikum bedienen sich mittlerweile der Hilfe von Sicherheitsdiensten, damit jederzeit ausgelassen und friedlich gefeiert werden kann.

Pwie Pin. Seit 2017 wird in jedem Jahr ein Kirmes-Pin mit Motiven der Stadt in limitierter Auflage vom Traditionsverein herausgegeben. In diesem Jahr zeigt er die Allerheiligenkirche. Zu haben ist er auf dem Kirmesmarkt, zur Musikschau, auf dem Handwerkermarkt und in den Kirmesgemeinden. 1000 Stück wurden hergestellt.

Qwie Quetschen – besonders am Kirmesmontag ist das Gedränge in den Kirmesgemeinden groß. Auch beim Festumzug am Sonntag stehen die Zuschauer Schulter an Schulter, vor allem an Steinweg und Untermarkt. Ebenso beim Abschlussfeuerwerk am zweiten Kirmessamstag auf dem Blobach.

R wie von Josef Rheinberger. Meditative Werke von Josef Rheinberger gehören ebenso zum Programm von Organist Christian Kropp, der am Samstag der Kleinen Kirmes, 30. August, ab 21 Uhr zu einem Konzert in die Petrikirche einlädt. Dieses Konzert erfreut sich bei zahlreichen Orgelliebhabern großer Beliebtheit, besteht doch die Möglichkeit, Kirmes mit Kultur zu verbinden und für kurze Zeit eine „Verschnaufpause“ vom Feiern einzulegen.

S wie Startschuss. Trotz Festplatzeröffnung und Veranstaltungen in den Zelten der Kirmesgemeinden am Freitag und Altstadtlauf am Samstagmorgen ist der offizielle Start in die Kirmes die Musikschau am Samstagnachmittag am Untermarkt.

T wie Tradition. Ein Stadtverordnetenbeschluss aus dem Jahr 1877 verlangte, dass der weltliche Teil der Kirchweihfeste an einem Tag im Jahr stattzufinden habe. Den damaligen Obrigkeiten waren die vielen Feste ein Dorn im Auge. Galt doch Mühlhausen auch im 19. Jahrhundert als eine Stadt mit vielen Kirchen und somit auch vielen Kirchweihfesten.

U wie Umzug. Etwa 55 Umzugsbilder werden am Kirmessonntag zu sehen sein. Dabei sind alle 28 Kirmesgemeinden der Stadt, Spielmannzüge, Vertreter vieler Ortsteile und auch aus der Partnerstadt Münster. Dort wurde die Kirmesgemeinde Mügrümü gegründet – Münster grüßt Mühlhausen. Der Freundeskreis gehört ebenso zu den Stammgästen wie Vertreter der Partnerstädte.

V wie Vorstand. Ende des vergangenen Jahres wählte der Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste, der Ausrichter der Stadtkirmes, der auch Brunnenfest und Holzfahrt fördert, einen neuen Vorstand. Steffen Gretsch löste als Kirmesoberbürgermeister Helmut Mey ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiert hat.

Wwie Webergasse. Die Kirmesgemeinde Webergasse ist die 28. Kirmesgemeinde. Sie wurde neu gegründet. Mit der einstigen Kirmesgemeinde Untermarkt/Webergasse hat man nichts zu tun. Bürgermeister ist Thomas Tschacher.

X wie XXL. Neun Tage lang feiern in 28 Kirmesgemeinden, das bietet einzig und allein die Mühlhäuser Kirmes. Wer will, kann einen weiteren Tag auf dem Rummel verbringen. Die Kirmesgemeinden bieten sage und schreibe rund 290 Veranstaltungen an.

Y wie Y-Chromosom. Programme speziell für Frauen werden versprochen. So ein Weiberabend in der Oberen Grünstraße am 27. August, 19 Uhr, und ein Frauenabend der Kirmesgemeinde Zinkengasse am selben Tag ab 20 Uhr.

Z wie Zweiter Weltkrieg. Unterbrochen wurden die Kirmesfeierlichkeiten in den beiden Weltkriegen. Nach Ende des 1. Weltkrieges 1919 gab es die bis heute wahrscheinlich größte Beteiligung an der Kirmes. 102 Kirmesbäume wurden im gesamten Stadtgebiet aufgestellt. Die Kirmesgemeinden schlossen sich zu Vereinen zusammen, bündelten ihre Organisation.

Höhepunkte in der Kirmeswoche vom 23. August bis zum 31. August

Freitag: 9 bis 18 Uhr: Großer Kirmesmarkt auf Untermarkt und Bachplatz

10 Uhr: Kirmeskreise der Kinder im Puschkinhausgarten

17 Uhr: Eröffnung des Festplatzes Blobach

ab 18 Uhr fährt die Kirmesbahn zwischen den einzelnen Gemeinden

Samstag: ab 9 Uhr: Altstadtlauf über 1,7 sowie 5 und 10 Kilometer mit Start und Ziel am Untermarkt. Nachmeldungen bis jeweils eine halbe Stunde vor dem Start. Startnummern ab 8 Uhr am und im Sparkassenhaus

15 Uhr: Musikschau der Spielleute, Untermarkt.

Sonntag:6 Uhr: Wecken durch die Musik- und Spielmannszüge in der gesamten Stadt

9 Uhr: Turmblasen von der Kirche St. Marien

9.30 Uhr: Ökumenischer Stadtgottesdienst zur Kirmes in St. Marien

11 Uhr: Festumzug durch die Innenstadt

12.30 Uhr: Handwerkermarkt auf dem Kristanplatz

20 Uhr: Lampionumzug durch die Innenstadt, beginnend am Inneren Frauentor

Montag: 9 Uhr: Empfang des Traditionsvereins Mühlhäuser Heimatfeste durch den Oberbürgermeister im Rathaus

ab 10 Uhr: buntes Treiben in den Kirmesgemeinden, Früh- und Spätschoppen

Mittwoch: zwischen 14 und 23 Uhr: Familientag auf dem Rummel auf dem Blobach mit ermäßigten Preisen bei allen Fahrgeschäften

Freitag: 15 Uhr: Kinderkirmes mit Miles Shane in der Kirmesgemeinde Mittlere Wanfrieder Straße.

Samstag:21 Uhr: Orgelkonzert zur Kirmes in St. Petri

22 Uhr Feuerwerk zum Kirmesfinale, Blobach

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