Der Landbus fährt häufig leer

Landkreis  Bei knapp 160 Touren seit Oktober war jeder zweite Bus leer unterwegs. Für November und Dezember ist ein Winterbadebus geplant.

Der Landbus an der Haltestelle Wiebeckplatz in Bad Langensalza. Seit drei Monaten gibt es das Angebot.

Der Landbus an der Haltestelle Wiebeckplatz in Bad Langensalza. Seit drei Monaten gibt es das Angebot.

Foto: Daniel Volkmann

Die Zahlen sind ernüchternd. Binnen drei Monaten gab es 88 Fahrgäste. Der Landbus findet keine Mitfahrer, und doch wird das Angebot aufrecht erhalten.

Der Landbus war im Juli eingeführt worden – als ein kostenloses Angebot, um auf sechs Routen Menschen aus den Dörfern in benachbarte dörfliche Zentren, in einem Fall auch nach Bad Langensalza, zu bringen. Hüpstedt, Kirchheilingen, Struth, Schlotheim und Großengottern waren die weiteren Ziele. Unterwegs war der Bus auf allen Linien samstags und an einem weitere Tag mit je einer Hin- und einer Rückfahrt. Bei 13 Wochen und 160 Fahrten war rechnerisch nur jeder zweite Bus mit einem Fahrgast unterwegs, die anderen leer.

Finanziert wird das Projekt vom Land. 36.000 Euro kostet nach Angaben von Birgit Kaufhold der Landbus. Das Geld stammt zu 100 Prozent aus dem Thüringer Landesprogramm Familie, aus dem der Unstrut-Hainich-Kreis in diesem Jahr 635.000 Euro erhält. Derzeit werden darüber bereits 40 Projekte unterstützt – unter anderem die Aktion Dorfkümmerer und Elternbegleiter, und seit Juli der Landbus. Der wurde unter der Bezeichnung Marktbus eingeführt, was prompt Kritik aus den kleinen Dörfern hervorrief, in denen es noch eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Man fürchtete, der Bus würde die kleinen Läden schwächen.

Landrat Harald Zanker (SPD) mühte sich zu erklären, dass es vielmehr darum gehe, die Kontakte zwischen den Orten zu verbessern und eine Möglichkeit zu schaffen, zum Einkaufen und zum Arzt zu kommen.

Angebot erst in wenigen Regionen angenommen

Doch gefruchtet hat dies nicht. Heute gibt Zanker zu: „Wir haben ganz andere Zahlen erwartet, sind davon ausgegangen, dass es ein Knaller wird.“

Er spricht davon, dass die Idee zu schlecht kommuniziert, zu wenig beworben worden sei. Das habe vor allem an der Zeit gelegen. Zwischen der Zusage des Landes, das Projekt starten zu können, und dem tatsächlichen Start lagen nur ein paar Tage. Noch dazu mitten in der Ferienzeit.

Doch die Zahlen wurden auch mit dem September nicht besser. Trotzdem fließen über das Landesprogramm nun für die nächsten drei Monate weitere 36.000 Euro in den Landbus.

„Bis sich Gewohnheiten ändern, braucht es eigentlich ein Jahr. Das Angebot muss erst in die Köpfe der Menschen, schließlich gab es über Jahrzehnte nicht die Möglichkeit zu solchen Fahrten“, ist der Landrat überzeugt.

Einzig zwischen Alterstedt und Bad Langensalza, wo fast die Hälfte der Fahrgäste registriert wurde, hat das Angebot die Menschen erreicht. Allerdings fährt dort auch regulär ein Linienbus, ist der Landbus ein zusätzliches Angebot. Zwischen Eigenrode und Hüpstedt hat es nach Aussage von Regionalbus-Geschäftsführer Gerd Haßkerl in den vergangenen drei Monaten nur an zwei Tagen jeweils einen Mitfahrer gegeben. Die Lehrlinge seines Unternehmens seien derzeit dabei, in den rund 30 Landbus-Dörfern 3000 Faltblätter zu verteilen, um das Angebot zu bewerben. Weitere drei Monate und damit bis zum Jahresende soll der Landbus nun fahren.

Auf Vorwürfe der Steuerverschwendung entgegnet Zanker: „Wenn ich nur einen Euro in den Kreis holen kann, dann tue ich es. Sonst würde man mir auch vorwerfen, eine Chance ungenutzt zu lassen.“ Die Ergebnisse des Landbusses sollen auch in die neue Planung des Busverkehrs fließen. Dass dies auch Einschnitte bedeuten kann, lässt der Behördenleiter durchblicken. „Wir können es uns nicht leisten, Luft umherzufahren.“

Für ein weiteres kostenloses Angebot werden derzeit Anträge geschrieben – ein Winterbadebus. Der soll auf fünf Linien Menschen in die Thüringentherme nach Mühlhausen bringen. Genehmigt das Land den Antrag, soll der Bus im November und Dezember jeweils an einem Tag in der Woche mit zwei Hin- und zwei Rückfahrten unterwegs sein. Geplant sind laut Zanker die Routen Bickenriede – Lengefeld – Dörna – Hollenbach, Zella – Horsmar – Dachrieden – Ammern, Körner – Grabe – Görmar, Oppershausen – Niederdorla – Felchta sowie Kammerforst – Langula – Oberdorla an den Lindenbühl in Mühlhausen. „Sobald wir vom Land hellgrünes Licht haben, werden wir die Haushalte informieren“, sagt Zanker.

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