Der Kreismusikschule im UH-Kreis laufen die Lehrer davon

Landkreis  Der Unterricht in fünf Instrumenten und in der musikalischen Früherziehung ist betroffen. Derzeit gibt es rund 700 Schüler in Mühlhausen und Bad Langensalza.

Christian Rangnick (rechts) leitet seit vielen Jahren die Kreismusikschule. Sie ist ein gefragter Begeiter von Veranstaltungen im Unstrut-Hainich-Kreis – hier beim Röblinglauf im Mai am Mühlhäuser Schwanenteich.

Christian Rangnick (rechts) leitet seit vielen Jahren die Kreismusikschule. Sie ist ein gefragter Begeiter von Veranstaltungen im Unstrut-Hainich-Kreis – hier beim Röblinglauf im Mai am Mühlhäuser Schwanenteich.

Foto: Daniel Volkmann

Die Kreismusikschule musste ihr Angebot mit dem neuen Schuljahr kürzen. Das kritisieren sowohl Eltern als auch der Verein der Freunde und Liebhaber der Musikschule „Johann Sebastian Bach“.

Von Elternsprecherin Annett Kannenberg heißt es: Man muss um das Bestehen einiger Fachbereiche bangen. In den Sommerferien haben fünf Honorarlehrer gekündigt. Nur eine neue Kraft hat nach Auskunft von Christian Rangnick, dem Leiter der Schule, in der Zwischenzeit ihre Arbeit aufgenommen.

Viele Instrumentalschüler und Vorschulkinder, die die musikalische Früherziehung besuchen, hängen erst einmal in der Luft. Betroffen sind beide Standorte, also Mühlhausen und Bad Langensalza. Allein in der Früherziehung sind es nach Aussage des Fördervereins 30 Kinder.

Bezahlung lässt zu wünschen übrig

Was den Förderverein ärgert: „Der Landkreis schmückt sich gern mit den Leistungen unserer Schüler in den beiden Orchestern, der Big Band oder den Ensembles, stellt aber kein Geld ein, um Lehrkräfte angemessen zu bezahlen.“ Auch in der Lehrerschaft ist zu hören: „Die Wertschätzung unserer Arbeit hat in den vergangenen Jahren abgenommen.“

Derzeit lehren neun festangestellte Lehrer und zwölf Honorarlehrer. Mitte der 1990er waren es – bei weit weniger Schülern – 20 Festangestellte. Die Schule zählt derzeit etwa 700 Lernende, zu Beginn des vergangenen Jahres gab es eine Warteliste mit 157 Namen, heißt es vom Verband deutscher Musikschulen. Andere Kreismusikschulen vergleichbarer Größe zählen mehr Festangestellte.

Cello, Schlagzeug und Klavier betroffen

Betroffen vom Lehrermangel sind die Bereiche Cello, Schlagzeug, Oboe, Violine und Klavier in Bad Langensalza; es gibt für fast alle Instrumente Wartelisten. Die Kritik des Fördervereins bezieht auch die Bezahlung der Honorarkräfte ein. „Wahrscheinlich wird man neue Honorarkräfte finden. Aber sehr unwahrscheinlich ist, dass sie lange bleiben und damit Kontinuität in die Ausbildung unserer Kinder bringen.“ Bei einem Entgelt von 16,50 Euro pro Unterrichtsstunde ist es laut Kannenberg „kein Wunder, dass immer wieder Lehrer unserer Schule einer Festanstellung an anderen Kreismusikschulen folgen und dafür lange Fahrwege in Kauf nehmen.“ Es müssten mehr feste Stellen für Instrumentallehrer im Kreishaushalt geschaffen werden. Schwer wiegt, dass im neuen Schuljahr die Kurse zur Früherziehung reduziert werden mussten. Laut Rangnick kann man derzeit nur die Hälfte des Bedarfs decken. „Der Kursleiterin war eine halbe Stelle versprochen worden. Nur die Bestätigung des Kreishaushaltes müsse noch abgewartet werden, hieß es. Doch die Zusage platzte“, heißt es vom Förderverein. Die Stellensperrungen würden dazu führen, dass gefragte Lehrer an andere Schulen wechseln. Die Konsequenz bekamen in den vergangenen Jahren die Cello-Schüler zu spüren. Ihre Lehrer wechselten regelmäßig.

Musikschule ist freiwillige Kreisaufgabe

Der Blick in den Kreishaushalt zeigt: Mehr fest angestellte Lehrer sind in diesem Jahr nicht vorgesehen. Der Zuschussbedarf wird im Haushalt mit 545.000 Euro festgeschrieben, das sind 17.000 weniger als voriges Jahr. Nahezu die gesamte Summe bezieht sich auf die Dienstbezüge (532.000 Euro). Das sind 15.000 Euro weniger als 2018. Dagegen sind für Honorare 135.000 Euro vorgesehen, 5000 mehr als vor Jahresfrist. Die sinkenden Personalausgaben bedeuten bei allgemein steigenden Löhnen und Gehältern eine sinkende Lehrerzahl.

Der Betrieb einer Kreismusikschule ist für einen Landkreis eine freiwillige Ausgabe. In Zeiten von Haushaltskonsolidierung sind es Einrichtungen wie diese, die den Sparzwang zuerst zu spüren bekommen. Die Verwaltungsspitze wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage nicht zur Zukunft äußern.

Zu den Kommentaren