Dem Kreis fehlt‘s an Lehrern: 30 Stellen unbesetzt

Mühlhausen  Das Problem könnte wachsen. In kommenden zwei Jahren gehen viele Lehrer in Ruhestand. Das Mühlhäuser Tilesius-Gymnasium etwa verabschiedet bis 2021 die Hälfte seiner Lehrer.

Wegen fehlender Lehrer kommt es wohl auch künftig immer wieder zu Vertretungen im Stundenplan.

Wegen fehlender Lehrer kommt es wohl auch künftig immer wieder zu Vertretungen im Stundenplan.

Foto: Peter Michaelis

900 Lehrer verabschieden sich in Thüringen allein in diesem Jahr in den Ruhestand. Ihre und weitere knapp 300 Stellen sind neu zu besetzen, für 500 ist das nach Auskunft des Kultusministeriums bereits erfolgt. Die Einstellungen laufen auf Hochtouren, während der Sommerferien würden jeden Tag Arbeitsverträge unterzeichnet, versichert Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke/unsere Zeitung am 26. Juni).

Doch die Suche nach Bewerbern für die allein für dieses Jahr noch rund 700 offenen Stellen gestaltet sich nicht immer einfach. Vor allem in ländlichen Gebieten wird händeringend nach Interessenten gesucht. Schwerpunktfächer sind Naturwissenschaften und die künstlerisch-musischen Fächer. Für Grundschulen fehlen laut Bildungsministerium vor allem Lehrer, die Sport unterrichten.

30 freie Stellen – teilweise befristet – gab es mit Stand vom 1. Juli im Landkreis. Eine davon am Tilesius-Gymnasium, das rund 680 Schüler zählt, darunter 95, die im August neu in die vier fünften Klassen kommen. Die Schule steht ab sofort vor einem großen Personalwechsel. Knapp die Hälfte der 58 Lehrer wird bis zum Sommer 2021 die Schule mit den Schulteilen an der Burg und an der Feldstraße verlassen.

Schulleiter Udo Penßler-Beyer, weiß genau, welche Probleme vor ihm stehen. Auch in seiner Schule gibt es keine gesunde Alterspyramide, fehlen Lehrer im Alter zwischen 30 und 50 nahezu vollständig.

Naturwissenschaftler gelten als Mangelware

Für das im August beginnende Schuljahr sei für ihn „fast problemlos“ zu planen. Fünf Abgängen stehen vier Neuzugänge entgegen. Einzig die Stelle eines Sportlehrers ist noch zu besetzen. Penßler-Beyer ist „optimistisch, dass wir das bis zum Schuljahresbeginn hinbekommen“. Man sei in gutem Kontakt mit dem Schulamt in Leinefelde-Worbis. Das Gymnasium hat noch einmal zugreifen können, einen Bio-/Chemie-Lehrer bekommen, einen für Latein und zwei für Mathematik. Dabei gelten gerade die Naturwissenschaftler als Mangelware.

1100 Unterrichtsstunden pro Woche sind unter seinen Kollegen verteilt. Es bleibt eine Reserve von 20 Stunden. Die wird dann aufgebraucht, wenn es darum geht, dass Unterricht zu vertreten ist. Wenn Penßler-Beyer sagt, dass es in personell guten Jahren etwa 100 Stunden waren, ahnt man, dass es trotzdem eng wird. „Es wird an die Belastungsgrenze der Kollegen gehen“, sagt der Mann aus Bollstedt.

Es werde erfahrungsgemäß nicht 20 Vertretungsstunden pro Woche brauchen, sondern 40 bis 50.

Schwierig werde die Situation am Tilesius-Gymnasium mit dem Schuljahr 2020/2021. Dann gehen voraussichtlich 13 Lehrer in den Ruhestand, im sich daran anschließenden Schuljahr weitere neun. „Wir haben schon nächsten Sommer kein einziges Fach mehr, in dem es keinen Bedarf mehr gibt.“ Vor allem in Musik werde es „ganz eng“, ebenso in Fächern, wo es auf dem freien Markt kaum Lehrer gibt – Kunst und Naturwissenschaften.

Dass sich dieser Mangel auf die Schnelle beheben lässt, Udo Penßler-Beyer glaubt nicht daran. Es ziehe die jungen Leute eben nicht nach Nordthüringen aufs Land. Zwar werde die Zahl der ausscheidenden Lehrer 1:1 ersetzt, aber eben nicht in jedem Fall in der benötigten Fächerkombination. „Was nützt mir der zehnte Geschichtslehrer, wenn ich kein Mathe mehr unterrichten kann?“, fragt er überspitzt.

Was den Kunsterziehungsunterricht an diesem Gymnasium angeht, da sei man bereits gezwungen, einen fachfremden Lehrer in den unteren Klassen unterrichten zu lassen. Das geht in den höheren Klassen nicht. Für den Unterricht ab Klasse 10 brauche es zwingend ein abgeschlossenes Studium.

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