Das Rüstungswerk im Tal der Unstrut

Beyrode  In Fabrikhallender Siedlung Beyrode bei Horsmar wurden in den 1930er Jahren Maschinengewehre produziert. Heute leben hiernur noch 14 Menschen.

Blick von oben auf das Gelände der einstigen Rüstungsfabrik von der heute nur noch die sanierten Wohnhäuser genutzt werden.

Blick von oben auf das Gelände der einstigen Rüstungsfabrik von der heute nur noch die sanierten Wohnhäuser genutzt werden.

Foto: Alexander Volkmann

Unscheinbar liegt das Örtchen Beyrode im Tal der Unstrut an der Landstraße zwischen Horsmar und Dachrieden. Die Siedlung, über deren Entstehung wenig bekannt ist, weist nicht mehr als ein paar Mehrfamilienhäuser aus.

In dem wenigen verfügbaren Material, das Heimatforscher zusammengetragen haben, heißt es, dass die Siedlung in Flussnähe schon seit dem 29. November 1178 bestehe – das ist jedenfalls das Datum ihrer urkundlichen Ersterwähnung.

Eine Mühle an dieser Stelle soll erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Später betrieb der Mühlhäuser Unternehmer Christoph Walter hier eine Kammgarnspinnerei. Das Unternehmen hatte auch einen Betrieb in Mühlhausen. Und hier beginnt das wohl am umfangreichsten beschriebene Kapitel in der Geschichte des Fleckchens Beyrodes, nämlich das der dortigen Rüstungsfabrik.

Heimatforscher Karl-Heinz Cramer aus Mühlhausen hat dazu bislang unveröffentlichtes Material, wie Akten und Fotografien gesammelt. Danach soll die reichseigene Luftfahrtanlagengesellschaft die Kammgarnspinnerei 1936 gekauft haben und hier ein Werk zur Produktion von Maschinengewehren errichtet haben. Sogleich sei das neue Werk verpachtet worden an die Wagner und Co. GmbH mit deren Eigentümern Ulrich und Conrad Wagner.

In den 1930er Jahren baute die Firma Wagner und Co. ein großzügiges Gemeinschaftshaus am Ufer der Unstrut. Die Vorderfront schmückten rechts und links neben dem Eingang Bilder des Malers Oswald Jarisch. Der Direktor Ulrich Wagner übergab das Gebäude nach seiner Fertigstellung an den Betriebsleiter.

Betrieb wird nach Kriegsende demontiert

Der Rüstungsbetrieb stellte nun Gewehre und Zubehör für die Luftwaffe her. Ein Schießschacht wurde unweit des Werks in einem Stollen angelegt, um die Waffen zu testen. Auch geht aus Cramers Unterlagen hervor, dass die Arbeitskräfte zu Kriegszeiten nicht mehr ausreichten, weshalb später Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt wurden.

Neben dem Betriebsgelände wurden zusätzlich für die Beschäftigten auch Wohnhäuser gebaut – das sind die zum Teil heute noch erhaltenen Mehrfamilienhäuser. Für Zwangsarbeiter dagegen entstanden auf der gegenüberliegenden Straßenseite Holzbaracken und Sanitärräume, von denen heute kaum mehr Überreste zu finden sind.

Mit dem Einzug der Amerikaner gegen Kriegsende im April 1945 wurde der Betrieb dann geschlossen. Maschinen, Werkzeuge und Zubehör sowie Dachrinnen, Fenster und Türen wurden demontiert und abtransportiert. Später wurde vom Landratsamt ein Quarantäne-Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem Gelände eingerichtet.

Vom amerikanischen Militär erhielt der aus Mühlhausen stammende Direktor Ulrich Wagner die Genehmigung, die ihm gestattete, fortan nur noch mit dem Fahrrad zum Betrieb nach Beyrode zu fahren, um dort private Unterlagen abzuholen. Bald verließen die Geschwister Wagner mit ihren Familien die Stadt Mühlhausen in Richtung Westdeutschland.

Von dem einstigen großen Betrieb mit seinen Produktionshallen ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Das Gemeinschaftshaus wurde zu DDR-Zeiten als Lagerhalle genutzt und war nach der Wende die Werkstatt eines Metallbetriebes. Heute ist sie ungenutzt. Einzig die Wohnhäuser wurden saniert, heute leben hier 14 Menschen. Das Grün auf dem Gelände gewinnt wieder Überhand.

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